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Erste Group : Vorerst keine österreichische Digitalbank in Deutschland

Der Erste-Hauptsitz in Wien Bild: Reuters

Mit der Onlineplattform „George“ wollte eine der größten Banken Österreichs den deutschen Markt erobern. Daraus wird nun erstmal nichts. Der Grund überrascht.

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          Die führende österreichische Bank Erste Group legt den Plan vorläufig auf Eis, mit der digitalen Plattform „George“ in den deutschen Markt einzutreten. Der dafür zuständige Vorstand für das Privatkundengeschäft des Instituts, Peter Bosek, begründete diesen Schritt am Freitag mit dem scharfen Wettbewerb unter den Digitalbanken in Deutschland. Zu den sogenannten „Challenger“-Anbietern gehören etwa Revolut und N26.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Zum einen sei die Entwicklungsgeschwindigkeit so rasant, dass es fraglich sei, ob der Infrastrukturelle Teil im gleichen Maß nachwachsen kann, sagte Bosek. Zum anderen könne es sein, dass die Geschäftsmodelle zwischen online und offline konvergieren – wie zum Beispiel bei der ING. Erst wenn Marktsituation geklärt sei, werde Erste Group entscheiden, die „George“ als führende paneuropäsiche Bankenplattform sieht.

          Erste Group hatte monatelang als aussichtsreicher Kandidat für dieÜbernahme der polnischen Commerzbank-Tochtergesellschaft M-Bank gegolten, dann aber von einem Übernahmeangebot abgesehen. Der neue Vorstandsvorsitzende Bernhard Spalt nannte Polen am Freitag dennoch weiterhin als spannenden Zielmarkt für sein Institut.

          „Polen bleibt interessant“, sagte er. Es wäre als Nicht-Euro-Gebiet auch im wohl noch lang dauernden niedrigen Euro-Zinsumfeld ein Thema und ist bisher der einzige große Markt, der im Osteuropa-Netz der Gruppe fehlt. Die Erste Group gehört dort zu den großen Akteuren. Ansonsten wolle man in den bestehenden Märkten wachsen, organisch wie über allfällige Zukäufe. In große neue Märkte will man mit Zukäufen sonst nicht vorstoßen. Der Onlineplattform „George“ sei ein Erobern neuer Märkte aber sehr wohl möglich.

          Erste Group hat im abgelaufenen Jahr wenig Geld neu zur Seite legen müssen, um sich gegen Kreditausfälle abzusichern. Der Anteil notleidender Kredite am Gesamtkreditvolumen (Non Performing Loans Quote/NPL) ist unter 3 Prozent gedrückt worden. „Mit 2,5 Prozent gab es zum Jahresende 2019 die niedrigste NPL-Quote seit dem Börsengang 1997.“ Den Aktionären der mehrheitlich im Streubesitz stehenden Bank wird eine Dividendenerhöhung von 1,40 auf 1,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt.

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