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„Optimismus ist zersprungen“ : Der Erfinder des World Wide Web macht sich große Sorgen

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Macht sich große Sorgen: Tim Berners-Lee, der das World Wide Web erfand. Bild: Reuters

„Wir haben das Gefühl individueller Handlungsfähigkeit verloren“, sagt Tim Berners-Lee. Im Umgang mit Tech-Konzernen wie Facebook mahnt er zu Vorsicht.

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          Tim Berners-Lee macht sich große Sorgen um das Internet. Anstatt vor allem freiheitliche Ideen zu verbreiten, werde es vielfach für das Gegenteil dessen verwendet. „Ich bin enttäuscht vom gegenwärtigen Zustand des Webs“, sagte der Informatiker in einem Interview dem Finanzdienst Reuters: „Wir haben das Gefühl individueller Handlungsfähigkeit verloren und zu einem gewissen Grad, denke ich, ist auch der Optimismus zersprungen.“

          Berners-Lee ist nicht irgendjemand. Der in London geborene Computerfachmann hat das Internet erfunden, wie wir es kennen, das World Wide Web als Verknüpfung unzähliger Homepages, die jeder von überall her ansteuern kann. Er ersann diese Idee, die das Leben der Menschen rund um den Globus veränderte, in den achtziger Jahren am Forschungszentrum Cern in der Schweiz.

          Hass in sozialen Netzwerken

          Berners-Lee beklagte abermals die Art und Weise, wie das britische IT-Unternehmen Cambridge Analytica an die Daten von vielen Millionen Facebook-Nutzern gelangte. Schon direkt nach Bekanntwerden dieses Skandals im Frühjahr meldete er sich direkt dazu zu Wort. „Das ist ein ernster Moment für die Zukunft des Netzes“, teilte er damals über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, und fügte hinzu: „Aber ich möchte, dass wir hoffnungsvoll bleiben.“

          Nun hob Berners-Lee hervor, wie stark soziale Netzwerke seiner Ansicht nach weiterhin genutzt werden, um Hass zu schüren. „Wenn du einen Tropfen Liebe in Twitter gibst, scheint dieser sich aufzulösen, aber wenn du einen Tropfen Hass hinein gibst, fühlt es sich an, als würde er sich tatsächlich deutlich stärker verbreiten.“ Er, Berners-Lee, frage sich: „Liegt das an der Art und Weise, wie Twitter als Medium aufgebaut wurde?“

          Und er stellte die mittlerweile häufiger diskutierte Frage in den Raum, ob führende Technologie-Unternehmen wie Facebook oder Alphabet (Google) mittlerweile zu dominant seien. „Was natürlicherweise geschieht, ist, dass letztendlich ein Unternehmen das Feld dominiert.“ Historisch habe es bislang in solchen Fällen keine Alternative gegeben, als sie aufzuspalten.

          Allerdings mahnte er mit Blick auf die Gegenwart und den zunehmend schnelleren technischen Fortschritt zu großer Vorsicht. „Bevor wir sie aufbrechen, sollten wir abwarten, ob sie nicht einfach nur durch ein kleineres Unternehmen (...) geschlagen, sondern auch durch eine Veränderungen des Marktes insgesamt.“ Woran er dabei denke, sagte er nicht.

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