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Manipulationen auf Facebook : „Ich weiß, dass ich Blut an meinen Händen habe“

Der Facebook-Schriftzug, fotografiert auf der Videospielemesse Gamescom. Bild: dpa

Ob Fake-Accounts die Wahlen in Aserbaidschan oder Honduras beeinflussen dürfen, entschied sie bei Facebook alleine, schreibt eine inzwischen gekündigte Analystin. Das Unternehmen kümmere sich nur, wenn schlechte Presse drohe.

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          Wenn Facebook auf organisierte Manipulationen der öffentlichen Meinung stößt, hängt die Frage, ob und wie schnell das weltgrößte Soziale Netzwerk sich darum kümmert, offenbar maßgeblich davon ab, wo sie stattfinden. Gegen Fake-Accounts und dergleichen in Ländern wie Indonesien, Irak oder El Salvador vorzugehen, überlässt der Konzern hingegen Sachbearbeitern, während sie Vorgesetzten egal seien, berichtet eine entlassene Mitarbeiterin.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie habe sich oft schuldig gefühlt, wenn in Ländern, die sie nicht priorisiert habe, gewaltsame Unruhen ausgebrochen seien, schreibt die Datenanalystin Sophie Zhang dem Onlinemagazin „Buzzfeed News“ zufolge in einem internen Memo an ihre ehemaligen Kollegen: „Ich weiß, dass ich inzwischen Blut an meinen Händen habe.“

          Ein Vorgesetzter habe ihr einmal gesagt, dass die meisten Länder außerhalb der westlichen Welt im Grunde wie der Wilde Westen mit ihr als Teilzeit-Diktatorin seien. Er meinte das als Kompliment, schreibt die Analystin die drei Jahre lang für Facebook arbeitete. „Ich habe allein und ohne Aufsicht so viele Entscheidungen getroffen, die nationale Präsidenten betrafen, und Maßnahmen gegen so viele prominente Politiker auf der Welt ergriffen, dass ich sie nicht mehr zählen kann“, heißt es in Zhangs Botschaft, aus der „Buzzfeed News“ zitiert.

          Gute Schlagzeilen wichtiger als der Ausgang von Wahlen

          Es gebe so viele Manipulation von Nutzern des Sozialen Netzwerks, dass es allein auf ihre persönliche Einschätzung angekommen sei, welche Fälle weiter verfolgt worden seien. Grundlegendes Problem sei gewesen, dass es bei dem Sozialen Netzwerk nicht genügend Personal und Ressourcen für die Bekämpfung von Manipulationen gebe.

          „Facebook vermittelt nach außen hin ein Bild von Stärke und Kompetenz, aber in Wirklichkeit sind viele unserer Taten leichtsinnige und zufällige Unfälle“, schreibt Zhang.

          Der Konzern regiere, indem er Regionen wie die Vereinigten Staaten und Westeuropa priorisiere. Häufig habe er erst auf Fälle reagiert, nachdem sie sie wiederholt auf Workplace, der internen Kommunikationsplattform des Unternehmens, intern öffentlich gemacht habe. Facebook habe die Tendenz, sie auf Manipulationen zu konzentrieren, die zu negative Schlagzeilen führen könnten. Das habe eine höhere Priorität als der korrekte Ausgang von Wahlen.

          Zhang nennt als Beispiel den Fall von Juan Orlando Hernandez, Präsident von Honduras. Er habe eine koordinierte Kampagne mit „Tausenden“ Fake-Botschaften verantwortet, um die öffentliche Meinung in Honduras „in riesigem Ausmaß“ zu manipulieren. Es habe neun Monate gedauert, bis Facebook darauf reagiert habe.

          Ein ähnlicher Fall habe sich in Aserbaidschan ereignet, wo die Regierungspartei mit Troll-Farmen tausende unauthentische Botschaften produziert habe, um die Opposition zu diskreditieren. Facebook begann ihr zufolge erst ein Jahr nach Zhangs Meldung, sich das Problem anzuschauen. „Vielleicht hielten die sich für clever – die Wahrheit war, dass sie uns einfach zu egal waren, um sie aufzuhalten“, schreibt sie.

          Verzicht auf eine Abfindung

          Das Magazin zitiert einen ehemaligen Kollegen Zhangs, der ihr bescheinigte, sehr qualifiziert im Aufspüren von Fake-Accounts gewesen zu sein. „Sie ist die einzige Person in diesem gesamten Bereich bei Facebook, der ich jemals geglaubt habe, diese Arbeit ernsthaft anzugehen“, sagte der technische Mitarbeiter. „Vieles, was ich aus ihrem Memo gelernt habe, war sogar für mich als jemanden, der oft enttäuscht darüber ist, wie das Unternehmen mit seinen besten Mitarbeitern umgeht, schockierend.“

          Zhang wurde in diesem Monat entlassen und veröffentlichte ihr Memo Facebook-intern an ihrem letzten Tag. Dem Bericht zufolge entließ das Unternehmen sie, obwohl sie angeboten habe, bis nach der amerikanischen Präsidentenwahl als unbezahlte Freiwillige weiterzuarbeiten. Zhang habe zudem auf eine Abfindung von mehr als 60.000 Dollar verzichtet, um nicht unterschreiben zu müssen, nach ihrer Kündigung nicht negativ über Facebook zu sprechen. Bei ihrem Abschied ermutigte sie ihre Kollegen, bei Facebook zu bleiben und das Unternehmen von innen heraus zu reparieren.

          Facebook reagierte mit einer Stellungnahme auf die Vorwürfe, in der das Unternehmen sie nicht dementierte. „Wir haben spezialisierte Teams gebildet, die mit führenden Experten zusammenarbeiten, um böswillige Akteure davon abzuhalten, unsere Systeme zu missbrauchen, was zur Beseitigung von mehr als 100 Netzwerken für koordiniertes, nicht authentisches Verhalten geführt hat“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der F.A.Z. mit. „Wir untersuchen jedes Problem sorgfältig, einschließlich derer, die Frau Zhang aufwirft, bevor wir Maßnahmen ergreifen oder als Unternehmen öffentliche Aussagen treffen.“ Zu den von Zhang genannten Beispielen gab es keine Stellungnahme.

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