https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/elon-musk-will-twitter-komplett-kaufen-angebot-haette-luft-nach-oben-17959711.html

Angebot für Twitter-Übernahme : Elon Musk geht aufs Ganze

Elon Musk im September 2020 in Grünheide Bild: EPA

Der Tesla-Chef will Twitter komplett kaufen und von der Börse entfernen. Elon Musks „bestes und endgültiges Angebot“ hätte aber Luft nach oben.

          3 Min.

          Elon Musk hat sich nicht lange Zeit gelassen, um aus seiner Beteiligung an Twitter einen Übernahmekampf zu machen. Der derzeit reichste Mensch der Welt, der in erster Linie als Vorstandsvorsitzender des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX bekannt ist, hat am Donnerstag mitgeteilt, den Kurznachrichtendienst komplett kaufen zu wollen. Er bietet rund 43 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In einem Brief an den Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor schrieb er, die Onlineplattform müsse von der Börse genommen und umgebaut werden: „Twitter hat außergewöhnliches Potential. Ich werde es freisetzen.“ Der Aktienkurs von Twitter, der seit Bekanntwerden von Musks Investition schon deutlich an Wert gewonnen hatte, legte am Donnerstag im Handelsverlauf um weitere 3 Prozent auf rund 47 Dollar zu.

          Verwaltungsrat berät über Angebot

          Damit blieb er aber unter dem von Musk gebotenen Preis von 54,20 Dollar, was darauf hindeutet, dass es an den Finanzmärkten erhebliche Zweifel am Zustandekommen der Transaktion gibt. Musk nannte den Preis sein „bestes und endgültiges Angebot“. Twitter teilte mit, die „unaufgeforderte“ Offerte „sorgfältig“ prüfen zu wollen. Amerikanischen Medienberichten zufolge wollte der Verwaltungsrat des Unternehmens am Donnerstag zusammenkommen, um über Musks Kaufangebot zu beraten.

          TWITTER INC. DL-,000005

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Vor weniger als zwei Wochen wurde publik, dass Musk einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter gekauft und sich damit aus dem Stand zum größten Aktionär des Unternehmens gemacht hat. Von da an überschlugen sich die Ereignisse. Erst hieß es, Musk solle einen Sitz im Verwaltungsrat von Twitter übernehmen, das war dann aber zu Beginn dieser Woche auf einmal wieder vom Tisch.

          Das weckte umgehend Spekulationen, Musk könnte zu einem Übernahmemanöver ausholen, denn damit war eine mit ihm geschlossene Vereinbarung hinfällig, wonach er als Mitglied des Verwaltungsrats seinen Anteil nicht auf mehr als 14,9 Prozent ausbauen könne. Twitter-Vorstandschef Parag Agrawal warnte seine Mitarbeiter schon vor weiteren „Ablenkungen“ und „Lärm“, und das hat sich nun wenige Tage später mit dem Kaufangebot auch bestätigt.

          „Ich habe kein Vertrauen in das Management“

          Einmal mehr hat Musk jetzt suggeriert, dass er bei Twitter mehr als finanzielle Beweggründe verfolgt. Er hat in jüngster Zeit mehrfach Kritik am Unternehmen geübt und ihm übermäßige Zensur von Inhalten vorgeworfen, und dies wiederholte er jetzt in seinem Brief. „Ich habe in Twitter investiert, weil ich in sein Potential glaube, eine Plattform für freie Meinungsäußerung auf der ganzen Welt zu sein, und ich glaube, freie Meinungsäußerung ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine funktionierende Demokratie. Aber seit meiner Investition habe ich festgestellt, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Form keinen Erfolg haben und diese gesellschaftliche Notwendigkeit nicht verfolgen wird.“ Deshalb müsse Twitter fernab von der Börse „transformiert“ werden.

          Mit seiner Kritik schlägt Musk ähnliche Töne an wie Politiker der Republikanischen Partei in den USA, die Twitter und anderen Plattformen wie Facebook vorwerfen, konservative Stimmen zu unterdrücken. Aus diesem Lager kam auch Kritik daran, dass die Unternehmen den früheren Präsidenten Donald Trump ausgeschlossen haben. Sollte Musk tatsächlich Eigentümer von Twitter werden, würde sich die Frage stellen, ob er auf eine Aufhebung der Sperre für Trump dringen würde.

          Musk verband sein Übernahmeangebot mit einem abermaligen Seitenhieb auf die Führung um Vorstandschef Agrawal. „Ich habe kein Vertrauen in das Management,“ schrieb er. Er drohte weiterhin damit, seine Investition wieder aufzugeben, falls die Übernahme nicht gelingen würde. Er glaube nicht, dass er die notwendigen Veränderungen anstoßen könnte, solange Twitter an der Börse sei. Welche Eingriffe er sich konkret vorstellt, ließ er aber offen.

          Musk kann sich Übernahme leisten

          Den von ihm gebotenen Preis von 54,20 Dollar je Aktie beschrieb Musk als hoch und sagte, die Aktionäre würden ihn „lieben“. Das ist allerdings zweifelhaft. Das Angebot entspricht zwar einem nicht unerheblichen Aufschlag von 38 Prozent auf den Aktienkurs, bevor seine Investition publik wurde. Aber der Kurs notierte noch im November auf Höhe der Musk-Offerte. Insofern stellt sich die Frage, ob die anderen Twitter-Aktionäre sich damit zufriedengeben würden.

          Grundsätzlich ist Twitter anfällig für eine Übernahme. Im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern wie dem Facebook-Mutterkonzern Meta hat das Unternehmen keine Aktien mit überproportionalen Stimmrechten, die einzelnen Aktionären einen dominierenden Einfluss verschaffen und eine Übernahme erschweren würden. Die größten Twitter-Aktionäre hinter Musk sind derzeit institutionelle Investoren wie Vanguard, Morgan Stanley und Blackrock.

          Musk kann sich die Übernahme prinzipiell leicht leisten. Auf dem Bloomberg Billionaire Index wird sein Vermögen auf 259 Milliarden Dollar beziffert. Er würde sich damit noch einmal eine erhebliche Zusatzbelastung zumuten, schon heute trägt er etliche verschiedene Hüte. Neben seinen Aufgaben als Vorstandschef von Tesla und SpaceX hat er zum Beispiel auch die auf Tunnel und Transportsysteme spezialisierte Boring Company gegründet.

          Weitere Themen

          Musk schreibt für Chinas Zensoren

          Tesla-Chef : Musk schreibt für Chinas Zensoren

          Der Tesla-Chef inszeniert sich gerne als Kämpfer für freie Rede. Das hielt ihn nicht ab, einen Gastbeitrag für ein Zensurorgan in China zu schreiben.

          Topmeldungen

          Viele unbesetzte Stellen am Frankfurter Flughafen: Reisende warten Ende Juli in einer langen Schlange in Abflughalle C von Terminal 1.

          Personalmangel und die Folgen : Der Sommer der Warteschlangen

          Fast überall fehlt Personal. Deshalb ruckelt es gerade allerorten. Wird es irgendwann wieder wie vor der Pandemie? Oder müssen wir uns dauerhaft auf weniger Reisen und Restaurantbesuche einstellen?
          Soll zahlreiche Verfehlungen im Amt begangen haben: Patricia Schlesinger

          Skandal im RBB : Hoher Bonus für Schlesinger

          „Boni“ gab und gibt es im RBB angeblich nicht. Aber es gibt „Zielprämien“. Die fielen für die gekündigte Intendantin Patricia Schlesinger und die RBB-Direktoren sehr üppig aus: 200.000 Euro mehr pro Jahr für die Senderspitze.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.