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Musk, Bezos & Co : Das große Geldverdienen mit dem Weltraum

  • Aktualisiert am

Space X arbeitet am Starship, einem Raumschiff, das weit ins All fliegen soll einmal. Bild: AP

Nicht nur Elon Musks greift nach den Sternen. Auch andere Unternehmen wollen ins All – nicht jedes mit dem Mars als Ziel.

          3 Min.

          Amateur-Astronauten, private Raumstationen, fliegende Fabriken, kosmische Filmkulissen: Das erfolgreiche Debüt von SpaceX als privater Betreiber bemannter Weltraum-Flüge eröffnet eine neue Zukunft in der Raumfahrt. Die Planungen erreichen zwar nicht die phantastischen Höhen von George Jetson, dem Cartoon-Charakter, der in einer utopischen Zukunft lebt, oder von Iron Man mit seiner futuristischen Kampf-Rüstung. Aber sie verspricht eine Menge Abenteuer.

          „Ich warte weiter auf meinen persönlichen Raketenrucksack“, scherzt Nasa-Astronaut Kjell Lingren. „Aber die Zukunft ist unheimlich aufregend.“ Seine Astronauten-Kollegin Nicole Mann, die im nächsten Jahr Boeings Raumkapsel „Starliner“ zum Test fliegen wird, kann sich gut vorstellen, dass Privatleute künftig Schlange stehen werden, um einen Fahrschein für Weltraum-Reisen zu erstehen. „Ich halte das wirklich für möglich“, sagt sie: „Wir werden erleben, wie sich der niedrige Orbit um die Erde öffnet.“

          Auf dem Weg dorthin herrscht dichtes Gedränge, angeführt von Elon Musks Unternehmung Space X, die am 30. Mai Geschichte schrieb: Da wurde sie zum ersten privaten Unternehmen, das Menschen in eine Weltumlaufbahn brachte. Für Musk nur ein Anfang. „Es ist hoffentlich der erste Schritt auf einer Reise hin zu einer Zivilisation auf dem Mars“, sagte er sichtlich bewegt nach dem erfolgreichen bemannten Raketenstart.

          Ein 400-Milliarden-Dollar-Markt

          Aber näher in der Zukunft liegt erst einmal die Beteiligung von Space X an einem Plan, in ungefähr einem Jahr den Schauspieler Tom Cruise zur Raumstation ISS zu befördern, um dort einen Film zu drehen. Nasa-Chef Jim Bridenstine findet die Idee gut: Er sieht in seiner Behörde nur einen von vielen anderen Kunden in dieser neuen Raumfahrt-Ära, in der private Unternehmen eigene Raumschiffe besitzen und fliegen – und leere Sitze mit zahlenden Passagieren füllen. Das sei die Zukunft der bemannten Raumfahrt, sagt auch Mike Suffredini, früherer ISS-Programm-Manager bei der Nasa, der jetzt das Raumfahrtunternehmen Axiom Space in Houston leitet.

          Nach Angaben von Bridenstine ist der Weltraum derzeit ein 400-Milliarden-Dollar-Markt. Eine Öffnung für zahlende Kunden könne das Geschäft auf eine Billion Dollar ausweiten. Der Nasa zufolge sind bislang 576 Menschen in den Weltraum geflogen, nur ein paar Reiche darunter kamen für die eigenen Kosten auf. So zahlte der kalifornische Geschäftsmann Dennis Tito, der im Jahr 2001 der erste Weltraum-Tourist wurde, für die Reise zur ISS 20 Millionen Dollar.

          Und derartige große Touren bleiben auf lange Sicht wohl weiter einem Milliardärs-Klub vorbehalten, wie es der frühere Nasa-Spaceshuttle-Astronaut Leland Melvin formuliert. Axiom will im Herbst 2021 in Partnerschaft mit Space X drei Kunden zur ISS befördern, begleitet von einem erfahrenen Astronauten. Zwei private Flüge pro Jahr sind geplant, an Bord völlig automatisierter Kapseln von Space X oder Boeing. Der Preis für das Reiseticket – einschließlich einem 15 Wochen dauernden Training und mehr als einer Woche in der ISS – liegt bei 55 Millionen Dollar (gut 48 Millionen Euro).

          Auch das in Vienna im amerikanischen Bundesstaat Virginia beheimatete Unternehmen Space Adventures hat sich mit Space X zusammengetan: Gegen Ende nächsten Jahres soll es eine etwa fünf Tage dauernde Reise in eine Erdumlaufbahn geben, die zwei bis drei Mal höher liegt als die der ISS, mit noch ausgedehnteren Ausblicken auf unseren Planeten. Kostenpunkt: etwa 35 Millionen Dollar.

          Blue Origin, das Unternehmen von Jeff Bezos, und Richard Bransons Virgin Galactic greifen weniger hoch. Ihre geplanten Touristenflüge streifen den Weltraum gerade mal, dauern Minuten, nicht Tage, und kosten viel weniger. Hunderte haben bereits bei Virgin Galactic reserviert.

          Branson ist der einzige unter den drei milliardenschweren Weltraum-Unternehmern, der erst einmal selbst abheben will, bevor er Kunden an Bord lässt – dann für 250.000 Dollar pro Ausflug. Sein geflügeltes Raumschiff wird von einem speziellen Flugzeug über New Mexico freigesetzt. Blue Origins Passagiere sitzen in Kapseln mit Fenstern bis zur Decke, gestartet wird mit Raketen.

          Aber es gibt noch jede Menge andere Projekte. Axiom will im Jahr 2024 in 420 Kilometer Höhe mit einem eigenen Anbau an die ISS beginnen. Er soll als Quartier für private Astronauten des Unternehmens dienen und später vom Rest der Station abgetrennt werden, um frei zu fliegen. Space Adventures betreibt Werbung für Mondumkreisungen an Bord russischer Raumfahrzeuge.

          „Leben auf mehreren Planeten nachhaltig machen“

          Die Nasa arbeitet daran, bis zum Jahr 2024 Menschen auf den Mond zurückzubringen und dort eine ständige bemannte Station zu schaffen – als eine Art Test für das eigentliche Ziel: den Mars. Musks Unternehmen hat kürzlich Aufträge zur Beförderung von Frachtgütern zum Erdtrabanten und zur Entwicklung eines Landefahrzeuges für Astronauten eingeheimst.

          Aber auch er hat den Mars im Blick – das war der Beweggrund für die Gründung von Space X vor 18 Jahren. „Ich kann es nicht genug betonen. Das ist die Sache, die wir tun müssen. Wir müssen Leben auf mehreren Planeten nachhaltig machen“, sagte er nach dem bemannten Raketenstart am 30. Mai.

          Um diese Vision zu erfüllen, arbeitet Space X mit eigenen Mitteln an der Entwicklung eines massiven Raumschiffs namens Starship. Prototypen sind aber bei Tests wiederholt auf ihren Rampen explodiert. Und bevor das Unternehmen nach entfernten Sternen greift, gilt es erst einmal, die beiden Ende Mai gestarteten Nasa-Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken im Sommer in der „Dragon“-Kapsel wieder sicher auf den Boden zu bringen.

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