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Unternehmer in Not : Elon Musk, ein irrer Typ

Ärger mit der Börsenaufsicht

Seine Einsatzbereitschaft, ob für die eigene Firma oder den Rest der Welt, trägt geradezu manische Züge. Als im Juni das Schicksal einer jugendlichen Fußballmannschaft aus Thailand, eingeschlossen in einer Höhle, über Wochen die Schlagzeilen dominierte, eilte er höchstselbst zur Hilfe – mit einem kleinen U-Boot im Gepäck, das zwar technologisch fortschrittlich ist, aber für die Rettung gänzlich ungeeignet war. Die Kinder kamen auch ohne Musk wieder ans Tageslicht.

Das alles klingt dramatisch, geradezu herzzerreißend, zeichnet es doch das Bild eines Mannes, der sich für unverzichtbar hält und an diesem Missverständnis zu zerbrechen droht. Doch die bittere Wahrheit ist: Das Mitgefühl wäre größer, würde Musk nicht immer wieder in die herrschaftliche Attitüde verfallen, die eigenen Mitarbeiter zu tyrannisieren, die Konkurrenz zu verhöhnen und andere – Börsianer, Analysten, Journalisten, selbst die Höhlenretter in Thailand – hemmungslos zu beschimpfen, wenn ihm etwas gegen den Strich geht.

Das Ganze ist gepaart mit einem unerschütterlichen Glauben an sich selbst. Da scheint nicht zu stören, dass Tesla zwar stetig steigenden Umsatz verzeichnet, aber gleichzeitig seit Jahren Verluste einfährt. Einen „Akt der Transparenz“ nennt Musk im Nachhinein seinen überstürzten Tweet zum Börsenrückzug – offensichtlich überzeugt davon, seine Gedanken seien es wert, selbst in unreflektierter Form in die Welt getragen zu werden. Die 420 Dollar, die er Investoren je Aktie in Aussicht stellte, hatte er mit der goldenen Händlerregel „Pi mal Daumen“ festgelegt. Nach dem Auf und Ab der vergangenen Wochen notierte der Aktienkurs am Freitagabend bei 322 Dollar (276 Euro) – also ziemlich weit weg von dem versprochenen Preis.

Das bringt Ärger. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC stand gleich am Tag nach dem verhängnisvollen Tweet auf der Matte und bat um Informationen. Normalerweise können Unternehmen in solchen Fällen umfangreiche Pläne präsentieren, ausgearbeitet von Wirtschaftsanwälten und Investmentbankern. Aber solche Details fehlen nun einmal, wenn der Chef seine Ideen während einer Autofahrt ungefiltert ins Blaue schickt.

Was nicht bedeutet, dass die Überlegungen zum Rückzug von der Börse spontan, aus einer Laune entstanden waren. Musk dachte schon länger darüber nach, die Woche zuvor hatte er das Vorhaben schon einmal intern besprochen. So ein Leben an der Börse ist ja auch anstrengend: nervige Investoren, die lästige Bekanntgabe der Quartalszahlen, die vermaledeiten „Shortseller“, die auf einen sinkenden Aktienkurs spekulieren. Dabei hatte die Börse auch unschlagbare Vorteile für Tesla, der Status als Börsenliebling hat zum Tesla-Mythos beigetragen, außerdem kam so auch immer wieder zusätzliches Geld hinein. Den „Shortsellern“ jedenfalls hat Musk mit seinem ersten Tweet das Geschäft gehörig versalzen, der Aktienkurs stieg dank der Worte „Funding secured“ erst einmal. Aber dann kam das offenherzige Interview, die Tesla-Aktie verlor 9 Prozent, und das spülte den „Shortsellern“ mehr als eine Milliarde Dollar in die Kasse.

Darf Musk weiter Chef sein?

Die Ermittlungen der Börsenaufsicht haben schnell an Schärfe zugenommen. Auch nach amerikanischem Aktienrecht ist es verboten, Investoren an der Nase herumzuführen. War der Tweet eine Finte, um den Kurs in die Höhe zu treiben? Dazu müsste die SEC nachweisen, dass Elon Musk es zumindest billigend in Kauf nahm, dass die Investoren hier fehlgeleitet wurden.

Ein Problem könnte aber schon das Versprechen der „sicheren Finanzierung“ sein, also der Anlass für den großen Freudensprung des Aktienkurses. Womöglich war die Finanzierung ja schon damals alles andere als gesichert. Angeblich sollte ein großer Fonds aus Saudi-Arabien das Geld beisteuern. Tatsächlich aber war es wohl niemals fest zugesichert worden. Elon Musk jedenfalls sagt in seinem jüngsten Blogeintrag: „Mein Glaube daran, dass die Finanzierung für den Rückzug von der Böse ausreicht, wurde durch den Prozess bestärkt.“ Nun also „Glaube“, keine Sicherheit.

Die Börsenaufsicht muss nun auch klären, ob Elon Musk sein börsennotiertes Unternehmen überhaupt noch weiter führen darf. Im Unternehmen selbst dürften die Bemühungen weiterlaufen, dauerhaft Ersatz für ihn zu finden. Kein einfaches Unterfangen, in jeglicher Hinsicht. Wie ersetzt man einen Unersetzlichen? Womöglich gelingt das nur mit einem durch und durch normalen Manager – der sein Leben im Griff hat.

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