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EQC-Rückruf : Ein Bolzen wird für Mercedes zur Blamage

Der EQC soll die Antwort von Daimler auf Tesla sein. Bild: Daimler AG

Das neue Elektroauto von Daimler ist kaum auf dem Markt, schon ruft der Konzern das Fahrzeug zurück in die Werkstätten. Eine Behörde veröffentlicht dabei wohl ein pikantes Detail.

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          Die Antwort von Daimler auf den Erfolg von Tesla war die Ankündigung einer großen Elektrooffensive, seit Mai kann man das erste Modell, ein SUV namens EQC, zu Preisen ab 71.281 Euro bestellen -  und wer eines der raren Exemplare ergattert hat, muss nun das Auto schon bald in die Werkstatt bringen. Mit der üblichen behördlichen Nüchternheit vermeldet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) auf seiner Homepage den Sachverhalt: „Eingeschränkte Haltbarkeit der Bolzen im Differentialgetriebe bedingt, dass die Vorderräder blockieren können“ heißt es in der Rückrufdatenbank. Zuerst hatte die Fachzeitschrift „KfZ-Betrieb“  darüber berichtet. Was sich nach einer Kleinigkeit anhört, bedeutet für die wenigen Besitzer des noblen Elektroautos keineswegs nur einen kurzen Umweg zur Werkstatt, sondern ist eine aufwändige Sache.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Auch wenn es nur um einen Bolzen geht, wird doch der komplette Antriebsstrang an der Vorderachse ausgetauscht, was mit acht Stunden veranschlagt wird. Mit dem Elektroantrieb selbst hat der Rückruf nichts zu tun, wird bei Daimler betont. Vielmehr sei während der Dauerlauftests für das Allrad-Modell ein Bolzen im Differentialgetriebe gebrochen, und das könnte nach zigtausenden Kilometern auch im echten Fahrbetrieb passieren. Ein Sicherheitsproblem also, denn der Bolzen könnte ungünstig fallen und dabei das für die Kurvenfahrt nötige Differential beschädigen oder gar blockieren. Wer Schuld daran hat? Wäre es der Lieferant des Bolzens, könnten diesem Regressforderungen von Daimler ins Haus stehen.  

          ADAC lobt Autohersteller

          Den Spott aber bekommt jetzt erst einmal Mercedes ab. Auch wenn man die Sache in Stuttgart ganz anders sieht. Eine Blamage sei die Rückruf-Aktion nicht, betont ein Sprecher des Konzerns, vielmehr ein Beweis für die engmaschigen Qualitätskontrollen bei der Marke mit dem Stern. Das ist auch die Einschätzung des ADAC: „Das ist bitter, wenn es beim Neustart eines Modells so holpert. Aber es ist ganz normal, dass einzelne Teile Fehler haben und es ist gut, dass Daimler sich dazu bekennt“, erklärt einer der Technik-Experten des Verkehrsclubs: „Für die Besitzer ist das eine Möglichkeit, ein Sicherheitsrisiko auszuschalten.“

          Die Autohersteller seien in der Zwischenzeit sehr akribisch geworden in der Dokumentation von Qualitätsproblemen. Voriges Jahr, so berichtet der ADAC-Techniker, habe er es mit einem Rückruf zu tun gehabt, wo es um nur sieben Mercedes-Autos ging, bei denen ein falscher Aufkleber für den Reifenluftdruck verwendet worden war - auch das theoretisch ein Sicherheitsrisiko.

          Von dem Rückruf wegen defekter Bolzen sind nun 1696 Besitzer des Mercedes EQC betroffen, vermutlich 571 davon in Deutschland, so ist es in der Rückrufdatenbank des KBA dokumentiert. Die Behörde lüftet damit ganz nebenbei ein streng gehütetes Geheimnis über das junge Automodell. Denn wie viele EQC produziert und ausgeliefert wurden, möchte Daimler eigentlich gar nicht öffentlich machen, zumal die Zahl sehr klein ist verglichen mit den ursprünglichen Plänen, 20.000 Autos in diesem Jahr zu produzieren.

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