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F.A.Z. exklusiv : Ein App-Store für die Industrie

Fahrzeug fährt wie von Geisterhand: In der Produktion von Volkswagen Bild: Bloomberg

Volkswagen und Amazon öffnen ihre „Industrial Cloud“ für elf weitere Unternehmen. Für den deutschen Autohersteller ist das eine große Chance: Es geht darum, wer den Standard setzt.

          2 Min.

          Volkswagen hat seine Industrie-Plattform, über die in Zukunft die 122 Fabriken des Konzerns in aller Welt vernetzt werden sollen, in einem ersten Schritt für elf Maschinenbau- und Technologie-Unternehmen geöffnet. „Perspektivisch wollen wir weitere Unternehmen wie beispielsweise Zulieferer in die Cloud integrieren“, sagte der für strategische Projekte von VW verantwortliche Manager Nihar Patel bei der Vorstellung der Pläne in Wolfsburg.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ziel sei es, die gemeinsam mit Amazon und Siemens aufgebaute Cloud „zum App-Store“ für die Werke zu machen. Mit Hilfe der Cloud will das Automobilunternehmen die Effizienz seiner Fabriken spürbar steigern. Die Partner, die die Cloud nutzten, wiederum „können ihre Anwendungen skalieren und damit ihre eigenen Geschäftsprozesse optimieren. Auf diese Weise profitieren alle davon“, sagte Patel.

          Unter den elf Zulieferern, die jetzt beim Start der Cloud mitmachen, sind international so bekannte Namen wie der Automatisierungstechnik-Konzern ABB, der Autozulieferer Dürr, das Software-Unternehmen Celonis oder der Datenbank-Spezialist Teradata. Volkswagen und Amazon haben die gemeinsame Cloud für alle Werke der Volkswagen-Marken im Frühjahr 2019 als Partnernetzwerk ins Leben gerufen.

          Standard werden

          Wenig später kam Siemens als „Integrationspartner“ hinzu, um die Maschinen und Anlagen in den Fabriken der Konzernmarken effizient in der Cloud miteinander zu vernetzen und damit die Produktion effizienter zu organisieren. VW-Chef Herbert Diess hatte in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert, Volkswagen sei im Wettbewerbsvergleich in seinen Fabriken und in der Verwaltung langsamer und weniger produktiv als andere Unternehmen.

          Zum Angebot an Software-Anwendungen, das die neuen Partner jetzt in die Plattform von VW mit einbringen, gehören ein Künstlicher-Intelligenz-Algorithmus, der den Bedarf fahrerloser Transportsysteme in der werksinternen Logistik berechnet und effizient verteilt, und eine Software zur Optimierung der Wartungsintervalle von Maschinen. Zum Start der Cloud sollen bis Ende des Jahres in einem ersten Schritt 18 europäische Standorte des Konzerns verbunden sein.

          „Die Daten, die wir mit der Industrial Cloud zusammenführen, schaffen erst durch intelligente Algorithmen und Software-Anwendungen mehr Effizienz“, berichtete Patel. Mit der Zahl der Partner, die VW für seine Cloud findet, wächst die Zahl der Lösungen, auf die die Werke dann – wie in einem App-Store – zugreifen können. Die Plattform sei „kein geschlossener Club“, sagte der VW-Manager. „Wir sind immer offen für Kooperationen – mit unseren Lieferanten und jedem anderen Unternehmen, das etwas beizutragen hat.“

          Welche Vorteile haben die Partner, die ihre Software-Anwendungen auf der Cloud bereitstellen? Sarah Cooper, die das Projekt bei Amazon Web Services betreut, sagte, die Digitalisierung stelle viele Industrieunternehmen vor sehr ähnliche Herausforderungen. „Für System-Lieferanten bedeutet das: Wenn sich ihre Lösung in der Industrial Cloud als Standard bewährt, dann wächst auch das Interesse anderer Kunden.“

          Mit ähnlichen Argumenten hatte Amazon seine eigene Kooperation mit VW vor einem Jahr begründet. „Wir lernen jeden Tag voneinander“, sagte Cooper jetzt. Volkswagen bringe tiefes Wissen über industrielle Prozesse und exzellente Lösungen ein, bei Amazon gebe es die Experten für digitale Abläufe. „Zusammen lösen wir Herausforderungen, die keiner von uns alleine angehen könnte.“

          Hohe Skaleneffekte

          Basis der Volkswagen-Plattform ist Amazon-Technik, die auf die speziellen Anforderungen der Autobranche hin erweitert wurde. Die Unternehmen, die als Partner an der Cloud mitwirken, erhalten damit auch Zugang zu den Daten von VW. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagte Patel. „Wenn wir von Unternehmen erwarten, dass sie Lösungen für uns entwickeln, dann müssen wir auch die notwendigen Informationen teilen.“

          Die Partner könnten durch die Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Konzern hohe Skaleneffekte erzielen, weil ihre Lösungen im „Internet der Dinge“ nicht nur in einem Werk, sondern potentiell an mehr als 100 Standorten von Volkswagen eingesetzt werden.

          Für die Fabriken von VW hat die Öffnung der Cloud den Vorteil, dass die Standorte schnell ein wachsendes Angebot an Software-Applikationen einsetzen können. Das beschleunige auch den Aufbau der Cloud insgesamt.

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