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Kommentar : Angriff auf Amazon

Trumps Lieblingsfeind: Jeff Bezos Bild: AFP

Donald Trump attackiert eines der erfolgreichsten amerikanischen Unternehmen in nie dagewesener Weise. Die Vorwürfe sind aberwitzig, gemessen am marktwirtschaftlichen Ideal des Landes. Und wenn die Motive stimmen, die dem Präsidenten unterstellt werden, ist das höchst bedenklich.

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          Wer ist der erfolgreichste Unternehmer der vergangenen, sagen wir, 30 Jahre? Ein heißer Kandidat für den Titel ist Jeff Bezos. Er gründete im Jahr 1994 den Onlinehändler Amazon – und machte daraus einen Weltkonzern mit mittlerweile 570.000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von beinahe 700 Milliarden Dollar. Das ist eine geniale unternehmerische Leistung.

          Und Amazons Angebot wird immer beliebter. Bestellt werden dort längst nicht nur Bücher, sondern vieles mehr. Bezos, der in den neunziger Jahren eine höchst auskömmliche Anstellung in der amerikanischen Finanzbranche aufgab, ist der reichste Mensch der Welt geworden. Der Finanzdienst Bloomberg, der ein entsprechendes Ranking erstellt, beziffert sein Vermögen auf 120 Milliarden Dollar; in diesem Jahr sind wesentlich durch den gestiegenen Aktienkurs auf dem Papier 20 Milliarden Dollar hinzugekommen.

          Was ist mit der Angst vor China?

          Nun schießt der amerikanische Präsident Donald Trump in bislang nie dagewesener Weise gegen Bezos und das Unternehmen, dessen größter Aktionär der 54 Jahre alte Macher nach wie vor ist. Er wirft ihm vor, „geringe oder keine Steuern an die Bundesstaaten und lokalen Regierungen“ zu zahlen, das „Postwesen als Lieferjungen zu verwenden“ und dabei „enorme Verluste für die Vereinigten Staaten zu verursachen“ und schließlich „Tausende Einzelhändler aus dem Geschäft“ zu drängen.

          Die Vorwürfe sind, gemessen am nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten gepflegten marktwirtschaftlichen Ideal, aberwitzig. Wer ist denn für die Steuergesetzgebung zuständig, etwa Amazon? Ist es verboten, Paketdienste zu verwenden (oder selbst zu schaffen)? Ist es in einer Marktwirtschaft, deren Kern und Hoffnung auf Konkurrenz gründet, verwerflich, neue Chancen zu entdecken, zu nutzen und besser zu sein als Wettbewerber?

          Die Kritik wird auch dadurch nicht besser, dass Trump darauf verweist, er habe diese Ansichten schon während seines Wahlkampfes vertreten. Im Gegenteil: Wenn ein Wahlkämpfer gegen einen Konzern austeilt, ist das schon etwas anderes, als wenn ein amtierender Präsident das tut – und so direkt in das Marktgeschehen eingreift, wie sich am deutlichen Amazon-Aktienkursrückgang ablesen lässt. Brisanz gewinnt die Attacke außerdem durch die Motive, die dem Präsidenten nun (abermals) unterstellt werden – durch den auf der Internetplattform Axios schon am Mittwoch veröffentlichten Bericht: Wenn wirklich Klagen vermögender Freunde des Präsidenten, die an Einkaufszentren beteiligt sind, eine Rolle spielen oder Trumps Missfallen an der (politischen) Berichtserstattung der Zeitung Washington Post, die Jeff Bezos kaufte, dann wäre das bedenklich.

          Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Trump nicht der einzige Kritiker des Onlinehändlers ist. Seine Marktmacht und Dominanz in bestimmten Bereichen ist ein Thema, mit dem sich auch Ökonomen auseinandersetzen. Der Städte-Wettbewerb, den Amazon um seinen zweiten Hauptsitz auslobt, mag unternehmerisch clever sein, gesellschaftlich kommt er nicht ausschließlich gut an, um das vorsichtig zu formulieren.

          Überhaupt hat sich der Wind nicht nur für den Onlinehändler gedreht. Auch die Kritik an anderen großen amerikanischen Tech-Unternehmen hat merklich zugenommen, nicht nur am sozialen Netzwerk Facebook infolge des jüngst bekannt gewordenen Daten-Skandals. Wenn stimmt, was der Axios-Bericht über die Ansichten des Vizepräsidenten Mike Pence enthält, dann droht der Zukunftsbranche mehr Ungemach – Facebook und Goolge im Besonderen.

          Nun ist es einerseits legitim, wenn sich Wettbewerbshüter mit der Marktmacht erfolgreicher Unternehmen auseinandersetzen und prüfen, ob weiterhin möglich ist, dass ihre Macht angegriffen werden kann. Andererseits muss dann die Kritik wirklich fundiert und konkret kommen. Und wie gerade diese Angriffe auf die amerikanische Technologie-Branche aus der Spitze der amerikanischen Regierung heraus mit der Kritik am und der Sorge vor dem technologischen Aufstieg Chinas zusammenpassen, ist auch eine Frage, auf die der geneigte Beobachter gerne eine Antwort hätte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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