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Digitalmesse Dmexco : Der gefesselte Joko Winterscheidt

Gefesselt: Joko Winterscheidt auf der Dmexco Bild: Yext

Auf der Digitalmesse Dmexco geht es eigentlich um Werbung und digitales Marketing. In diesem Jahr suchte ein Unternehmen zunächst aber einen Mörder.

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          Gegen Ende sitzt auf einmal Joko Winterscheidt gefesselt auf der Bühne. An diesem Punkt ist das Publikum schon ziemlich überfordert. Man schaut sich um, sieht in amüsierte, aber irritierte Gesichter und kann sich schwer entscheiden, ob man das, was sich dort auf der Bühne abspielt, peinlich, mutig, kurios oder grandios finden soll.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Ganze ist ein Musical, so viel steht fest. Auch die Darsteller kommen vom Broadway und wurden extra nach Köln eingeflogen für die Veranstaltung. Doch die Bühne ist nicht die eines Theaters oder einer Oper, sie ist die Hauptbühne der Messe Köln - und hier findet gerade die Dmexco statt, eine Messe für digitales Marketing. Das Musical trägt den Namen „Who killed Dominik Matyka?“.

          Eigentlich ist die Suche nach dem Mörder des Dmexco-Chefberaters Matyka aber ein ziemlich aufwendiger Werbespot, mit dem das New Yorker Technologieunternehmen Yext seine neue Suchmaschine vorstellt. Das Technologieunternehmen ist an der Börse knapp 2 Milliarden Euro wert. Rücken an Rücken mit Pro-Sieben-Moderator Winterscheidt und ebenfalls gefesselt sitzt denn auch Howard Lerman, einer der Gründer und Geschäftsführer von Yext.

          Schwarze Lederjacke und Kölsch

          Als Kind habe er eine Gesangsausbildung erhalten, erzählt Lerman später im Gespräch mit der F.A.Z, das in einer Bar am Rhein stattfindet. Der Barkeeper füllt immer wieder Kölsch nach, zwischendurch gibt es einen Shot. Lerman trägt eine schwarze Lederjacke, und ähnelt eher einem Rockstar als einem Geschäftsführer.

          Sein Bruder Peter Lerman sei der Musik treu geblieben, arbeitet inzwischen als Broadway-Komponist. Irgendwann hätten sie die Idee gehabt, ein Musical über das Unternehmen zu verfassen und seien dann verrückt genug gewesen, das auch umzusetzen. Gemeinsam hätten sie das Stück geschrieben, auch wenn der Bruder den Großteil beigetragen hätte. Peter Lerman, der während der Aufführung  Klavier spielte, erklärt, es gebe in Amerika eine lange Tradition von „Industrial Musicals“. Also Musicals für Unternehmen wie zum Beispiel Ford oder General Motors. Das hätten sie wieder aufleben lassen wollen.

          Die Unternehmens-Musicals sollten zur Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen beitragen. Auch bei Yext war die Uraufführung des Musicals auf einer Mitarbeiterversammlung in New York, allerdings ohne Matyka und Winterscheidt. „Joko und Dominik sind Freunde von mir“ sagt Lerman auf Deutsch. „Deshalb waren sie gern dabei.“

          Werbefachmann im Verdacht

          Das Spektakel hätte durchaus nach hinten losgehen können. Schließlich hat es fast etwas Groteskes, wenn gestandene Musical-Sänger nicht inbrünstig über ihre unerwiderte Liebe, sondern über die Qualität von Suchergebnissen singen. Doch im Publikum sitzen lauter Werbefachleute, die sich leicht für Marketing-Aktionen wie diese begeistern lassen. Yext-Gründer Lerman findet das ganze Muscial auch gar nicht so riskant: Es sei doch viel gefährlicher, einen Produktmanager oder einen Chefingenieur für eine traditionelle Präsentation auf die Bühne zu stellen als Musical-Sänger, die schließlich tagtäglich vor großen Menschenmengen aufträten, sagt er und winkt einer der Sängerinnen zu, die am anderen Ende der Bar sitzt.

          Als Mörder übrigens ist zunächst ein Werbefachmann im Verdacht. Der entspricht ganz dem Klischee: Er ist reichlich geleckt, jung und singt immer wieder von großen Karriereplänen. Später wird ein russischer Putzmann hinter dem Mord vermutet: Er hat geheime Dmexco-Dokumente gestohlen. Schuldig ist am Ende aber Alexa, die Sprachassistentin von Amazon.

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