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Die Macht der Digitalkonzerne : Wie „Gafa“ das Internet dominiert

Google-Chef Sundar Pichai in einer Anhörung am Mittwoch in Washington Bild: EPA

Amerikanische Digitalkonzerne beherrschen das Internet. Das liegt nicht nur an ihren Marktanteilen.

          3 Min.

          Es ist gar nicht so einfach, den großen Digitalkonzernen wie Google, Apple, Facebook und Amazon – häufig abgekürzt unter dem Akronym „Gafa“ – ihre Marktmacht in Zahlen nachzuweisen. „Es gibt dazu einfach nicht so viele Daten“, sagt die Plattformforscherin Aline Blankertz vom Berliner Digitalpolitik-Forschungsinstitut Stiftung Neue Verantwortung. Zudem sei die Abgrenzung zwischen verschiedenen Märkten schwierig.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn ein Kunde zum Beispiel im Internet Windeln bestellen wolle, sei Amazon selbst dafür nur ein Anbieter unter vielen und habe keine dominante Marktposition. Seine Marktmacht resultiere aber daraus, dass eine Vielzahl von Verbrauchern Amazon als ihre bevorzugte Wahl fürs Einkaufen im Internet im Kopf haben. „Man müsste sozusagen den Markt für Online-Shopping-Märkte betrachten, und das ergibt konzeptionell keinen Sinn.“ Blankertz plädiert deshalb dafür, parallel zu einer Regulierung der Plattformbetreiber auch die Forschung zu intensivieren, um die Marktmacht der Konzerne in Zahlen fassen zu können.

          Es gibt freilich Anhaltspunkte dafür, dass die Tech-Riesen auch als Anbieter einzelner Dienstleistungen eine dominante Stellung haben. Nach Seitenaufrufen hat Google zum Beispiel einen Marktanteil von mehr als 87 Prozent am Suchmaschinenmarkt. Der zweitgrößte Anbieter, Microsofts Bing, kommt gerade mal auf 6 Prozent. Auch auf den meisten Handys läuft ein Betriebssystem von Google.

          87 Prozent der im Frühjahrsquartal dieses Jahres auf der Welt verkauften Smartphones wurden dem Marktforschungsunternehmen Gartner zufolge mit Android ausgeliefert. Apples iPhones und deren Betriebssystem iOS kommen auf 13 Prozent und nehmen den Rest dieses Marktes ein. Auch in der Digitalwerbung hat Google eine große Marktmacht erlangt. Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft schätzt den Anteil von Google, Facebook und Amazon am deutschen Digitalwerbemarkt zusammen auf 70 Prozent, der wiederum etwa zwei Fünftel des gesamten Werbemarktes ausmacht.

          Beispiel Online-Werbung: Google ist Anbieter und Plattform

          Der Konzern aus Cupertino unterscheidet sich jedoch in seiner Marktmacht von den anderen Tech-Konzernen, weil er nicht nur selbst Anzeigenplätze verkauft, etwa in den Suchergebnissen oder auf der Videoplattform Youtube. Der Konzern betreibt gleichzeitig einige der wichtigsten Plattformen für die übrigen 30 Prozent der Digitalwerbung, auf denen alle anderen Unternehmen der Branche aktiv sind.

          Die Liste der Produkte und Plattformen ist lang und unübersichtlich: Damit lassen sich etwa Anzeigen in Internetseiten oder Apps integrieren, Google behält dann einen Teil des Umsatzes ein. Der Konzern bietet Plattformen an, über die sich fast die gesamten Online-Werbeaktivitäten von Unternehmen steuern lassen. Er betreibt Auktionsseiten, auf denen Käufer und Verkäufer von Anzeigenplätzen miteinander ins Geschäft kommen. Im Gegensatz zu den anderen Tech-Konzernen ist Google damit in jedem Teilbereich der Online-Werbung präsent.

          Zudem kontrolliert er mit dem marktführenden Internetbrowser Chrome den Zugang zum Netz und mit dem Playstore den Zugang zu Apps auf Android-Handys. Gelegentlich diktiert er damit die Regeln und bestimmt, in welche Richtung sich die Branche entwickelt: Mit der Ankündigung Anfang des Jahres, bis Ende 2021 die Cookies dritter Parteien aus dem Browser Chrome zu verbannen, entzog der Konzern der Online-Werbebranche einen wichtigen Teil ihrer technischen Grundlage. Seitdem wird hinter den Kulissen fieberhaft an einer neuen Lösung gearbeitet.

          Doch ohne den Segen von Google dürfte wenig gehen. Der Konzern hat inzwischen einige Vorschläge vorgestellt. Die Befürchtung der Google-Konkurrenten: Sie laufen darauf hinaus, dass die Marktmacht des Konzerns noch größer wird. Es sind Beispiele wie dieses, die das amerikanische Justizministerium vergangene Woche dazu veranlasst haben, Google zu verklagen. In der amerikanischen Diskussion macht schon seit geraumer Zeit die Forderung von einer Zerschlagung des Internetkonzerns die Runde.

          Die Konzerne bestimmen, was auf ihren Plattformen erlaubt ist

          Die Tatsache, dass Digitalkonzerne auf ihren Plattformen die Regeln machen, nutzt aber nicht nur Google aus. Offensichtliches Beispiel dafür ist Facebook, dessen Umgang mit Hasskommentaren und Bildern, die nicht dem amerikanischen Tugendstandard entsprechen, schon häufig für Kritik gesorgt hat. Doch es gibt auch Streitfälle mit Plattformbetreibern, die Unternehmen bares Geld kosten. Zum Beispiel betreibt Apple den App-Store seines iPhone-Betriebssystems als Plattform und kontrolliert damit de facto, welche der kleinen Programme Nutzer auf ihren Handys installieren können. Google lässt auch alternative App-Quellen zu, übt auf Android-Handys aber einen ähnlichen Einfluss aus.

          Das gibt den Plattformbetreibern eine starke Machtposition gegenüber den Entwicklern von Apps. So verlangen Google und Apple beide 30 Prozent von allen Umsätzen, wenn Anbieter ihre Apps für Geld verkaufen oder Produkte wie zum Beispiel kostenpflichtige Abos über sie vertreiben. Zugleich verbieten die Konzerne App-Anbietern, Zahlungen über andere Kanäle als ihren Store abzuwickeln. Weil der Videospielentwickler Epic Games, Schöpfer des populären Spiels „Fortnite“, dagegen kürzlich opponierte, warfen Apple und Google das Spiel kurzerhand von ihren Plattformen. Ob die Plattformen diese Machtposition auch künftig behalten können, wird sich zeigen: Epic hat sich unter anderem mit dem Musik-Streamingdienst Spotify und dem Datingportal Tinder zusammengeschlossen, um Apple und Google zu einer Regeländerung zu bringen.

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