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Digitalkonzern Leonine : Aus Bayern in die große weite Fernsehwelt

Die Macht der Bilder: Fernsehmann Fred Kogel ist bei Leonine ganz in seinem Element. Bild: Jan Roeder

Inhalte für alle – und zwar international: Mit Geld von der Beteiligungsgesellschaft KKR baut der frühere Medienmanager Fred Kogel den Digitalkonzern Leonine auf.

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          Vor fast vierzig Jahren ging Frank Elstner mit der Unterhaltungsshow „Wetten dass..?“ auf Sendung. Heute talkt der Entertainer, inzwischen 78 Jahre alt, im Internet auf Youtube, und das so erfolgreich, dass der Streamingdienst Netflix eine zweite Staffel der Elstner-Talk-Reihe in Auftrag gegeben hat.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Keine Frage, die gute alte Fernsehwelt ist in Aufruhr, von linearem Fernsehen zu Fernsehen auf Abruf, von Kabel und Satellit zu Internet. Und ein anderer aus der guten alten Zeit, der Medienmanager Fred Kogel, mischt kräftig mit.

          Kogel hat wie Elstner einst für das ZDF gearbeitet, machte als Programmchef von Sat1 die Late-Night-Show mit Harald Schmidt zu einem Erfolg und war auch Chef von Constantin Film. Kogel ist einer, der den Wandel gestalten will, wie er im Gespräch mit der F.A.Z. erzählt. Und so hat der Neunundfünfzigjährige mit viel Geld vom amerikanischen Finanzinvestor KKR das Unternehmen Leonine aus der Taufe gehoben. Leonine ging aus der Tele-München-Gruppe hervor, die KKR Anfang des Jahres 2019 von Herbert Kloiber erworben hat.

          Medienhaus für das digitale Zeitalter

          Unter Kogel soll Leonine die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, also von der Produktion von Filmen und Serien über ihre Verbreitung bis hin zum Lizenzhandel und Kinoverleih: „Die Idee war, ein integriertes, modernes, zukunftsstarkes und international agierendes Contenthaus für das digitale Zeitalter zu bauen – einen ‚One-stop-Shop for premium content‘.“

          Kogel arbeitet eng mit KKR-Partner Philipp Freise zusammen, der im vorigen Sommer noch mit einem weiteren Medien-Deal aufhorchen ließ. Da war die New Yorker Beteiligungsgesellschaft, die in mehr als hundert Unternehmen investiert ist und ein Vermögen von fast 200 Milliarden Dollar verwaltet, mit 43 Prozent beim Berliner Verlagshaus Axel Springer („Bild“, „Die Welt“) eingestiegen – für knapp 3 Milliarden Euro. „KKR und Philipp Freise sind Ende des Jahres 2017 auf mich zugekommen. Wir kannten uns bereits viele Jahre. Im Prinzip hatten wir die gleiche Idee schon seit längerem. In vielen Gesprächen und Sitzungen ist dann das detaillierte Konzept entstanden, mit der Strategie, dem völlig neuen Ansatz und all den Unternehmen, die wir bis heute gekauft haben. Hier war nichts dem Zufall überlassen“, erzählt Kogel. „Es gab und gibt keine definierte finanzielle Obergrenze, aber wir haben niemals um jeden Preis gekauft. Und vor allem: Es muss in unser Konzept passen.“

          Nun wird mit Hilfe von KKR der nächste Schritt vorbereitet. Es geht um die Internationalisierung von Leonine durch die Einbindung in die französische Mediawan Alliance. Geplant ist, dass die Bietergesellschaft zunächst die Produktions- und Distributionsfirma Mediawan mehrheitlich übernimmt. Das ist Voraussetzung dafür, dass die Mediawan Alliance auch einen Minderheitsanteil an Leonine erwerben kann. „Ein möglicher Einstieg eröffnet uns als Contenthaus eine großartige Möglichkeit, unsere Strategie sofort auch paneuropäisch auszurollen, zunächst in Frankreich, Italien und Spanien“, erklärt Kogel, der auch stellvertretender Vorstandschef der Mediawan Alliance werden soll.

          „Nur ein Beispiel: Eine Serie wie ,Haus des Geldes‘, in Spanien gedreht, spricht ein Publikum in der ganzen Welt an, so wie die deutsche Mystery-Serie ,Dark‘, die unsere Leonine-Tochtergesellschaft Wiedemann & Berg für Netflix produziert hat. Natürlich hat die Qualität solcher fiktionalen Produktionen sehr viel mit dem jeweiligen Budget zu tun. Aber die Zeiten, in denen nur englischsprachige Produktionen überall auf der Welt erfolgreich sein konnten, sind vorbei.“ Die Mediawan Alliance will überdies auch die französischen Lagardère Studios übernehmen und eine Mehrheit an der spanischen Produktionsfirma Good Mood.

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