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Digitaler Stadtstaat : Wie Singapur zur Smart Nation wurde

Vorbild Singapur: der Stadtstaat geht auch in der Digitalisierung voran Bild: Getty

Der strenge Stadtstaat vernetzt sich wie kein anderes Land der Erde. Schon heute geht fast alles mit dem Handy. Dazu braucht es visionäre Politiker – und folgsame Bürger.

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          Morgens gegen elf Uhr lässt Benedikt Tschörner Manila überfluten. „Andere reden vom Anstieg des Meeresspiegels, wir zeigen ihn“, sagt er. Dann schiebt Tschörner den Regler am linken Rand des riesigen Bildschirms noch höher, das digitale Stadtbild färbt sich blau und blauer. „Der Klimawandel wird dazu führen, dass große Stadtgebiete Manilas in 80 Jahren überflutet sein werden, wird nicht sehr schnell etwas getan“, sagt der Entwickler des Fraunhofer Instituts in Singapur. Die philippinische Hauptstadt gilt den Informatikern im Stadtstaat nur als Testobjekt ihrer Methoden. Eigentlich arbeiten sie am drohenden Überschwemmungs-Szenario Singapurs. Sehen dürfen das aber bislang nur Auserwählte. „Die Bevölkerung wird die Auswirkungen später in Simulationsräumen erleben können“, sagt Tschörner. „Zunächst liefern wir den Entscheidern Grundlagen.“

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Virtuelle Stadtmodelle für die Modellstadt sind nur ein Hilfsmittel, das die Singapurer nutzen auf ihrem Weg, aus ihrer Smart City eine Smart Nation zu machen. In der Tropenstadt ohne eigene Bodenschätze wird groß gedacht. Auch in Punggol. Fast 200 Jahre ist es her, da zogen die Malaien hier Fruchtbäume hoch. „Punggol“, der Stadtteil im Nordosten Singapurs, steht für die Stecken, welche die Bäume damals beim Wachstum stützten. Heute lassen hier chinesische Baukonzerne immer mehr Hochhäuser für 160.000 Menschen heranwachsen. Zu ihren Füßen entsteht der Punggol Digital District: 50 Hektar, 28.000 Arbeitsplätze, 12.000 Studenten – ein Leitbild für die Smart Nation Singapur.

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