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Künstliche Intelligenz : Uber will wissen, ob wir betrunken sind

  • Aktualisiert am

Ein Schild von dem Fahrdienstleister Uber hängt in Wien über einer Filiale. Bild: Picture-Alliance

Uber will seine Fahrer besser schützen – und plant offenbar, mithilfe von Künstlicher Intelligenz betrunkene Fahrgäste herauszufiltern. Das Vorhaben dürfte auf großen Widerstand stoßen.

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          Künstliche Intelligenz aus dem Hause Uber hat derzeit keinen besonders guten Ruf, steht sie doch im Verdacht, für einen tödlichen Unfall verantwortlich zu sein, der sich im März in Amerika ereignete. Der Fahrdienstvermittler hat seine Tests mit autonom fahrenden Autos seitdem stark zurückgeschraubt – was nicht bedeutet, dass der amerikanische Konzern generell auf Forschung in diesem Bereich verzichtet.

          Medienberichten zufolge arbeitet Uber aktuell an einer KI, die betrunkene Fahrgäste erkennen soll. Laut „BBC“ hat das Unternehmen bei den Behörden einen Patentantrag für das System eingereicht. Demnach soll das System „untypisches Nutzerverhalten“ erkennen. Ziel sei es, Fahrer und Fahrgäste, die sich eine Fahrt teilen, zu schützen. Immer wieder kommt es zu Fällen, in denen angetrunkene Gäste Uber-Fahrer belästigen oder handgreiflich werden.

          Mithilfe von KI soll die Uber-App intelligenter werden und anhand verschiedener Faktoren feststellen können, ob der Nutzer unter Einfluss von Rauschmitteln steht. So sollen etwa die Häufigkeit von Tippfehlern, die Präzision beim Antippen von Buttons, der Neigungswinkel des Smartphones oder auch die Geschwindigkeit der Bestellvorgänge eines Nutzers dokumentiert und gespeichert werden. Daraus soll das System lernen, wie ein Kunde sich im „Normalfall“ beim Anfordern eines Uber-Fahrers über die App verhält.

          Es gibt reichlich Bedenken

          Weichen die Parameter in einem Bestellvorgang deutlich von den Durchschnittswerten ab, soll der Fahrer darauf hingewiesen werden. Sind etwa die Touchgesten unpräziser als sonst oder macht der Nutzer besonders viele Tippfehler, könnte das ein Indiz dafür sein, dass er nicht ganz Herr seiner Sinne ist. Auch Zeit und Ort einer Bestellung könnten dabei eine Rolle spielen. Der Fahrer könnte dann selbst entscheiden, ob er den Gast annehmen will, oder sich darauf vorbereiten, dass dieser möglicherweise alkoholisiert ist.

          Kritiker sehen aber noch eine andere Möglichkeit. Sie befürchten, dass die Funktion missbraucht werden könnte, um besonders wehrlose Fahrgäste aufzuspüren. „CNN“ berichtete zuletzt über mehr als 100 Fälle von sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs von Uber-Fahrern an vornehmlich weiblichen Fahrgästen. 31 Täter sollen wegen Freiheitsberaubung und Vergewaltigung verurteilt worden sein.

          Auch gibt es Bedenken bezüglich der Datensicherheit. Uber hat keine weiße Weste, was den Umgang mit Nutzerdaten betrifft. 2014 etwa wurde bekannt, dass der Konzern ein Softwareprogramm namens God View dazu benutzte, den Aufenthaltsort von App-Nutzern und Fahrern zu überwachen. In einem anderen Fall führte ein Datenleck zu der Veröffentlichung persönlicher Informationen von mehr als 100.000 Uber-Fahrern, was den Fahrdienstvermittler dazu veranlasste, die Sicherheitsvorkehrungen für Fahrer und Gäste hochzufahren.

          Es stellt sich freilich die Frage, ob ein solches System, das den Zustand eines Fahrgastes ermitteln und speichern kann, nicht zu weit in die Privatsphäre der Kunden eindringt. Auch könnte die Funktion bei einem Fehlalarm dazu führen, dass Fahrgäste zu Unrecht als betrunken eingestuft und benachteiligt werden.

          Uber erklärte, das Unternehmen erforsche laufend Möglichkeiten, mit Technologie die Uber-Erfahrung für Fahrer und Kunden zu verbessern. Man habe schon für viele Ideen Patente eingereicht – nicht alle seien aber dann auch umgesetzt worden.

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