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3D-Drucker von HP : Ein Drucker, aus dem Autoteile kommen

  • -Aktualisiert am

Der „Metal Jet“ ist der neue Metalldrucker von HP. Bild: HP

Plastik war bisher das einzige Material, das 3D-Drucker in Serie verarbeiten konnten. Hewlett Packard will das mit einen neuen Metall-Drucker ändern – und der druckt gleich mal einen Schalthebel für VW.

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          Ein Metall-Schaltknüppel für das Auto aus dem 3D-Drucker – für Sie unvorstellbar? Für den amerikanischen Druckerhersteller Hewlett-Packard (HP) ist es das nicht. Auf der International Manufacturing Technology Show in Chicago, der größten Messe für Fertigungstechnologie in Nordamerika, präsentierte HP mit dem „Metal Jet“ einen neuen 3D-Drucker für Metall, der unter anderem genau das kann.

          Der „Metal Jet“ ist ungefähr so groß wie eine Waschmaschine und soll die Fertigungsprozesse revolutionieren: Das Unternehmen benutzt eine Technologie, die laut eigenen Angaben 50-mal mehr Produktivität als andere 3D-Drucker verspricht. Damit sollen Unternehmen in der Auto- und Medizinsparte überzeugt werden – und HP hat bereits wichtige Partner gefunden.

          Grundsätzlich sind Metalldrucker nichts Neues auf dem 3D-Druckermarkt. Das Problem bisher: Viele 3D-Druckverfahren sind langsam. Für komplexere Gegenstände brauchen die Drucker meist Stunden. Das ist für Einzelstücke in Ordnung, für Routineabläufe in großen Unternehmen dauert es aber zu lange. Dort will HP mit seinem neuen Drucker ansetzen.

          Denn dieser verwendet das so genannte Binder-Jetting-Verfahren, das Techniken aus dem üblichen Tintenstrahldruck benutzt: Ein Druckkopf verteilt Metallpulverschichten und besprüht diese dann mit einem Bindemittel, sodass die Schichten verkleben. Nach dem Entfernen überflüssiger Reste werden die einzelnen Schichten in einem Ofen verschmolzen und härten aus. Der fertige Metallgegenstand entsteht. 

          HP stellt bereits Druckdüsen für Tintenstrahler her

          Hewlett-Packard ist nicht die erste Firma, die dieses oder ähnliche Verfahren verwendet. Das Technikmagazin „Wired“ verweist auf das 3D-Druckunternehmen Ex-One und das Start-up Desktop Metal, die teilweise seit Jahren die Methode verwenden. Auch das Lübecker Druckunternehmen SLM Solutions setzt auf das ähnliche Laserschmelzverfahren.

          Das amerikanische Unternehmen sieht sich trotzdem im Vorteil: Weil das Unternehmen bereits für seine 2D-Drucker Millionen von Düsen zum Sprühen von Farbe produziert, könne das Unternehmen die Düsen viel günstiger herstellen als die Konkurrenz, sagte Tim Weber, 3D-Chef von HP, dem Magazin. Denn die Technik ist beinahe identisch.

          Der neue HP-Drucker kann unter anderem Schaltknäufe wie diesen hier drucken. Bis diese aber in VW-Autos verwendet werden, braucht es noch einige Jahre.

          Durch verhältnismäßig günstige Preise und kurze Druckzeiten könnte der Drucker eine Alternative auch für große Unternehmen darstellen. Der „Metal Jet“ sei bei Stückzahlen von 50.000 bis 70.000 Stück kosteneffektiv, sagte Weber. Das weckt das Interesse von Unternehmen aus dem Medizinbereich und dem Automobilbereich – allen voran VW. „Volkswagen integriert HP Metal Jet in seine langfristige Design- und Produktions-Roadmap“, verkündete Hewlett-Packard stolz in einer Pressemitteilung.

          Mit dem neuen Drucker sollen zunächst einmal lediglich Typenschilder und individualisierte Schlüsselringe produziert werden. Langfristig plant das Unternehmen laut HP-Pressemitteilung allerdings auch, Schaltknaufe und Spiegelhalterungen zu drucken. Und in den neu produzierten Elektrofahrzeugen sollen weitere Metallteile aus dem HP-Drucker zum Einsatz kommen. Zur Vorführung zeigte Hewlett-Packard einen Schaltknauf auf einem VW-Amaturenbrett – hergestellt vom eigenen Drucker.

          Der Metalldrucker soll 2020 auf den Markt kommen und knapp 400.000 Dollar kosten.

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