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Digitale Start-ups : Die Online-Matratze boomt

Die Matratzen von Eve erhielten von der Stiftung Wartentest ein vernichtendes Urteil. Bild: Eve Mattress

Bruno, Casper, Emma oder Smood: Das Geschäft mit der Matratze erlebt eine Vornamenflut und wird zunehmend digital. Nur Eve ist raus.

          3 Min.

          Eve macht Schluss, und ihr Abschiedsbrief klingt emotionslos. „Es tut uns leid, aber wir nehmen nicht länger Bestellungen für Deutschland entgegen“, steht als Botschaft auf der Internetseite des britischen Start-ups, das bislang ziemlich stolz damit geworben hat, seine Matratzen in 15 Märkten zu verkaufen. Nun fokussiert sich das börsennotierte Unternehmen auf Frankreich und den Heimatmarkt im Vereinigten Königreich, auch die anderen Märkte in Europa werden geschlossen.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Zu den Gründen schweigt sich das Unternehmen aus, auch auf Nachfrage gibt es keine Antwort. Einiges spricht dafür, dass der Markt für die Briten zu umkämpft war. Denn Start-ups wie Eve, die Matratzen über das Internet verkaufen, sind in den vergangenen Jahren massenhaft an den Markt gegangen, ob sie nun Bruno, Casper, Emma oder Smood heißen. Mit der Vornamenflut kam auch die Unübersichtlichkeit in einen Markt, der sich allmählich digitalisiert.

          Verlässliche Zahlen zu Marktanteilen gibt es kaum: Während der Matratzenverband, der dem Online-Handel skeptisch gegenübersteht, von 850 Millionen Euro Umsatz in Deutschland und einem Online-Anteil von etwa 10 Prozent ausgeht, schätzen die Start-ups und Möbelhändler den Markt auf gut 1,3 Milliarden Euro und den Anteil des E-Commerce auf 15 bis 20 Prozent.

          Vernichtendes Urteil

          Die Start-ups bieten meist kostenlosen Versand bis zur Haustüre und 100 Tage Rückgaberecht an. Sie wollen der Gegenentwurf sein zum verstaubten Möbelhandel, in dem man am Wochenende im Neonlicht auf zwölf Matratzen probeliegt. Das vollmundige Versprechen der „One-fits-All“-Matratze, dem einen Modell, das zu jedem Schläfer passt, wird mit ordentlich Marketing-Getöse begleitet.

          Der Wettbewerb im Internet wird aggressiv geführt, viele der Anbieter überziehen sich gegenseitig mit Unterlassungserklärungen und Klagen. Unter anderem geht es dabei immer wieder um umstrittene Testseiten im Internet, auf die potentielle Käufer stoßen, wenn sie nach Matratzen suchen. Im vergangenen Jahr hatte die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg 14 solcher Testseiten abgemahnt. Die Bett1 GmbH aus Hamburg wirbt gar mit einer Anti-Kartell-Matratze. Das Unternehmen hat momentan den Wettbewerbsvorteil, dass seine Matratze im Jahr 2015 von der Stiftung Warentest die beste je vergebene Bewertung (Note 1,8) erhalten hatte.

          Das Urteil zu Eve war damals vernichtend: „Eve ist eine der schlechtesten Matratzen, die die Stiftung Warentest in den vergangenen Jahren getestet hat“, lautete das Urteil. Die Note: „Mangelhaft“. Auf Nachfrage bestätigt die Stiftung, dass der Matratzentest auf ihrer Internetseite zu den meist gekauften Artikeln aller Zeiten gehört. Das hat zwei Gründe: Einmal ist der Imagewert bei einer Matratze viel geringer als etwa bei einem Smartphone, wo manchmal schon der Name der Marke den Ausschlag gibt.

          Probeliegen muss doch sein

          Zweitens ist eine Matratze eine ordentliche Investition, die gut überlegt sein will. Da helfen Tests in der Orientierung. Das wissen auch die Start-ups, die mit ihren Testergebnissen werben. Eve hat lange gegen seinen schlechten Ruf angekämpft und eine Matratze sogar in Deutschland produzieren lassen. Doch rumort hat es bei den Briten nicht nur in Deutschland: Anfang des Monats setzte Eve seinen Chef ab und stellte den Aktionären schwache Zahlen in Aussicht. Der Aktienkurs sackte um 60 Prozent ab. Eve schreibt noch Verluste, im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es vor Steuern 19 Millionen Pfund. Interims-Chef Abid Ismail hat offenbar nun einen Strategieschwenk eingeleitet.

          Für die anderen Start-ups ist damit ein Konkurrent weniger in Deutschland. „Der Markt sortiert sich ein bisschen“, sagt Dennis Schmoltzi, Geschäftsführer der Bettzeit GmbH, zu der auch Emma Matratzen gehört. Allerdings ist der Wettbewerb untereinander auch ein wenig kurios, weil die großen Marktanteile eigentlich bei den stationären Händlern zu holen wären, nicht bei den anderen Start-ups.

          Dabei ginge es vor allem darum, mit welcher Strategie die jungen Unternehmen wachsen können. „Die Frage wird sein, wer das nachhaltige Geschäftsmodell hat, in einem Markt, wo der Kunde nicht so häufig wiederkommt“, sagt Schmoltzi. Die Bettzeit-Gruppe etwa will ihren Umsatz von 33 Millionen Euro in diesem Jahr verdoppeln. Das funktioniert nicht nur über das Internet, sondern auch mit stationären Partnern wie Kaufhof, Segmüller oder Matratzen Concord. „Der Kontakt zum Kunden ist auch in Zukunft noch wichtig“, sagt Schmoltzi. Probeliegen muss eben doch noch sein.

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