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Telematik in Deutschland : Schnelles Ärztenetz kommt nur langsam voran

  • -Aktualisiert am

Neulich in der Arztpraxis Bild: dpa

Weil Anbieter fehlen, verzögert sich der Aufbau der Telematik im Gesundheitswesen noch einmal. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verlangt nun ein Eingreifen des Gesetzgebers.

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          Der ohnehin schon schleppende Aufbau der digitalen Kommunikation im Gesundheitswesen wird noch länger dauern und teurer werden als bisher bekannt. Wegen Lieferschwierigkeiten der Industrie müsse der Gesetzgeber die Frist zur Ausstattung der Praxen mit der Telematikinfrastruktur verlängern, verlangte das Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Thomas Kriedel am Mittwoch in Berlin. Es müsse auch noch einmal verhandelt werden, wie die Kosten erstattet werden. Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten dürften nicht die Probleme ausbaden müssen, die der Markt verursacht habe. „Hier muss der Gesetzgeber den Tatsachen ins Auge sehen,“ sagte Kriedel.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Denn immer noch gebe es nur einen Anbieter für die „Konnektoren“, also die Hardware, die eine sichere Kommunikation der Praxen über das Internet ermöglicht. Zwar hätten für das Frühjahr weitere Hersteller Angebote angekündigt, doch sei es fraglich, ob es dazu wirklich komme. „Selbst, wenn die Hardware zur Verfügung stünde, wäre es unrealistisch, alle 100.000 Praxen bis zum Ende des Jahres – wie vom Gesetzgeber vorgegeben – anzubinden“, sagte Kriedel.

          4000 Euro für Anschaffung, Montage und Betrieb des Konnektors

          Diese Einschätzung teilt die Gematik. Die von der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens getragene Gesellschaft ist für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und weiterer IT-Komponenten zuständig. Bis Mitte März habe der einzige Lieferant, die Compugroup, rund 9700 Praxen angeschlossen, hieß es auf Anfrage. Mit T-Systems hat zwar ein zweiter Hersteller angekündigt, seinen Konnektor im nächsten Monat vorzulegen, allerdings wurden solche Zusagen oft nicht eingehalten. Zudem geht es nicht nur um die gut 100.000 Arztpraxen, auch 2000 Krankenhäuser und 50.000 Zahnarztpraxen sollen schnell an das System angeschlossen werden.

          Der fehlende Wettbewerbsdruck führt nicht nur zu Verzögerungen, sondern laut KBV-Vorstand Kriedel auch dazu, dass die Preise nicht so schnell fallen wie erwartet. An diese Erwartung aber sind die von Quartal zu Quartal sinkenden Kostenerstattungen der Ärzte gekoppelt. „Wir haben es hier mit einer möglichen Unterdeckung im vierstelligen Bereich pro Praxis zu tun“, sagt Kriedel. Damit riskierten die Ärzte einerseits, auf einem Teil der Kosten sitzenzubleiben. Zum anderen drohe ihnen der Abzug von einem Prozent des ärztlichen Honorars, wenn die Daten der Versicherten nicht wie vorgeschrieben von Januar 2019 an elektronisch geprüft würden.

          Um das Sanktionsrisiko zu entschärfen, solle der Gesetzgeber die Frist mindestens um ein halbes Jahr auf Mitte 2019 verlängern, sagte Kriedel. Die Schuld, dass der vorgegebene Zeitraum abermals nicht eingehalten werden könne, liegt nicht bei den Ärzten, sondern bei den Herstellern. Zudem rede man mit dem Spitzenverband der Kassen über eine Änderung der Finanzierungsregeln, die aktuell eine Erstattung von gut 4000 Euro für Anschaffung, Montage und Betrieb des Konnektors vorsehen.

          Warnung vor zu viel Wildwuchs

          Der Kassenverband äußerte sich auf Anfrage verhalten. Man habe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass niedergelassene Ärzte auch nach dem 1.April ihre Ausgaben für die Ausstattung mit Konnektoren aufgrund sinkender Marktpreise gedeckt bekämen, sagte eine Sprecherin. „Sollte sich im April zeigen, dass sich die Marktbedingungen anders als erwartet massiv verändert haben, sind wir gerne gesprächsbereit.“ Die vom Schiedsamt festgelegte Preisreduzierung habe schon zweimal funktioniert. Die niedrigeren Preise seien von der Industrie übernommen worden. „Wenn die KBV immer noch dazu steht, dass man Monopolisten nicht jeden geforderten Preis finanzieren möchte, dann sollte sie nicht im Vorfeld über Preisanhebungen für die Industrie diskutieren“, sagte Ann Marini vom GKV-Spitzenverband der F.A.Z.

          Der Aufbau der sicheren Telematik-Infrastruktur gilt als Voraussetzung dafür, Gesundheitsdaten schneller auszutauschen und zu verarbeiten. Dazu gehören zum Beispiel digitale Arzneimittelausweise, Impfpässe, Patientenakten, Rezepte oder Krankenscheine. Die elektronische Patientenakte soll laut Koalitionsvertrag bis zum Ende der Wahlperiode eingeführt sein. Dazu laufen derzeit zwei Modellversuche, je einer bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und einer bei der Techniker Krankenkasse. Die AOK kooperieren dabei mit der KBV und nutzen das „sichere KV-Netz“.

          KBV-Vorstand Kriedel warnte vor zu viel Wildwuchs. Damit die Patientenakte breit eingesetzt werden könne, dürfe es keine Insel- oder Parallellösungen geben. Auch dürfe es nur eine Akte je Patient geben, beim Kassenwechsel müsste er diese also mitnehmen können. Auch verlangte Kriedel einheitliche technisch-semantische Standards sowie ein sinnvolles Zugriffs- und Berechtigungskonzept. Für technische Fragen und solche der Interoperabilität sei die Gematik der zentrale Akteur. Inhalte und Vergütung sollten KBV und Kassen aushandeln.

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