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Vorsätze für 2019 : Roboter Zuckerberg will reden

Mark Zuckerberg, Vorstandsvorsitzender von Facebook, spricht im Mai 2018 auf der Facebook-Entwicklungskonferenz F8. Bild: dpa

Neues Jahr, neues Glück: Facebook-Chef Mark Zuckerberg nimmt sich viel vor für 2019 – neben Facebook möchte er auch die ganze Welt zu einem besseren Ort machen. Nur, wie will er seine Vorsätze einhalten?

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          Gute Vorsätze für das neue Jahr sind eine schwierige Sache: mehr Sport, weniger rauchen, gesünder essen, mehr Zeit mit der Familie. Und am Ende des Jahres kann man sich kaum noch an die Vorsätze aus dem Januar erinnern. Nur wenige Menschen schaffen es, ihre Pläne einzuhalten. Sie haben viel Disziplin und Willen – und häufig erzählen sie vielen Leuten von ihren Vorsätzen, das diszipliniert zusätzlich.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist für seine Disziplin und seinen Willen bekannt, so sehr sogar, dass er in manchen Auftritten an einen Roboter erinnert. Und er schreibt öffentlich über seine guten Vorsätze für das neue Jahr.

          Jedes Jahr habe er einen Vorsatz, etwas Neues zu lernen, schrieb er am Montag auf seiner Facebookseite. In den vergangenen Jahren seien seine Vorsätze gewesen: eine Künstliche Intelligenz für sein Haus bauen, 365 Meilen zu laufen, jeden amerikanischen Bundesstaat zu besuchen, 25 Bücher zu lesen und Mandarin zu lernen, den am weitesten verbreiteten chinesischen Dialekt. Vergangenes Jahr dann habe er „fast seine gesamte Zeit dafür eingesetzt, sich um Wahlen, Meinungsäußerung, Privatsphäre und Wohlergehen zu kümmern“.

          Mehr Schaden als Gutes?

          Und auch für das neue Jahr hat der Facebook-Chef sich wieder etwas vorgenommen: Diesmal möchte er eine Reihe öffentlicher Diskussionen über die gesellschaftliche Rolle von Technik führen. „Alle paar Wochen werde ich mit Führungskräften, Experten und Leuten aus unserer Gemeinschaft aus verschiedenen Feldern reden“, schreibt er in dem Statement – über die Chancen, die Herausforderungen, die Hoffnungen und die Gefahren von Technik möchte er sprechen.

          Vor einigen Jahren wäre das noch als eindeutiges Zeichen interpretiert worden, dass Zuckerberg amerikanischer Präsident werden will. Die Zeiten sind aber lange vorbei. Für Facebook war 2018 ein äußerst schwieriges Jahr. Es war voller Datenskandale und Zuckerberg persönlich wurde vor den amerikanischen Kongress zitiert, um Bericht zu erstatten über Facebooks Rolle im Präsidentschafts-Wahlkampf 2016. Zuckerberg selbst steht in der Kritik und nicht wenige fordern, seine Macht bei Facebook zu beschränken.

          Zudem fragen sich viele Leute inzwischen, ob die Plattform nicht mehr Schaden anrichtet, als Gutes zu tun. Viele Leute scrollen gedankenlos und mit Suchtsymptomen durch das Netzwerk, beschimpfen sich in Online-Diskussionen oder machen anderen Leuten in Shitstorms das Leben zur Hölle.

          Zuckerberg scheint verstanden zu haben, dass all das zusammen sein Lebenswerk in Gefahr bringt. In dem Statement vom Montag schreibt er, dass er daran gewöhnt sei, seine Ideen umzusetzen und zu hoffen, dass die für sich selbst sprechen. „Ich bin Ingenieur“, schreibt er zu seiner Verteidigung. Angesichts der Bedeutung seiner Arbeit reiche das aber nicht mehr aus. Deshalb werde er sich häufiger öffentlich zeigen, als das für ihn eigentlich bequem sei. Wer die öffentlichen Auftritte Zuckerbergs verfolgt hat, kann sich vorstellen, dass es tatsächlich Dinge gibt, die er lieber tut. Er wirkt häufig hölzern und wenig emotional.

          Die Themen, mit denen er sich beschäftigen möchte, zeigen aber, dass er immer noch positiv auf seine Plattform blickt – lassen aber auch Zweifel daran aufkommen, ob er wirklich offen in die Diskussionen geht: „Wollen wir, dass Technologie weiterhin mehr Leuten eine Stimme gibt oder werden traditionelle Gatekeeper kontrollieren, welche Ideen ausgedrückt werden?“ Wörtlich übersetzt sind Gatekeeper Torwächter. Der Begriff aus der Soziologie beschreibt Organisationen und Personen, die das Tor zu gesellschaftlichem Einfluss öffnen (oder schließen) können. So wie Zuckerberg die Frage stellt, erübrigt sich die Antwort.

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          Das Muster setzt sich fort: „Sollen wir Macht mithilfe von Verschlüsselung oder anderer Mittel dezentralisieren, um den Leuten mehr Macht zu geben?“ Wie könne das Internet helfen, das soziale Netz zu stärken, wo gleichzeitig doch viele lokale Gemeinschaften schwächer werden. „Wie können wir ein Internet bauen, das Leuten hilft, zusammen zu kommen, um die größten Herausforderungen der Welt anzugehen, die Zusammenarbeit auf globaler Ebene verlangen?“

          Hält Zuckerberg sich an seine guten Vorsätze und verlaufen die Diskussionen erfolgreich, könnte also, so pathetisch klingt seine Botschaft, nicht nur Facebook gerettet werden – sondern auch der Klimawandel bekämpft.

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