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Frauen in der Tech-Branche : Airbus-Chefingenieurin Grazia Vittadini

Grazia Vittadini ist Chefingenieurin bei Airbus Bild: Bearbeitung F.A.Z.

Sie schaffte als erste Frau den Sprung in den Vorstand des Flugzeugherstellers Airbus und ist dort zuständig für den Kernbereich der technischen Entwicklung – Teil 2 unserer Serie über bedeutende Frauen in Technologie und Wirtschaft.

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          In vielerlei Hinsicht ist Grazia Vittadini eine ungewöhnliche Frau, zumindest für ihren Jahrgang. Die im Jahr 1970 in Mailand geborene Ingenieurin spielte als junges Mädchen Fußball, baute Modellflugzeuge und schraubte an Motorrädern herum. Nach der Schule entschied sie sich für ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik und gehörte damit dem einen Prozent der Frauen an, die sich an der Mailänder Universität Politechnico in diese Männerdomäne vorwagten. Dass sie überhaupt in Italien studierte, obwohl sie doch in Amerika, im Land der Elite-Universitäten, aufgewachsen war, gibt ebenfalls zunächst Rätsel auf.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Beinahe 20 Jahre später dann, im Mai 2018, geschah abermals etwas Ungewöhnliches: Grazia Vittadini wurde als erste Frau in der Geschichte des Flugzeugherstellers Airbus in den Vorstand berufen – zuständig nicht für Kommunikation, nicht für Personal, sondern für das traditionell den Männern vorbehaltene Feld der technischen Entwicklung.

          Vittadini hatte sich mit harter Arbeit für den Posten empfohlen, zuweilen unter schwierigen Voraussetzungen. So war sie in ihrem ersten Job in einem italienischen Unternehmen die einzige Ingenieurin und durfte den Fertigungsbereich nicht betreten, weil sie die Männer von der Arbeit ablenken könnte.

          „Die Modelle sind uns alle zu eng geworden“

          Vom Jahr 2002 an arbeitete sie für Airbus, zunächst in Hamburg, wo sie an der Entwicklung des Eurofighter-Kampfjets beteiligt war und auch an großen Zivilflugzeugen wie dem A380 schraubte. Doch Vittadini zog es ins Management – von einer Teamleiterin arbeitete sie sich bis zur Stellvertreterin von Airbus-Rüstungschef Dirk Hoke nach oben. Dann schaffte sie den Sprung in den Vorstand. Dort ist sie nunmehr dafür verantwortlich, eine Zukunftsvision für Airbus zu entwickeln und Herausforderungen zu meistern wie etwa die Suche nach umweltfreundlichen Antrieben für den Luftverkehr.

          Und noch eine weitere Rolle hat Vittadini eingenommen: Ihre Mission ist es, Airbus bunter zu machen, weg von „pale, male, Yale“, also der weißen, männlichen Elite: „Die Modelle, die Muster, die bisher angewendet werden, sind uns alle zu eng geworden“, sagt sie. Seit April 2019 hat sie mit Kommunikationschefin Julie Kitcher immerhin eine weitere Frau an ihrer Seite im Vorstand.

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