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National Roaming : Telekom statt Vodafone

Gibt’s Netz? Bild: dpa

Mit Vodafone-Vertrag ins Telekom-Netz? Vielleicht wird das bald möglich. Denn bald kommt die neue Mobilfunk-Technik 5G.

          2 Min.

          Es wäre eine ganz neue Mobilfunk-Welt: Ein Deutschland, in dem Smartphones nicht auf das eigene Mobilfunk-Netz beschränkt sind, sondern in Funklöchern auch die Handynetze der Konkurrenten nutzen können. „National Roaming“ heißt der Vorschlag, und er kommt gerade in Deutschland in die Diskussion – für die nächste Mobilfunk-Generation „5G“, die in den kommenden Jahren eingeführt werden soll.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          5G soll alles können: Daten so schnell verschicken, dass der Mobilfunk als Ersatz fürs Festnetz tauglich wird. Gleichzeitig soll 5G billige Mobilfunk-Netze ermöglichen, mit denen das Internet der Dinge leichter wird. Viele Geräte sollen günstig ins Netz kommen können, wenn sie wenige Daten verschicken. Trotzdem soll es nicht viel Zeit vergehen, bis die Verbindung aufgebaut ist.

          2020 könnte der Ausbau beginnen, richtig los geht es aber erst im Jahr 2021, weil erst dann die Funkfrequenzen frei werden. Versteigert werden die aber schon dieses oder nächstes Jahr. Gerade denkt die Bundesnetzagentur über die Bedingungen der Versteigerung nach.

          Funkzellen besser nutzen

          In diese Debatte kommt ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger für die „Internet Economy Foundation“, eine Organisation verschiedener deutscher Internet-Unternehmer. Darin schlagen die Berater verpflichtendes „National Roaming“ vor. Der Koalitionsvertrag sieht das bisher nur als freiwillige Möglichkeit für die Netzbetreiber vor. Die Berater argumentieren: Weil die Netzbetreiber unterschiedliche Regionen zuerst ausbauten, würden die Funkzellen so besser genutzt und die Netzbetreiber insgesamt entlastet. Die Deutschen kennen „National Roaming“ von O2, dessen Kunden während des Netzaufbaus ebenfalls andere Mobilfunknetze mit nutzen konnten.

          Die Berater betonen zudem, dass auch das Glasfasernetz ausgebaut sein muss, damit die Daten vom Funkmast weiter transportiert werden können. Tests sollten schnell begonnen werden, der Ausbau brauche ambitionierte Ziele. Zudem müsse es weiterhin Handyanbieter ohne eigenes Netz geben.

          Einer der Hauptfinanziers der Stiftung ist Ralph Dommermuth, Gründer von United Internet, das Handyverträge kauft, aber kein eigenes Netz betreibt. Dommermuth hat angekündigt, sich überhaupt nur dann möglicherweise an der Frequenzauktion zu beteiligen, wenn es eine Verpflichtung zum nationalen Roaming gibt – ansonsten hätten Neueinsteiger anfangs ein zu kleines Netz. „Dann würde ich mir das Thema ansehen. Ohne Roaming wird es in Deutschland kein viertes Netz geben“, sagt er.

          Die Telekom ist dagegen

          Die Deutsche Telekom argumentiert gegen den Netzwechsel für Kunden. Wenn Netzbetreiber ohne eigene Funkzellen die Funkzellen der anderen mitnutzen könnten, dann leide der Anreiz, Netze aufzubauen. „Eine Verpflichtung zum National Roaming käme einer Enteignung derer gleich, die in Infrastruktur investiert haben“, sagt ein Sprecher. In Kanada habe so eine Regelung dazu geführt, dass die Netzbetreiber nicht mehr in Netze investiert hätten.

          Auch Ökonomen sind selbst noch unsicher, ob die Idee gut ist. Am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung wägt dessen Präsident Achim Wambach ab: Sicher sei es sinnvoll, wenn nicht jeder Netzbetreiber jedes Funkloch schließen müsse. „Kritisch ist, dass hier eine Lösung für ein spezifisches Problem gewählt wird, die ganz Deutschland betreffen würde und außerhalb dieser Regionen den Infrastrukturwettbewerb schwächen würde.“

          Vielleicht kommt es am Ende nur darauf an, dass die Mobilfunknetz-Betreiber ohne eigene Funkzelle dem anderen Netzbetreiber für die Nutzung von dessen Geräten den richtigen Geldbetrag zahlen müssen.

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