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Jung versus alt : Die digitale Kluft

Senioren nehmen in Hamburg an einem Computerkurs der Volkshochschule teil. Bild: Picture-Alliance

Die Deutschen vertrauen der Digitalkompetenz deutscher Behörden nicht und vor allem Ältere fühlen sich im Internet unsicher. Dagegen sind fast alle Jugendlichen im Internet unterwegs. Das zeigen zwei neue Studien.

          3 Min.

          Durch Deutschland geht eine digitale Kluft. Die Jugend ist mit dem Internet aufgewachsen und fühlt sich dort zuhause. Nicht wenige ältere Menschen bewegen sich dagegen unsicher im Netz. Das zeigt sich nicht nur, wenn Kinder ihren Eltern mit den Sicherheitseinstellungen auf Facebook helfen müssen, wenn es der vor allem von älteren Menschen gewählten CDU schwer fällt, einem Youtuber adäquat zu antworten, und wenn beide Koalitionsparteien mit ihren Positionen zum Urheberrecht die einen großen Teil der Netzgemeinde verprellen. Ein ähnliches Bild zeichnen zwei Studien, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der einen Studie zeigt die Körber-Stiftung auf, wie wenig die Deutschen der Politik zutrauen, sich mit den Folgen der Digitalisierung zu befassen. Nur jeder zehnte Deutsche meint, dass deutsche Behörden dazu „am ehesten in der Lage“ sind, jeder achte setzt auf die EU und jeder vierte vertraut am ehesten den Unternehmen. Damit trauen die Deutschen ihren nationalen Behörden sehr viel weniger zu als die Bevölkerung in anderen europäischen Ländern. Im EU-Durchschnitt meinen 16 Prozent, dass die nationalen Behörden am ehesten in der Lage sind, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Das sind 6 Prozentpunkte mehr als in Deutschland.

          Dazu passt, dass die Deutschen meinen, dass die Digitalisierung vor allem auf die Wirtschaft positiven Einfluss haben dürfte, vier von fünf Deutschen sind dieser Ansicht. Damit liegen sie sieben Prozentpunkte über dem EU-weiten Durchschnitt. Die gesellschaftlichen Auswirkungen sehen viele Deutsche dagegen skeptischer. Nur etwa jeder zweite sieht einen positiven Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft, damit liegt Deutschland zehn Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt.

          Fragt man die Deutschen aber, für wie kompetent sie sich im Internet halten, dann landen die Menschen hierzulande im EU-Mittelfeld. Drei Viertel der Deutschen halten ihre Kompetenz für ausreichend, um „im täglichen Leben digitale Technologien zu nutzen“. In den Niederlanden, Schweden und Dänemark sind neun von zehn Menschen dieser Ansicht, in Ungarn und Bulgarien hält sich dagegen nur jeder Zweite für kompetent genug.

          In Deutschland halten sich die Menschen also für durchschnittlich kompetent. Und anders als in Ländern wie Schweden sind es hierzulande vor allem die Älteren, die die Digitalisierung skeptisch sehen. Die Autoren schlussfolgern: „Die Generation 65+ hat hier meist erheblich seltener positive Erwartungen an die neuen Technologien als die Jugend.“

          All diese Fragen wurden Menschen gestellt, die älter als 15 Jahre sind. Viele der Befragten können sich an Zeiten erinnern, in denen heimische Computer noch die Ausnahme waren, Drucker laute Geräusche machten und Mobiltelefone wilde Spinnereien aus Sci-Fi-Romanen waren.

          Schlechte Erfahrungen im Netz

          Die meisten Jugendlichen heute können das nicht mehr. Und so geben auch 56 Prozent der jungen Menschen unter 18 Jahren an, dass sie sich ein Leben ohne Internet oder Smartphone gar nicht vorstellen können. Das ist ein Ergebnis der zweiten Studie, in der der Digitalverband Bitkom repräsentativ Kinder und Jugendliche zu ihrer Internetnutzung befragt hat.

          Darin kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Kinder immer früher schon Smartphones verwenden. Noch im Jahr 2014 nutzte der Studie zufolge nur jedes fünfte Kind zwischen 6 und 7 Jahren „ab und zu ein Smartphone“. 2019 ist es mit 54 Prozent schon mehr als jedes zweite. Noch verbreiteter sind unter Kindern bis 9 Jahre allerdings Tablets. Vier von fünf Kindern nutzen diese regelmäßig. Die meisten Kinder wachsen also mit dem Internet auf, ob mit dem Smartphone oder mit dem Tablet.

          Ab einem Alter von 12 Jahren ist inzwischen im Prinzip jeder Jugendliche online. Nur 3 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren geben an, nicht regelmäßig ein Smartphone zu verwenden, nur fünf Prozent haben kein eigenes Smartphone. Vor fünf Jahren war der Anteil der Jugendlichen, die nicht regelmäßig ein Smartphone verwendeten, noch etwa fünfmal so groß.

          Neun von zehn Jugendlichen nutzen die Geräte, um Musik zu hören und Videos zu schauen, darunter auch viele Videos von Youtubern wie etwa Rezo. Gleichzeitig geben drei von vier Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren an, sich über das Internet über aktuelle Nachrichten zu informieren, zwei Drittel schauen dafür fern und immerhin noch zwei von fünf hören Radio.

          Die Angebote von Zeitungshäusern werden dagegen kaum noch genutzt, egal ob online oder gedruckt. Jeweils jeder vierte Jugendliche gibt an, gedruckte Zeitungen und Zeitschriften zu lesen oder im Internet Nachrichten zu lesen.

          Die beliebtesten Apps der Jugendlichen sind dabei nach wie vor der Nachrichtendienst Whatsapp sowie die Foto-Apps Instagram und Snapchat. Selbst unter den 10-Jährigen nutzen vier von fünf Whatsapp, bei den älteren sind 19 von 20, Instagram nutzen drei von vier Jugendlichen und zwei von dreien sind auf Snapchat.

          Die meisten Jugendlichen zeigen sich verantwortungsbewusst, schreiben die Autoren. Zwei Drittel der 10- bis 18-Jährigen achten darauf, welche Informationen sie online stellen, und meinen, durch das Internet ihr Wissen erweitert zu haben.

          Es überrascht deshalb auch wenig, dass sich die Eltern immer weniger einschalten, je älter ihre Kinder werden. Die meisten Kinder unter elf Jahren erhalten noch Vorgaben von ihren Eltern, wie lange sie online sein dürfen, bei Jugendlichen trifft das nur noch auf eine Minderheit zu.

          Nur eine Minderheit der Eltern spricht allerdings regelmäßig mit ihren Kindern über ihre Erfahrungen im Netz. Dabei dürfte das für viele Jugendliche durchaus hilfreich sein: 41 Prozent geben an, im Internet schon negative Erfahrungen gemacht zu haben.

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