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Dice startet in Deutschland : Ticketing-App mit dem Segen von Ye

Kanye West ließ 2018 die Karten für seine Veranstaltungsreihe „Project Wyoming“ exklusiv über die britische App Dice verkaufen (Bild aus 2015). Bild: REUTERS

Dice verspricht, Tickets vom Schwarzmarkt fernzuhalten und will Veranstaltern wie Musikern zu mehr Andrang auf ihren Konzerten verhelfen. Prominente Investoren kann das britische Unternehmen in jedem Fall vorweisen.

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          Kanye West als Auftraggeber ist nicht die schlechteste Referenz für ein junges Unternehmen. Der amerikanische Superstar, der mittlerweile nur noch „Ye“ heißt, ließ 2018 die Karten für seine Veranstaltungsreihe „Project Wyoming“ exklusiv über die britische App Dice verkaufen. So sollte verhindert werden, dass die begehrten Tickets für überteuerte Preise weiterverkauft werden. Ein Coup für das erst 2014 vom ehemaligen Label-Manager Phil Hutcheon gegründete Unternehmen.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Es ist ein sicheres, geschlossenes System“, erklärt er im Gespräch mit der F.A.Z. die Funktionsweise der App. Ein über Dice gekauftes Ticket könne nirgendwo anders verkauft werden. „Wenn ein Käufer es doch nicht zum Konzert schafft, kann er das Ticket einfach über die App zurückgeben und erhält sein Geld zurück, wenn jemand aus der parallel angelegten Warteliste zugreift.“ Zudem werde von Beginn an der Endpreis eines Tickets angezeigt, anstatt etwaige Gebühren erst kurz vor der Bezahlung aufzuschlagen. „In der Regel sind Tickets bei uns günstiger, aber im schlimmsten Fall ist es der gleiche Preis wie auf den großen Plattformen“, sagt Hutcheon.

          „Unser Job ist es, Fans dazu zu bewegen, mehr auszugehen“

          Mehr als eine Million Menschen haben im April in London die kostenlose App genutzt, sagt er. Rund 1,2 Millionen seien es in New York gewesen. Mit mehr als 40.000 Künstlern und rund 3600 Spielstätten oder Veranstaltern arbeitet Dice eigenen Angaben zufolge zusammen. Nicht zuletzt das bekannte Primavera-Festival gehört zu den Partnern. Jetzt will Hutcheon auch in Deutschland Fuß fassen. Gut 350 verfügbare Veranstaltungen durch Kooperationen mit zwei Kernpartnern (der Berliner Promoter „Z|ART“ und der Veranstalter „Goodlive Artists“, der Konzert- und Tournee-Veranstalter des Unternehmens Goodlive) ergeben zum Start noch ein recht überschaubares Angebot. Der Brite gibt sich jedoch entspannt: „Wir sind eine unabhängige Alternative. Unser Job ist es, Fans dazu zu bewegen, mehr auszugehen“. Wenn jemand ein Konzert im Monat besuche, wolle Dice ihn dazu bringen, mindestens zwei Mal zu gehen.

          „Auch große Veranstalter verstehen in der Regel schnell, dass Dice für sie nur Vorteile hat, wenn wir eben unseren Job gut machen“, sagt er. In den USA oder Großbritannien verkaufe Dice längst auch Karten von Shows des weltgrößten Live Entertainment-Konzerns, Live Nation, oder von Konkurrent AEG. Live Nation betreibt mit Ticketmaster auch einen der großen Ticketing-Dienstleister. Gerade das Ticketing-Geschäft beschert im Gegensatz zu den kostenintensiven eigenen Shows sehr hohe Margen.

          CTS Eventim ist ähnlich aufgestellt. Der M-Dax-Konzern verfügt über die gleichnamige Ticketing-Plattform und gleichzeitig über ein Netzwerk mit diversen großen Konzert- und Festival-Veranstaltern. Perspektivisch wolle Dice auch mit diesen arbeiten, sagt Hutcheon. „Anfangs sind die Player in der Musikindustrie oft skeptisch. Der erste Schritt besteht immer darin, ein erstes Kontingent an Karten eines Veranstalters verkaufen zu können.“ Laufe es gut, werde das Kontingent „im Idealfall immer größer.“

          Als Trumpf von Dice sieht Hutcheon den Algorithmus der App. Rund 40 Prozent der Ticketkäufe kämen so über personalisierte Empfehlungen zustande. Für ein erstes Bild des Musikgeschmacks eines Nutzers helfe auch die Verknüpfung mit Streamingdiensten wie Spotify oder Apple Music. Die eigenen Daten seien aber weitaus wichtiger, denn vielleicht wolle jemand, der zwar permanent Techno streamt ja gar nicht unbedingt primär auf Techno-Shows gehen.

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