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Dialog Semiconductor : Objekt der Begierde

Ein Mikrocontroller von Renesas, wie er in Autos aber auch Waschmaschinen oder in Büroelektronik verbaut wird. Bild: Reuters

Japans Renesas-Gruppe greift nach der deutsch-britischen Dialog Semiconductor. Verliert Europa so noch einen Chiphersteller, oder gewinnt es einen Großinvestor?

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          Auch Zwerge werfen lange Schatten – nämlich dann, wenn die Sonne sehr niedrig steht. So wird der Griff der japanischen Renesas-Gruppe nach dem relativ kleinen deutsch-britischen Chipherstellers Dialog Semiconductor auf dem Kontinent und der Insel wohl ein paar große Sorgenfalten hervorrufen, gelten Chips doch für moderne Industrien als der zentrale Baustein. Die Bedenken aber können sich in Grenzen halten. 

          Während Brüssel und Berlin derzeit an milliardenschweren Plänen für die Wiederauferstehung der Halbleiterbranche in der EU schreiben, während sich London schon an einer eigenen Chip-Agenda übt, machen die Japaner Nägel mit Köpfen: Mit Renesas kaufte einer der letzten großen Chiphersteller im Land der aufgehenden Sonne in den vergangenen fünf Jahren Konkurrenten für 8 Milliarden Euro, erst in Amerika, dann in Europa.

          Nun greift Renesas nach Dialog, und das hat es in sich: Denn das Objekt der Begierde hat wegweisende Technik in der Schublade, ist als Designhaus frei von teuren Fabriken und in der Branche überaus gut verdrahtet. Eine kleine Perle also.

          Sollte die Politik den Verkauf dieses Kleinods nach Fernost daher nicht besser stoppen? Nein, auf keinen Fall! Denn was Brüssel, Berlin und London heute vor allem brauchen, sind private Investoren in zukunftsträchtigen Schlüsselindustrien – und die können gar nicht groß genug sein.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

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