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„Vertrauenswürdige Elektronik“ : Deutschland drängt auf mehr eigene Chip-Herstellung

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Infineon ist der größte deutsche Halbleiter-Hersteller. Bild: Reuters

Die Bundesrepublik muss technologisch unabhängiger werden von China und Amerika, sagt die Forschungsministerin. Und stellt eine neue Initiative vor.

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          Um die technologische Unabhängigkeit zu stärken, will die Bundesregierung eine Wertschöpfungskette von der Forschung bis zur Produktion von Spezial-Prozessoren unterstützen. Das Forschungsministerium stellte am Dienstag zwei neue Förderprogramme mit einem Volumen von 45 Millionen Euro vor, mit denen „vertrauenswürdige“ Elektronik entwickelt werden soll.

          Damit soll das schon existierende Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums für die Chip-Produktion ergänzt und das Forschungsprogramm Mikroelektronik ausgebaut werden. Denn Elektronikbausteine übernähmen einen immer größeren Anteil in sicherheitskritischen Bereichen, ihre strategische Bedeutung wachse, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin. Dies gelte etwa für Zukunftsbereiche wie den Mobilfunk, das Autonome Fahren, die Medizin, aber auch die sogenannte Industrie 4.0, also die digitalisierte Produktion.

          Bundesregierung und EU versuchen seit Monaten, die starke Abhängigkeit von chinesischer Hardware und amerikanischen Software in sicherheitsrelevanten Bereichen zumindest etwas zurückzudrängen. Hintergrund ist etwa die Debatte, ob chinesische Netzwerkanbieter wie Huawei aus Sicherheitsgründen vom Aufbau des modernen Mobilfunknetzes 5G ausgeschlossen werden sollen.

          Das neue „Zuse-Programm“

          Karliczek sagte, man müsse mit einer doppelten Strategie auf die Abhängigkeit reagieren. Dort, wo man nicht wettbewerbsfähig sei, müsse man Standards für den Einsatz von Elektronikkomponenten aufstellen und prüfen – wie dies bei 5G der Fall sei. Aber für die nächste Generation, das 6G-Netz, müsse man die Entwicklung eigener Elektronik-Bauteile fördern.

          „Wir brauchen die gesamte Wertschöpfungskette, vom Entwurf von Prozessoren bis zur Produktion von Halbleitern“, forderte auch Gunther Kegel, Präsident des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). Dazu gehöre auch das europäische Cloud-Projekt Gaia-X, in dem sensible Daten europäischer Firmen gespeichert werden sollen. „Gerade bei den Spezialprozessoren ist es wichtig, dass wir einen kompletten Prozess in Europa haben“, sagte Kegel.

          Derzeit wird die Halbleiter- und Elektroindustrie von asiatischen und amerikanischen Anbietern dominiert. Europa hatte 2018 nur noch einen Anteil von neun Prozent im Halbleiterbereich. „Leider ist die Kompetenz, Prozessoren selbst zu entwickeln, in Deutschland zurückgegangen“, sagte Wolfgang Ecker, Elektronikforscher des Chipherstellers Infineon. Deshalb sei die Förderung der Forschung wichtig.

          Die EU hat ihre Beihilferegeln für den Chip-Sektor gelockert, um eine Aufholjagd mit Milliardensubventionen für Firmen zu ermöglichen. Das Forschungsministerium will nun die ersten drei Projekte aus dem neuen „Zuse-Programm“ mit 25 Millionen Euro unterstützen. Zudem sollen ab Anfang 2021 weitere 20 Millionen Euro in die Entwicklung von Plattformen zum Thema „vertrauenswürdige Elektronik“ fließen, in denen Hard- und Software-Komponenten aus heimischer Produktion integriert werden sollen.

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