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Für 3,75 Milliarden Euro : Deutscher Chipzulieferer Siltronic vor Verkauf nach Taiwan

  • Aktualisiert am

Siltronic beschäftigt ungefähr 3700 Mitarbeiter. Bild: Unternehmen

Die Werke im bayerischen Burghausen und im sächsischen Freiberg sollen bis Ende des Jahres 2024 gesichert sein – und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

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          Der Münchner Chip-Zulieferer Siltronic steht vor dem Verkauf nach Taiwan. Man sei kurz vor einer Einigung mit dem Rivalen GlobalWafers, der 3,75 Milliarden Euro für das im M-Dax notierte Unternehmen bieten wolle, teilte Siltronic am Sonntagabend mit.

          GlobalWafers biete 125 Euro je Aktie, elf Prozent mehr als der Freitags-Schlusskurs. Der Siltronic-Vorstand halte den Kaufpreis für „attraktiv und angemessen“. 30,8 Prozent an Siltronic haben die Taiwaner schon fast sicher. Großaktionär Wacker Chemie steht kurz vor einer Vereinbarung mit GlobalWafers, sein Aktienpaket zu dem gebotenen Preis anzudienen. Auch der Vorstand des Münchner Familienunternehmens halte die Offerte für angemessen.

          Die Konsolidierung auf dem Wafer-Weltmarkt nähme mit der Übernahme Fahrt auf. Fünf Unternehmen können 300-Millimeter-Wafer – das sind die modernsten Siliziumscheiben, aus denen Mikrochips gestanzt werden – herstellen. Marktführer ist bisher die japanische Shin-Etsu mit 30 Prozent. GlobalWafers liegt mit 17 Prozent auf Platz drei, Siltronic mit 13 Prozent auf Platz vier. Mit der Übernahme würden sie zumindest die Nummer zwei, Sumco, überholen.

          Der Digitalsierungs-Schub hilft der Branche

          Im Jahr 2019 kam GlobalWafers auf einen Umsatz von zwei Milliarden Dollar, Siltronic erreichte 1,3 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten 2020 ging der Umsatz von Siltronic um 4,5 Prozent auf 923 Millionen Euro zurück, das operative Ergebnis (Ebitda) sank um 17 Prozent.

          Die Verhandlungen dauerten schon Monate, erklärte Siltronic. Eine verbindliche Fusionsvereinbarung solle in der zweiten Dezemberwoche unterzeichnet werden, sobald auch die Aufsichtsräte zugestimmt haben. Seit Beginn der Gespräche hat der Kurs der Siltronic-Aktie kräftig angezogen. Allein im November legte er um etwa die Hälfte zu, am Freitag schloss die Aktie bei 113,55 Euro.

          Die Coronakrise hatte die Chipbranche zunächst erschüttert, doch hat sich inzwischen gezeigt, dass die Unternehmen teilweise sogar von der Pandemie profitieren, die einen Digitalisierungsschub ausgelöst hat. Die Aktionäre von Siltronic sollen noch vor der Übernahme eine Dividende von zwei (2019: drei) Euro je Aktie bekommen.

          An der Strategie wollen die Taiwaner bei Siltronic nach Angaben des Münchner Unternehmens praktisch nichts ändern. Die Werke im bayerischen Burghausen und im sächsischen Freiberg seien bis Ende des Jahres 2024 gesichert. Bis dahin seien auch betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Das Unternehmen beschäftigt ungefähr 3700 Mitarbeiter, davon fast zwei Drittel in Deutschland.

          Wacker Chemie hatte die Tochtergesellschaft Siltronic im Jahr 2015 an die Börse gebracht, weil der Konzern das Auf und Ab der Halbleiterbranche nicht mitmachen wollte. Im Jahr 2017 gab Wacker die Mehrheit ab und reduzierte die Beteiligung nach und nach weiter. Damit war klar, dass das Familienunternehmen sich mittel- bis langfristig auch von den übrigen Anteilen trennen würde. Auch GlobalWafers ist aus einer Abspaltung hervorgegangen. Sino-American Silicon Products brachte die Tochtergesellschaft im Jahr 2015 an die Börse in Taipeh, ist aber mit 51 Prozent immer noch Mehrheitseigentümer.

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