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Netztest : Bahn und Handy – noch immer zwei Welten für sich

Na, kein Netz? Bild: Picture-Alliance

Seit 25 Jahren gibt es in Deutschland das Mobilnetz für jedermann. Die drei großen Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica liefern sich einen erbitterten Kampf um die Spitze. Wer kann im Test überzeugen?

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          Braucht es gut 25 Jahre nach der Einführung des Mobilfunks für jedermann in Deutschland noch Netztests? Unterscheiden sich die Netze der großen Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica überhaupt noch? Ja, glaubt man der Fachzeitschrift „Connect“, die in diesem Jahr zum 24. Mal zusammen mit dem Spezialisten P3 Communications die Qualität der Mobilfunknetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht hat. Eine echte Überraschung blieb aus. Zum siebten Mal nacheinander ging die Deutsche Telekom als Testsieger hervor. In Österreich kam kein Konkurrent am Anbieter A1 vorbei, in der Schweiz teilten sich Swisscom und Sunrise Platz eins.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Vergleich zum Vorjahr hat die Telekom ihr Ergebnis abermals gesteigert. Mit 901 von 1000 möglichen Punkten erreichten die Bonner die Note „sehr gut“. Damit wurden sie zum siebten Mal in Folge Testsieger. „Den Gesamtsieg hat die Telekom insbesondere der Datendisziplin zu verdanken, auch wenn Vodafone in dieser Kategorie sehr gute Leistungen liefert“, hieß es. Der Abstand zum Konkurrenten aus Düsseldorf ist gering. Vodafone rückt den Angaben zufolge bis auf 25 Punkte an die Telekom heran und belegt mit 876 Punkten den zweiten Platz. In der Bahn habe Vodafone sogar „leicht die Nase vorn“ und verdiene so ebenfalls die Gesamtnote „sehr gut“. Abgeschlagen ist dagegen der Münchener Anbieter Telefónica mit seiner Marke O2: Die erreicht nur 553 Punkte – weniger als im Vorjahr – und belegt damit den dritten Platz. Zur Begründung verweisen die Tester auf den noch laufenden Netzzusammenschluss mit E-Plus. Der E-Netz-Anbieter muss sich so abermals mit der Gesamtnote „ausreichend“ zufriedengeben.

          Datenverbindungen spielen große Rolle

          Im Netztest spielen inzwischen Datenverbindungen eine größere Rolle als Sprachverbindungen. Sie fließen mit 60 Prozent in die Gesamtbewertung ein, reine Telefonate mit 40 Prozent. Die Untersuchung basiert auf umfangreichen Prüfungen, die zu Fuß, im Auto und in der Bahn absolviert wurden. In Deutschland fanden sogenannte Drivetests in 19 Großstädten und 28 Kleinstädten statt, sogenannte Walktests in zehn Städten. Man passe die Testmethoden und Bewertungsschlüssel an die fortschreitende technische Entwicklung an und erhöhe regelmäßig Schwellwerte und Anforderungen, wird versichert. „Wenn es dann ohnehin sehr guten Kandidaten gelingt, sich noch weiter zu steigern, freut uns das umso mehr“, sagt Testleiter Bernd Theiss.

          Nach Beobachtungen der Tester haben die beiden starken Kandidaten Telekom und Vodafone „ganz offensichtlich um Optimierungen ihrer Netze gekämpft“. Vodafone habe insbesondere im Sprachbereich um Haaresbreite zum Konkurrenten aufgeschlossen. Den Ausschlag für die Telekom hätten aber deren „noch stärkere Leistungen in der Datendisziplin“ gegeben. Das Telefónica-Netz dagegen ächze noch mehr als im Vorjahr unter dem laufenden Zusammenschluss der ehemals separaten Funkzellen von E-Plus und O2.

          Auch in den Zügen gebe es allen Ausbauanstrengungen der Deutschen Bahn zum Trotz noch erheblichen Verbesserungsbedarf, konstatieren die Netzexperten. Mehr als 30 Stunden lang fuhren sie in ICE- und IC-Zügen. Geprüft wurde dabei nicht das W-Lan-Angebot, sondern nur die Mobilfunkverbindungen; auch hier hatte die DB dank aufwendiger Repeatertechnik Besserung versprochen. Die gab es jedoch nur eingeschränkt. Der Blick über die Grenzen nach Österreich und vor allem in die Schweiz könne deutsche Bahnkunden „nur neidisch“ machen, konstatieren die Tester.

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