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Deutsche Industrie unter Druck : Größer. Lauter. Digitaler.

  • -Aktualisiert am

Tesla ist im Kern ein Softwareunternehmen. Bild: Reuters

Ein Betriebssystem zu erdenken, unterscheidet sich fundamental von der Entwicklung eines neuen Motors. Deutschland muss das endlich begreifen. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          5000 neue IT-Stellen zum Ersten, 11.000 zum Zweiten und 17.000 zum Dritten. Bisweilen reibt man sich verwundert die Augen. Die neuen Softwarehäuser der deutschen Industrie kleckern nicht, sie klotzen. Schließlich geht es um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.

          Verstehen Sie mich nicht falsch, die Strategie, eine sehr hardwareorientierte deutsche Industrie zu digitalisieren, ist absolut folgerichtig und selbstredend längst überfällig. Und sollte dies gelingen, wäre das auch ein großer Erfolg.

          Doch schiere Größe bedeutet keinen Erfolg, denn: „Software sells Hardware“ – das hat der Wettbewerb aus dem Ausland längst verstanden.

          Tesla hat das verstanden

          So ist es auch nicht überraschend, dass der aktuell heißeste Konkurrent für die deutsche Automobilindustrie, Tesla, im Kern ein Software-Unternehmen ist. Tesla hat früh verinnerlicht, dass die Geschäftsmodelle der Zukunft nicht mehr „nur“ der Verkauf des Automobils mit anschließender Wartung und ein paar Fußmatten sind.

          Vielmehr sind es die unendlich vielen digitalen Lösungen, die den Profit einbringen. Sich als Kunde mal eben, völlig unkompliziert, ein paar PS mehr dazu zu buchen, ist heute schon nur eine von vielen Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

          Dabei war den Automobil-Managern schon sehr früh klar, dass sie um das für viele leidliche Thema Digitalisierung nicht mehr herumkommen werden. Dass in Zukunft Daten die Währung sein sollten, welche die Gewinne in die Konzernkassen spült, hat man zwar interessiert bei Google und Co. zur Kenntnis genommen.

          Lange zu bequem

          Dass dies jedoch auch die deutsche Industrie mit ihren Ikonen der Wirtschaft tangieren wird, konnte bislang jedem erfolgsverwöhnten Industriemanager nur ein müdes Stirnrunzeln entlocken. Man machte es sich stattdessen noch einmal bequem, beließ es bei einigen überschaubaren Initiativen – und ließ die richtigen Ingenieuren ihren Job machen. Das lief lange hervorragend, ein Rekord jagte den nächsten, die Kassen war prall gefüllt, und diese paar Digital-Exoten durften ein bisschen rumspielen.

          Natürlich standen auch regelmäßige, obligatorische Reisen ins Silicon Valley für das Top-Management auf der Agenda. Man schaute, hörte zu, nickte wissend, flog wieder nach Hause – und hatte sogar noch einige Anekdoten für die Townhalls sowie Bereichsversammlungen im Gepäck.

          Dabei haben laut einer Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Jahr 2018 schon 28 Prozent der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland die Digitalisierung strategisch in ihre Planung eingebunden. Rund 39 Prozent nutzen laut Selbstauskunft sogar das Internet der Dinge (IoT). Das ist ein sehr guter Anfang, jedoch nicht mehr.

          Verschiedene Kulturen

          Hier ein Büro in Berlin, dort eins in Lissabon und Tel Aviv soll ja auch sehr digital sein. Mit überdurchschnittlichen Gehältern, einem kostenlosen Obstkorb und ein paar Tischtennisplatten wurden junge Software-Entwickler angelockt. Viele deutsche Unternehmen, ob Großkonzern oder Mittelstand, sprangen auf den Zug aus Nullen und Einsen auf. Doch schnell wurde klar, dass es in der operativen Zusammenarbeit heftig knirschte.

          Das lag an der Tatsache, dass die meisten dieser neuen, digitalen Einheiten reflexartig an den jeweiligen Forschungs- und Entwicklungsbereich der Unternehmen angedockt wurden. Diese bestehen nun einmal, bis heute, in den Schlüsselpositionen im Kern aus Fahrzeugentwicklern, Maschinenbauern und Elektroingenieuren.

          Ein Betriebssystem zu entwickeln erfordert allerdings eine komplett andere Arbeits- und Denkweisen und unterscheidet sich beispielsweise fundamental von der Entwicklung eines neuen Motors. Man sprach einfach eine andere Sprache und schnell wurde den jungen IT-Experten klar, wer im Entwicklungsprozess das letzte Wort hatte.

          Die Frustration stieg stetig. Da half irgendwann auch das gute Gehalt und der Obstkorb nicht mehr.

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