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Amerika weit vorne : Deutsche Biotechs dümpeln dahin

Ein Labor des Biotechunternehmens Biontech Bild: Georg Banek

Umsatz und Mitarbeiterzahl der deutschen Biotechnologiebranche wachsen, doch bei der Kapitalbeschaffung hakt es. Das liegt oft auch an den Gründern.

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          Die deutsche Biotechnologiebranche kommt voran, der große Sprung bleibt allerdings weiterhin aus. „Die Umsätze und Mitarbeiterzahlen wachsen weiter. Auch bei der Finanzierung scheint alles in Ordnung zu sein – immerhin konnten die deutschen Biotechs so viel Kapital anziehen wie noch nie“, resümiert Siegfried Bialojan, Leiter des Life Science Center der Unternehmensberatung EY, im Biotech-Report 2019, der gemeinsam mit dem hiesigen Branchenverband Bio Deutschland erstellt wird. So stieg der Umsatz der Branche um 9 Prozent auf 4,36 Milliarden Euro, auch die Zahl der Mitarbeiter zog um 5 Prozent auf knapp 27.500 an. Zudem stieg die Zahl der Finanzierungen, eine wichtige Kennziffer in der forschungsintensiven Branche, auf insgesamt 1,24 Milliarden Euro an.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Allerdings dürften die positiven Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die Finanzierung in der Breite auf wackligen Füßen steht“, mahnt der Berater. Denn einige wenige deutsche Unternehmen haben die Statistik positiv verzerrt. So sicherten sich Biontech, Morphosys und Qiagen über verschiedene Maßnahmen jeweils frisches Kapital über mehrere hundert Millionen Euro. Beispielsweise habe es im vergangenen Jahr hierzulande keinen einzigen Börsengang gegeben, bemängeln die Autoren. Zudem sei die Zahl der Neugründungen abermals auf nur noch 15 nach 27 im Vorjahr zurückgegangen. Insbesondere die Erforschung neuer Therapeutika werde weniger – ein Zeichen dafür, dass deutsche Biotechs schwer an Kapital kommen, heißt es.

          Und das liegt oft auch an den Gründern selbst. „In Amerika fordern Investoren ein Team von Experten“, sagt Peter Heinrich, Mitautor und Vorstandschef des Branchenverbands Bio Deutschland. Dieses Verständnis, Aufgaben und Verantwortungen bestmöglich zu verteilen und abzugeben, gebe es unter deutschen Gründern oft nicht. „Wir brauchen in Deutschland wieder eine Kultur des Mutes und der Risikobereitschaft und auch einen besser funktionierenden Technologietransfer, um diese Entwicklung umzukehren“, sagt Heinrich.

          Vor allem mit Blick auf Amerika, das Vorreiterland für Biotechunternehmen, zeigen sich die deutlichen Unterschiede: Allein an Risikokapital flossen dort im vergangenen Jahr mehr als 17 Milliarden Dollar – in Deutschland waren es gerade einmal 385 Millionen Euro. Über Börsengänge nahmen die Unternehmen rund 6 Milliarden Dollar ein, weitere mehr als 22 Milliarden Euro über Kapitalerhöhungen. Insgesamt stiegen die Investitionen in die amerikanische Biotechbranche um rund ein Drittel auf gut 46 Milliarden Dollar an.

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