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Deezer-Chef im Gespräch : „Der Streaming-Markt ist noch längst nicht gesättigt“

Deezer-Chef Hans-Holger Albrecht ist der Bruder von Ursula von der Leyen. Bild: deezer

Hans-Holger Albrecht sieht Deezer im Schatten von Spotify gut aufgestellt. Die Umstellung auf eine nutzerzentrierte Abrechnung hakt aber weiter. Für ihn liegt das nicht zuletzt an der „Schwerfälligkeit der Musikindustrie“.

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          Hans-Holger Albrecht ist die Vergleiche gewohnt: Während Spotify als globaler Marktführer im Musik-Streaming weiter rasant wächst und mittlerweile 299 Millionen aktive Nutzer vermeldet, kommt Deezer auf 16 Millionen. Der Markt sei nun mal seit Jahren sehr wettbewerbsintensiv, aber Deezer habe seinen Platz darin gefunden: „Wir konzentrieren uns auf einige Kernmärkte und sind vom Produkt her eine attraktive Alternative zu Spotify, Amazon oder Apple“, sagt der 57 Jahre alte Deutsche, der seit 2015 den französischen Dienst führt. Neben Frankreich ist Deezer etwa in Lateinamerika und durch den saudischen Investor Kingdom Holding auch im arabischen Raum gut aufgestellt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Überproportional stark sei Deezer mit Blick auf die ältere Hörerschaft im Alter von 25 bis 49 Jahren. Jüngere hörten eher internationale Stars, weshalb sich Spotify mehr auf diese konzentriere. Bei Deezer liege der Fokus dagegen eher auf lokalen Künstlern, berichtet Albrecht. Zudem verweist der Manager stets auf die oft genutzte Funktion „Flow-Modus“, die Nutzern nach ihren Vorlieben Musik vorschlägt.

          Im Zuge einer Kooperation mit dem mexikanischen Medienkonglomerat Grupo Salinas und einem damit verbundenen 40 Millionen Dollar schweren Investitionsvertrag wird Deezer derzeit mit 1,3 Milliarden Dollar bewertet. Über den Umsatz und die Anteile der Abonnenten an den monatlichen Nutzern schweigt sich das Unternehmen aber seit einiger Zeit aus.

          Deezer setzt auf Hörbuch-App

          Im Herbst 2018 war für das Jahr zuvor noch von einem Umsatz von 300 Millionen Euro die Rede. Heute sagt Albrecht lediglich: „Wir wachsen mit Blick auf die Umsätze durch die Abonnenten mit 22 Prozent.“ Der weitaus größte Teil des Umsatzes dürfte wie bei Spotify aus den Abo-Einnahmen stammen. Das werbefinanzierte Gratisangebot mit eingeschränkten Funktionen und geringerer Sound-Qualität, was nur die Schweden und Deezer anbieten, ist dahingehend eher unbedeutend.

          Ziel ist es vielmehr, Nutzer an sich zu binden, die im Idealfall später zu zahlenden Abonnenten werden. Das Premium-Angebot kostet auch bei Deezer 9,99 Euro im Monat. Darüber hinaus gibt es für 14,99 Euro ein Abo mit noch mal verbessertem Ton. Ein solches bieten zudem Amazon und der kleinere Dienst Tidal an. Gerade in Hinblick auf den größtenteils gleichen Katalog an Musikwerken steckt in der Ausdifferenzierung des eigenen Angebots Potential. Spotify etwa setzt seit einiger Zeit stark auf exklusive Podcasts.

          Konkurrent Amazon verkündete am Donnerstag ebenfalls eine Podcast-Offensive und hat kürzlich die konzerneigene Live-Video-Streaming-Plattform Twitch mit der Musik-App verbunden. Deezer hat Anfang vergangener Woche zunächst nur hierzulande eine gesonderte Hörbuch-App gelauncht. „Gerade in Deutschland sind Hörbücher sehr beliebt, und mit der zusätzlichen App bieten wir etwa eine Bookmark-Funktion und eine verbesserte Suche“, begründet Albrecht den Schritt.

          Neue Konkurrenz durch Bytedance

          Aktuell schaut auch er auf den Streit zwischen Apple und Fortnite-Entwickler Epic Games. „Es kann nicht sein, dass wenige große Plattformen kontrollieren, wer etwas anbieten kann und zu welchen Konditionen“, sagt der Deezer-Chef. Die Bezahlung sei ja nur eine Sache: „Jedes Update muss genehmigt werden, und keiner von uns weiß, welcher Prozess dahintersteht.“ Im Fall der Musikdienste ist die Gemengelage besonders pikant, da Apple hier durch sein eigenes Angebot ebenfalls mitmischt und mit zuletzt im Juni 2019 vermeldeten 60 Millionen Abonnenten gegen Amazon um Platz zwei kämpft. Spotify hatte Ende Juli dieses Jahres 138 Millionen zahlende Nutzer.

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