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Deepfakes : Facebook geht gegen manipulierte Videos vor

Facebook-Chef Mark Zuckerberg Bild: AP

Mark Zuckerberg ändert seinen Kurs und auch Twitter arbeitet an neuen Maßnahmen. Tiktok dagegen muss sich gegen Vorwürfe wehren.

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          Das soziale Netzwerk Facebook will seine Bemühungen verstärken, fingierte Videos von seiner Plattform zu verbannen. Insbesondere sollen auch sogenannte Deepfakes erkannt und entfernt werden. Dabei handelt es sich um Videos, die durch elaborierte Techniken Dinge vortäuschen, die nie stattgefunden haben. Dafür kommt auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Prominentes Beispiel eines solchen Videos ist eine Aufnahme der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, das im vergangenen Jahr in den amerikanischen sozialen Medien die Runde machte. In ihr scheint die Politikerin zu stottern und nicht ganz bei Sinnen zu sein. Facebook weigerte sich damals, das Video zu entfernen. Im Zuge des sich intensivierenden amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs hat das Netzwerk nun offenbar beschlossen, seine Richtlinien zu überdenken.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu den neuen Regeln, die Facebook auf seinem Firmenblog veröffentlichte, gehört, dass künftig Videos entfernt werden sollen, die zwei Kriterien erfüllen: Einerseits wurden sie auf eine Art und Weise bearbeitet, dass sie Durchschnittsnutzer glauben lassen, eine Person hätte Dinge gesagt, die sie eigentlich nicht gesagt hat. Andererseits wurden sie per Künstlicher Intelligenz bearbeitet, um sie authentisch erscheinen zu lassen. Ein Facebook-Sprecher konnte auf Anfrage keine genauen Angaben dazu machen, wie die Erkennung solcher Videos technisch ablaufen soll. Doch offenbar ist es gerade der Einsatz Künstlicher Intelligenz, der als Erkennungsmerkmal dienen soll.

          Deepfakes markieren?

          Facebook arbeitet zudem mit einer Reihe von journalistischen Faktenprüfern in mehreren Ländern zusammen. In Deutschland nehmen etwa das Journalistenbüro „Correctiv“ und die Deutsche Presse-Agentur daran teil. Markieren die Prüfer einen Beitrag als falsch, wird Facebook zufolge seine Reichweite reduziert. Handelt es sich bei dem Beitrag um eine Anzeige, lehne der Konzern sie ab. Das ist insofern interessant, als Facebook-Chef Mark Zuckerberg erst kürzlich prominent verkündet hatte, es sei nicht die Aufgabe eines Technologiekonzerns, Anzeigen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

          Auch der Facebook-Konkurrent Twitter arbeitet zurzeit an neuen Maßnahmen zur Bekämpfung manipulierter Inhalte, darunter auch Deepfakes. Dabei sollen neue Regelungen gefunden werden für „alle Fotos, Tonaufnahmen und Videos, die deutlich verändert oder hergestellt wurden, um Leute in die Irre zu führen“, wie die für Sicherheit zuständige Twitter-Vizepräsidentin Del Harvey in einem Blogpost schreibt. Von Mitte November an konnten die Nutzer der Plattform zwei Wochen lang mitteilen, welche Maßnahmen sie sich wünschen. Twitter schlug vor, dass man Deepfakes markieren könne, die Nutzer warnen, wenn sie manipulierte Inhalte verbreiten, oder sie darüber informieren, warum die Inhalte als manipuliert angesehen werden. Wirklich groß war die Resonanz auf den Aufruf jedoch nicht. Insgesamt kamen laut Twitter nur etwa 6500 Reaktionen von Nutzern zusammen. Twitter will seine Maßnahmen nun „in den kommenden Monaten“ ausarbeiten. Wann es so weit sein wird, wollte eine Sprecherin nicht mitteilen.

          „Tiktok hat dieses Feature nie angeboten“

          In Fachmagazinen sorgte Anfang Januar eine Meldung für Aufsehen, wonach die vor allem unter Jugendlichen beliebte App Tiktok, die zum chinesischen Bytedance-Konzern gehört, einen gänzlich anderen Ansatz zu Deepfakes verfolgt. Statt gegen sie vorzugehen, baue die Plattform an einer Funktion, die es Nutzern erlaube, das eigene Gesicht mit wenigen Klicks selbst in andere Videos einzubauen, Deepfakes zum Selbermachen also – eine Funktion, die es in abgemildeter Version schon länger auf Snapchat gibt. Der Konzern dementiert die Berichte nun aber gegenüber der F.A.Z.: „Tiktok hat dieses Feature nie angeboten und hat auch nicht vor, es jemals in die App einzuführen.“

          Die Teile des Programmiercodes, die die Spekulationen verursacht hätten, seien inzwischen eliminiert worden, „um jeglicher Verwirrung vorzubeugen“. Zudem sei es auf der Plattform verboten, Nutzer vorsätzlich in die Irre zu führen. Das Unternehmen überarbeitet zudem gerade seine Guidelines, die zur Moderation der Plattform genutzt werden. Diese werden am Mittwochvormittag veröffentlicht. Inwieweit Douyin, die chinesische Version von Tiktok, jedoch weiter an Deepfake-Funktionen arbeitet, ließ eine Tiktok-Sprecherin gegenüber der F.A.Z. offen. Douyin hat in China 400 Millionen täglich aktive Nutzer und ist damit eine der größten Plattformen des Landes.

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