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Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der Datev. Bild: DATEV

Datev-Chef Robert Mayr : „Steuerberater stehen vor einem neuen goldenen Zeitalter“

Die Branchengenossenschaft will sich mit einem Internetportal künftig allen Steuerbürgern öffnen. Das gefällt nicht allen Mitgliedern. Doch der Vorstand betrachtet diese Strategie als alternativlos.

          10 Min.

          Herr Mayr, in Deutschland arbeiten mehr als 100.000 Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Bedroht die Digitalisierung auch diese beiden Berufsstände, die sich bislang sicher wähnten?

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die digitale Transformation ist sicherlich ein Game-Changer. Insbesondere manuelle Tätigkeiten, repetitive Tätigkeiten, Deklarationstätigkeiten werden durch Automatisierung und durch Maschinen übernommen werden können. Ich sehe die Digitalisierung allerdings nicht als Bedrohung, sondern als Chance und Herausforderung für den Berufsstand. Es wird ein Wandel stattfinden vom Deklarator hin zum Berater.

          Also weg von demjenigen, der lediglich eine Steuerklärung technisch abarbeitet. Können Sie Beispiele nennen: Wie sah die Arbeit in der Vergangenheit aus, und wie wird sie in Zukunft aussehen?

          An einem Beispiel wird es sehr deutlich: in der laufenden Finanzbuchhaltung. In der Vergangenheit haben wir hier sehr repetitiv manuell gearbeitet. Mitarbeiter haben einen laufenden Geschäftsvorfall in einen Buchungssatz umgewandelt – das klassische Soll-Haben-Geschäft. So arbeitet der Berufsstand derzeit. Künftig wird mehr und mehr automatisiert abgewickelt werden können. Unsere Lösung an dieser Stelle heißt Fibu-Automatisierung. Für einen Großteil der Geschäftsvorfälle wird dann im Kanzleialltag nicht das Buchen, sondern das Überwachen im Vordergrund stehen.

          Heißt das: Automatisierung bedroht Arbeitsplätze?

          Nein, das würde ich so nicht sagen. Natürlich sagen viele, dass die digitale Transformation zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen führt. Ich sehe im Gegenteil den steuerberatenden Berufsstand vor einem neuen goldenen Zeitalter. Natürlich werden verschiedene Tätigkeiten nicht mehr von Mitarbeitern manuell durchgeführt. Ich sehe aber zwei Alleinstellungsmerkmale für den Steuerberater und ihn dort hervorragend positioniert.

          Die wären?

          Punkt Nummer eins: Der Steuerberater hat eine sehr enge Mandatsbeziehung, und er wird diese Mandatsbeziehung weiter ausbauen können in Richtung betriebswirtschaftliche Beratung. Dazu dienen die Daten, über die der Berufsstand verfügt. Über sie kann er detaillierte Analysen den Mandanten zur Verfügung stellen. Und das zweite Thema ist: Ich sehe den Steuerberater als den Outsourcing-Partner des Mittelstandes. Warum? Zusammen mit unseren Mitgliedern werden wir medienbruchfreie Prozesse umsetzen. Von der Entstehung des Geschäftsvorfalls bis zur Bearbeitung werden keine analogen Medien mehr eingeschaltet. Dann wird der Steuerberater die Themen übernehmen können, die heute noch den Unternehmen sehr viel Arbeit bereiten – einen Großteil der kaufmännischen Aufgaben.

          Braucht man künftig vielleicht sogar mehr Steuerberater als heute?

          Ich würde diese Frage vorsichtig mit ja beantworten. Der Berufsstand hat eine solide Grundlage. Was aber viel wichtiger ist: der Wandel vom Deklarator zum Berater. Die Steuerberater müssen sich darauf einstellen, dass ihre Mitarbeiter entsprechend weitergebildet werden. Bislang erledigen sie sehr viele manuelle Tätigkeiten. Künftig müssen auch diese bei der betriebswirtschaftlichen Fachkompetenz stärker mitgehen können.

          Im Berufsbild wird sich also viel ändern – das heißt: Ohne Weiterbildung geht’s nicht mehr?

          Diese Aussage würde ich sofort unterschreiben.

          Was will die Datev in dieser Lage für ihre Mitglieder tun?

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