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Datenschutz-Panne : Amazon schickt 1700 Alexa-Sprachdateien an fremde Person

Die Unternehmen erfahren tatsächlich reichlich über ihre Nutzer. In den Nutzungsbedingungen für den Echo heißt es: „Wenn Sie einen Dienst Dritter verwenden, tauschen wir unter Umständen entsprechende Informationen mit diesem Dienst aus, z. B. Ihre Postleitzahl, wenn Sie nach dem Wetter fragen, Ihre üblichen Musiksender oder den Inhalt Ihrer Anfragen.“ Deutlich wird das, wenn man etwa in der zu Alexa gehörenden App nachschaut, was sich an Befehlen ansammelt. Dort werden Gespräche gespeichert, an die sich Fragenstellende wohl kaum noch erinnern. Amazon weiß, welche Musik die Kunden zum Einschlafen am liebsten hören, warum sie die Wettervorhersage für bestimmte Städte interessiert oder welche Börsenwerte sie häufig abfragen.

Was mit den Daten geschieht, weiß man nicht genau. Die Konzerne geben an, sie für das Training der Assistenten zu nutzen. Deshalb werden sie dort auch gespeichert. Diese Praxis will Amazon auch nicht verändern, den Kunden stehe es schließlich frei, ihre gespeicherten Daten jederzeit zu löschen. Vielen Deutschen ist die Technologie auch nicht geheuer. Nach einer Studie im Auftrag der Hamburger Wirtschaftsinitiative Nextmedia fühlen sich 77 Prozent unsicher in Bezug auf den Datenschutz.

Umsätze mit Alexa und Co. nehmen zu

Gleichzeitig nimmt die Verbreitung zu: Rund um die Welt wurden im vergangenen Jahr 24,5 Millionen Lautsprecher mit integriertem Sprachassistenten verkauft und damit 1,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge hat mehr als jeder zweite Befragte Sprachassistenten auf seinem Smartphone genutzt, jeder Fünfte hat digitale Sprachassistenten zu Hause.
Die von der Bundesrepublik im Jahr 2013 gegründete Stiftung Datenschutz teilte am Donnerstag auf Twitter mit, dass sie nicht technikfeindlich wirken wolle. „Doch wir sagen ganz entschieden: Wer – anscheinend nicht ausgereifte – Systeme wie Alexa & Co. in sein engstes Lebensumfeld lässt, der gefährdet seine Privatsphäre.“ Auch Deutschlands oberste Datenschützerin Andrea Voßhoff sieht solche Sprachassistenten, „die mit einem Mikrofon permanent ihre Umgebung belauschen“, schon seit längerer Zeit kritisch.

Kommt noch juristischer Ärger?

Neben dem Imageschaden könnte auf Amazon auch wegen der DSGVO noch Ärger zukommen. Zwar teilt der Online-Händler mit: „Wir standen auch vorsorglich in Kontakt mit den zuständigen Behörden.“ Doch gibt es noch keine genaue Information darüber, ob der Online-Händler wie vorgeschrieben innerhalb von 72 Stunden die Datenschutz-Verletzung gemeldet hat. Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht teilt auf Anfrage mit, dass es ihm nicht gemeldet wurde. „Da die luxemburgische Aufsichtsbehörde federführend ist, müssen Datenschutzverletzungen bei Amazon nur dieser Behörde gemeldet werden“, heißt es aus München.

Eine Sprecherin in Luxemburg zeigte sich von der Anfrage überrascht, die Antworten auf die Fragen, ob Amazon sich dort gemeldet hat und welche weiteren Schritte die Datenschützer nun unternehmen wollten, standen zuletzt noch aus. Die zuständigen Juristen müssten sich zunächst mit dem Fall befassen und seien erst in der kommenden Woche wieder zu erreichen.

Der betroffene Kunde, dessen Daten abhanden gekommen waren, hat laut „C‘t“-Bericht als Entschädigung von Amazon unterdessen eine kostenlose Mitgliedschaft für den Zusatzdienst Prime bekommen – sowie zwei weitere Echo-Lautsprecher.

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