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In China : Das plant Daimler mit seinem neuen Großaktionär

Automesse in China: Das Land ist auch für Daimler mittlerweile der wichtigste Markt der Welt. Bild: Daimler AG

Der chinesische Unternehmer Li Shufu ist der größte Anteilseigner des deutschen Autoherstellers Daimler. Lange rätselten Fachleute, was daraus wird – bis jetzt.

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          Seit der chinesische Unternehmer Li Shufu im Februar mit einem 10-Prozent-Aktienpaket zum Großaktionär von Daimler aufstieg, rätselt die Welt, was daraus werden könnte. Jetzt spricht einiges dafür, dass Daimler seine Erfahrung mit Fahrdiensten in China in eine Kooperation mit Geely, dem chinesischen Autohersteller im Besitz von Li Shufu, einbringen könnte.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Weder Daimler noch Geely wollen das kommentieren, aber der Finanzdienst Bloomberg berichtet schon über Details des Plans, über den derzeit verhandelt werde. Demnach soll ein Gemeinschaftsunternehmen (mit Daimler und Geely als gleichberechtigte Partner) gegründet werden, das Didi Chuxing übernehmen könne, den chinesischen Marktführer im Mitfahr-Geschäft, der in erheblichen Turbulenzen steckt. Für den Service könnten  Elektroautos der Marke „Denza“ eingesetzt werden, die Daimler vor einigen Jahren speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat, heißt es weiter.

          460.000 Kunden

          Vor allem aber dürfte für Geely auch die umfangreiche Erfahrung relevant sein, die Daimler mit verschiedenen Arten von Fahrservice-Angeboten gesammelt hat. Mit Car2Go war der Stuttgarter Autohersteller vor mehr als einem Jahrzehnt Pionier für Carsharing.

          Auch in China wird die flexible Automiete seit einiger Zeit erprobt, dort besonders auch in der Variante „Car2Share“, das sich auf eine bestimmte Zahl von Autofahrern beschränkt, zum Beispiel die Belegschaft eines bestimmten Unternehmens. Daimler hat nach eigenen Angaben in zwölf chinesischen Städten 460.000 Sharing-Kunden, die schon mehr als 15 Millionen Kilometer mit den Autos gefahren sind.

          Auch wenn Daimler die Verhandlungen mit Geely nicht kommentieren will, sondern lediglich von „konstruktiven Gesprächen“ berichtet, ist es doch Fakt, dass in Arbeitsgruppen intensiv alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen des chinesischen Großaktionärs Li Shufu ausgelotet werden. Diese Möglichkeiten betreffen nicht das klassische Kerngeschäft, sondern gerade die neuen Mobilitätsangebote, die als besonders zukunftsträchtig gelten. Das gewohnt hohe Wachstum des chinesischen Automarktes, der in den vergangenen Jahren gerade auch VW, BMW und Daimler starke Umsätze und vor allem gute Margen beschert hat, könnte zu Ende gehen – auch weil die Verbraucher zum Car-Sharing übergehen, lautet etwa die Ansicht der Analysten der Schanghaier Beratungsfirma Automobility Ltd.

          Daimler treibt das Thema neue Mobilität auf den verschiedensten Ebenen voran. In Schwarm-Organisationen wird das Thema unabhängig von der klassischen Spartenstruktur bearbeitet, für viele verschiedene Angebote gibt es Kooperationen mit spezialisierten Jung-Unternehmen, und immer hält man Ausschau nach neuen Inspirationen.

          So ist Daimler beispielsweise Sponsor des „New new Festival“, das derzeit in Stuttgart innovationshungrige junge Menschen zusammen führt. Dort zeigt der Konzern eine noch ziemlich unbekannte Variante des Ride-Sharing: mit einem Van, der mehrere Personen zu einem ähnlichen Fahrziel bringen kann, was den Preis entsprechend senkt. In Berlin bietet Daimler das Konzept unter dem Namen „Berl-König“ zusammen mit der Berliner Verkehrsgesellschaft an. Von China als neuem Markt für solche Angebote war noch nicht die Rede bei der Präsentation in Stuttgart.

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