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Immer mehr Cyberangriffe : Wer nicht hören will, muss fühlen

Firmen sehen steigende Gefahr durch Cyberattacken Bild: dpa

Hackerangriffe verursachen immer höhere Schäden. Das ist dramatisch, aber neu ist es nicht. Die Verantwortlichen haben das Problem auch längst erkannt – häufig sind nur die eigenen Mitarbeiter das Problem.

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          Es ist nicht neu, dass sich die digitale Sicherheitslage immer weiter verschärft. Dabei geht es nicht einmal vordergründig um Angriffe feindlich gesinnter Staaten, sondern um gewöhnliche Kriminelle. Für diese sind Angriffe über die Internetleitung nicht nur äußerst lukrativ, sie bergen auch kaum Risiko, entdeckt und verhaftet zu werden – denn meist sitzen Hacker in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion oder an ähnlich schwer zugänglichen Orten. Dass sie dorthin in international konzertierten Aktionen zurückverfolgt werden, wie es vor einiger Zeit den Urhebern der Emotet-Schadsoftware geschah, ist selten.

          Folglich professionalisiert sich die Hackerszene. Es gibt inzwischen einen Markt für dubiose Dienstleistungen aller Art im Internet. Von Verschlüsselungssoftware (Ransomware) über Trojaner bis hin zu Überlastungsangriffe (DDoS) kann man alles kaufen – arbeitsteilig und bestens organisiert. Weil das Problem nicht neu ist, haben die Verantwortlichen sowohl in Unternehmen als auch beim Staat es auch längst erkannt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt seit Jahren vor den Gefahren.

          Trotzdem steigt die Zahl der erfolgreichen Hackerangriffe aber weiterhin. Im vergangenen Februar wurden so viele verschiedene Schadsoftwares programmiert wie nie zuvor. Nach dem Digitalverband Bitkom haben sich die Schäden durch Hacker in Deutschland seit 2019 mehr als verdreifacht. Die Schutzmaßnahmen hierzulande reichen also offensichtlich nicht aus.

          So sieht eine Cyberattacke aus: Hinweis auf den Ausfall eines kommunalen IT-Dienstleisters in Schwerin am vergangenen Dienstag.
          So sieht eine Cyberattacke aus: Hinweis auf den Ausfall eines kommunalen IT-Dienstleisters in Schwerin am vergangenen Dienstag. : Bild: dpa

          Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die lautstärksten Gegner neuer Sicherheitsmaßnahmen häufig die eigenen Mitarbeiter sind. Vielerorts wird nicht eingesehen, dass man im Dienste der Sicherheit das eigene Verhalten ändern muss – und nicht überall mehr das gleiche Passwort nutzen darf, um ein plakatives Beispiel zu nennen. Es gibt IT-Verantwortliche, die fast froh über Angriffe sind – denn wenn die Sache einmal schiefgegangen ist, wächst das Verständnis für Sicherheitsmaßnahmen.

          Leider entstehen dabei häufig auch Millionenschäden. Deshalb sollte es dabei nicht bleiben. Wir alle sollten den Fachleuten Glauben schenken, bevor etwas passiert. Andernfalls dauert es nicht mehr lange, bis Hackerangriffe auch die deutsche Konjunktur beeinträchtigen.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

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