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Tracing-Apps : Apple und Google verbünden sich für Corona-Projekt

Eine Frau in Berlin blickt auf dem Alexanderplatz auf ihr Smartphone. Bild: dpa

Die beiden rivalisierenden Technologiegiganten werden inmitten der Pandemie zu Partnern. Und versprechen eine Lösung, in der Datenschutz oberste Priorität haben soll.

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          Apple und Google sind eigentlich erbitterte Rivalen. Aber inmitten der Corona-Pandemie haben die beiden amerikanischen Technologiegiganten jetzt eine ungewöhnliche Partnerschaft geschlossen. Am Karfreitag kündigten sie an, gemeinsam eine Software entwickeln zu wollen, die dabei helfen soll, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Diese Technologie soll Smartphone-Nutzer informieren, wenn sie mit infizierten Personen in Kontakt waren. Im Kern entspricht das Konzept einigen Anti-Corona-Apps für Smartphones, an denen im Moment schon gearbeitet wird, zum Beispiel dem europäischen Projekt Pepp-PT. Der Ansatz von Apple und Google unterscheidet sich aber insofern, weil die beiden Konzerne die Software direkt in ihre Smartphone-Betriebssysteme einbauen wollen. Und das würde auf einen Schlag einen gewaltigen potentiellen Anwenderkreis erschließen, denn fast alle Smartphones auf der Welt laufen entweder mit dem Apple-Betriebssystem iOS oder mit der Google-Software Android. Und die Technologie ist so konzipiert, dass iPhones von Apple mit Android-Handys kommunizieren können.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Mit Blick darauf, dass ein Warnsystem vor Kontakt mit Corona-Infizierten hochsensible Gesundheitsdaten benötigt und damit eine Fülle von Datenschutzbedenken aufwirft, hoben die beiden Unternehmen hervor, dass Datenschutz und Sicherheit „zentral“ für ihre Plattform sein werden. Das Konzept basiert auf Freiwilligkeit, es ist darauf angewiesen, dass Nutzer die Technologie per „Opt-in“ einschalten und von sich aus melden, wenn sie positiv auf das Virus getestet sind. Es ist anonym und erfasst keine Standortdaten. Statt des exakten Standortes wird über sogenanntes „Proximity Tracing“ oder „Contact Tracing“ registriert, in wessen Nähe sich Nutzer aufhalten. „Privatsphäre, Transparenz und Zustimmung sind bei diesem Vorhaben von äußerster Wichtigkeit,“ hieß es in einer Mitteilung.

          Nach Darstellung von Apple und Google könnte das System so funktionieren: Zwei Personen, die die Technologie auf ihren Smartphones aktiviert haben, treffen sich. Über Bluetooth-Technologie tauschen ihre Geräte dann automatisch ein Signal aus, mit dem der Kontakt festgehalten wird. Wenn nun einer der beiden einige Tage später erfährt, dass er positiv auf das Virus getestet worden ist, kann er diese Information in eine App auf seinem Handy eingeben. Dies wird dann an einen zentralen Rechner weitergeleitet. Das Smartphone der anderen Person holt sich automatisch Daten von diesem Rechner und findet so die Information über die Infektion. Es blendet dann eine Benachrichtigung auf dem Bildschirm ein, dass die Person kürzlich mit jemandem in Kontakt war, der positiv auf das Virus getestet worden ist. Dabei wird nicht mitgeteilt, wo dieser Kontakt stattgefunden hat und wer die infizierte Person ist. Es ist dann noch immer an jedem Einzelnen, zu entscheiden, was er mit dieser Information macht, also ob er sich zum Beispiel Selbstquarantäne auferlegt.

          Nach Angaben der beiden Partner soll diese Lösung in zwei Schritten implementiert werden. Im Mai soll die zugrundeliegende Technologie herauskommen und zunächst mit Apps von Gesundheitsbehörden arbeiten. In den Monaten danach soll dann die direkt in die Betriebssysteme integrierte Software verfügbar sein, was der Mitteilung zufolge eine „robustere Lösung“ ermöglichen soll, die von mehr Menschen genutzt werden kann.

          Wie es in einem Bericht der „New York Times“ hieß, haben Apple und Google das Gemeinschaftsprojekt in den vergangenen beiden Wochen auf die Beine gestellt. In der Mitteilung vom Freitag schrieben die Unternehmen: „Wir alle bei Apple und Google glauben, dass es niemals einen wichtigeren Moment zur Zusammenarbeit gegeben hat, um eines der dringlichsten Probleme auf der Welt zu lösen.“ Wenn das System auf breiter Front genutzt würde, könnte das nach Ansicht von Beobachtern Regierungen dabei helfen, Ausgangsbeschränkungen und andere Restriktionen zu lockern. Und es könnte auch dazu beitragen, weitere Wellen der Pandemie zu verhindern oder zu minimieren.

          Das Bündnis wurde am Freitag auch zum Gegenstand auf der täglichen Pressekonferenz von Donald Trump. Auf eine entsprechende Frage sagte der amerikanische Präsident, das Projekt klinge interessant, wecke aber auch Datenschutzbedenken. Die amerikanische Regierung wolle es sich genau ansehen.

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