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Folge der Pandemie : Schafft das Internet das?

Der Datenverkehr im Rechenzentrum DE-CIX hat durch die Corona-Krise enorm zugelegt. Bild: Frank Röth

Der Datenverkehr steigt teilweise um das Sechsfache: Videostreaming, Social Media, Gaming – überall sorgt die Corona-Krise für neue Rekordwerte. Die Netzbetreiber äußern sich zuversichtlich und haben doch einen dringenden Wunsch.

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          Wenn die Welt von zuhause aus arbeitet und fast nur noch über das Internet kommuniziert, hat das gravierende Auswirkungen auf den Datenverkehr. Dazu liegen jetzt beeindruckende Zahlen vor. In den vergangenen beiden Wochen, seitdem viele Länder wegen der Corona-Krise Ausgangsbeschränkungen verhängten, ist das Datenvolumen regelrecht nach oben geschossen und hat sich teilweise versechsfacht. Das geht unter anderem aus Beobachtungen des weltweit größten Internetknotens DE-CIX in Frankfurt und aus Analysen der Nokia-Tochtergesellschaft Deepfield hervor.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem Videokonferenzen, etwa über Anbieter wie Skype, Teams oder Webex, sind gefragt wie nie. Der schon festgestellte Anstieg im entsprechenden Datenverkehr habe sich seit Ausbruch des Sars-Cov-2-Virus durch die Home-Office-Situation der Bevölkerung in der vergangenen Woche um 100 Prozent gesteigert, hieß es seitens des DE-CIX.

          Auch gespielt wird wie nie. Die Anzahl der Nutzer von Online- und Cloud-Gaming-Plattformen hat sich ebenfalls verdoppelt. Ein Höhepunkt wurde am vergangenen Donnerstag verzeichnet. Nicht viel weniger gefragt sind die Bereiche soziale Medien und Video. Videostreaming-Anbieter haben ihre Kapazitäten am DE-CIX in Frankfurt nach Angaben des Unternehmens teilweise verdoppelt.

          Technikchef Thomas King beobachtet das veränderte Nutzerverhalten und resümiert: „Wir stellen darüber hinaus fest, dass sich der durchschnittliche Datenverkehr an den Internetknoten um knapp 10 Prozent gesteigert hat.“ Die Menschen nutzten das Internet auch tagsüber häufiger und länger – „das merken wir stark“.

          Normalerweise bewege sich der Datenverkehr am Internetknoten entlang von Wellenbewegungen, beginnend morgens um 6 Uhr mit einem Höhepunkt gegen 21 Uhr. Das ist nun anders. „Jetzt sind fast alle zuhause, so dass sich diese Wellen abflachen. Der Datenverkehr verteilt sich über den ganzen Tag und steigt im Schnitt an“, sagt King. Kürzlich hatte der Frankfurter Internetknoten mit 9,1 Terabit je Sekunde einen neuen Rekord im Datendurchfluss aufgestellt.

          Auch das Analyseunternehmen Nokia Deepfield ermittelte gigantische Online-Wachstumsraten in manchen Internetbereichen. So wuchs das Datenvolumen beispielsweise beim Messengerdienst Whatsapp zeitweise um den Faktor sechs. In den ersten Tagen nach dem Beginn der von einigen Ländern verfügten Kontaktbeschränkungen wies Whatsapp in Westeuropa einen Anstieg von mehr als 200 Prozent auf.

          Gerade am ersten Tag der Schulschließungen habe es deutliche Spitzen in den Morgenstunden gegeben. „Am ersten Sonntag nach dem Beginn der Lockdowns gab es sogar 500 Prozent mehr Datenverkehr“, schrieb Deepfield-Technikchef Craig Labovitz in einem Blogbeitrag.

          Bild: Brocker

          Anbieter von Videokonferenzen und Spielen wiesen laut Labovitz ebenfalls ein „nie da gewesenes Wachstum“ auf. Zoom oder Skype erreichten demnach ein Plus von 300 Prozent, Gaming-Apps sogar von 400 Prozent. Im Sektor Unterhaltung habe die Zunahme des Netflix-Verkehrs am ersten Tag der Lockdowns gezeigt, dass die Menschen früher am Tag mit dem Streaming beginnen. Die habe erheblich zum gesamten Netzverkehr beigetragen.

          Frankfurts Knoten kann noch viel mehr

          Zuletzt waren immer wieder Sorgen geäußert worden, ob die Netzinfrastruktur diese gravierenden Zuwächse bewältigen kann. Mit Blick auf die physischen Kapazitäten des DE-CIX gab Technikchef King Entwarnung. „Die Kapazitäten in unserem eigenen Netz werden regelmäßig und langfristig ausgebaut. Wir planen immer für circa zwölf Monate voraus.“ Die Kapazitäten würden weiter ausgebaut, sobald 63 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erreicht seien.

          Die restlichen freien 37 Prozent würden zum einen für Redundanzen benötigt, also für zusätzlich vorgehaltene Ressourcen. Und zum anderen, damit man immer genügend freie Kapazitäten für Traffic-Wachstum habe. „Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich aus dem Home-Office arbeiteten und nebenher noch ein weltweites sportliches Großevent übertragen werden würde, kann der DE-CIX die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen“, versicherte King.

          Auch Labovitz von Nokia Deepfield zeigte sich zuversichtlich. „Die gute Nachricht ist, dass die Netze die erhöhte Nachfrage zu meistern scheinen“, schrieb er. Es steige sowohl die Nutzung der Mobilfunknetze als auch die der Festnetze.

          Für die Netzbetreiber spielten die Festnetze jedoch in der nächsten Zeit voraussichtlich eine besonders wichtige Rolle. „Ein beruhigender Gedanke ist, dass wir technologisch gesehen sicher sind“, betonte Labovitz. Die aktuellen Netztechnologien seien geeignet, sich den anstehenden Herausforderungen zu stellen.

          Für die Zukunft äußerte er dennoch einen dringenden Wunsch: „Perspektivisch benötigen wir jedoch neben dem weiteren Ausbau der 5G- und Glasfaser-Infrastruktur möglicherweise weitere Investitionen in die Netze, um diese besser und zukunftsfähiger zu machen.“

          In der vergangenen Woche hatten Videostreaming-Dienste ihre Datenmengen in Europa reduziert, um die Netze in der Corona-Krise zu entlasten. Auch Spielekonzerne wollen drosseln. Youtube kündigte an, die Bildqualität zunächst für 30 Tage leicht zu verschlechtern: Videos sollen grundsätzlich in Standard-Auflösung statt in HD-Qualität übertragen werden. Netflix will den Datendurchsatz in dieser Zeit um ein Viertel reduzieren. Auch Amazon begann, die Datenmengen in seinem Dienst Prime Video zu drücken. Sony kündigte in dieser Woche an, nach Absprache mit Internetprovidern die Download-Geschwindigkeiten im Playstation-Network zu reduzieren. EU-Kommissar Thierry Breton, der die Maßnahmen angestoßen hatte, begrüßte das Vorgehen der Streaminganbieter.

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