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Homeoffice : Zunehmender Verkehr im langen VPN-Tunnel

Ohne VPN kein Homeoffice Bild: Jens Gyarmaty

Die schnell steigende Zahl der Heimarbeiter braucht sichere und flexible Zugänge zu den Netzwerken ihres Arbeitgebers. Die Nachfrage nach VPN-Verbindungen nimmt deshalb rapide zu – und die IT-Unternehmen rüsten auf.

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          Die vergangenen Wochen hatten es in sich. Nicht nur Siemens, auch alle anderen Unternehmen, Behörden und Ministerien mussten innerhalb von Stunden die notwendige Infrastruktur schaffen, um Mitarbeitern die Arbeit von zu Hause zu ermöglichen. Es ist nicht trivial, von Laptop, Smartphone oder Tablet am Küchentisch eine sichere Verbindung ins hermetisch abgeriegelte Intranet eines Arbeitgebers zu schaffen. Wenn das nun plötzlich auch noch Zigtausende machen, kann es eng werden mit verschlüsselten Verbindungen zwischen Firmennetzwerk und dem privaten Netz zu Hause.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Schon vor Corona und Ausgangsbeschränkungen haben viele dafür ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) genutzt, das unabdingbar für die Arbeit draußen geworden ist. Sie haben es als das Selbstverständlichste in der Welt der virtuellen Kommunikation hingenommen. Es ist wie ein Tunnel, durch den geschützte Daten und Informationen für Außenstehende unsichtbar hin und her geschoben werden. Doch in diesen Tagen drohte in diesen Tunneln auch mal ein Stau. Homeoffice von Millionen Mitarbeitern funktioniert ohne VPN nicht.

          Die Unternehmen haben aufgerüstet. Wie Siemens hat auch der Freistaat Bayern vorsorglich den Tunnelausbau betrieben. Beim VPN-Anbieter NCP Engineering aus Nürnberg hat das Bundesland zusätzlich rund 150.000 Lizenzen angefragt, um für die dynamisch wachsende externe Arbeit die bestehende Umgebung für alle Betriebssysteme von Microsoft Windows über Apple iOS und Google Android bis zu Linux zu erweitern und sich die Kapazitäten zu sichern. Die Zahl der Anwender ist noch deutlich höher, da mehr Nutzer und Geräte an den Lizenzen hängen.

          „Die Anfragen im Vertrieb haben sich vervierfacht.“

          Das IT-Dienstleistungszentrum Bayern als Plattform für die Ministerien des Freistaates hat nach den Worten von NCP-Geschäftführer Patrick Oliver Graf sehr schnell reagiert, weshalb in den vergangenen Wochen nach und nach die VPN-Erweiterungen für den Kunden vorgenommen worden sind. Auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder das Saarland haben bei ihrem langjährigen Software-Dienstleister NCP mehr VPN-Verbindungen angefragt. Einen derartigen Andrang hat Graf, 51 Jahre alt, bislang nicht erlebt.

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          „Die Anfragen im Vertrieb haben sich vervierfacht.“ Mehr als 100 konkrete Angebotsanfragen und Bestellungen kämen am Tag herein. Er spricht von „Pandemie-Lizenzen“. Wobei: Auch das heftige Sturmtief Sabine mit unterbrochenen Verkehrsverbindungen etwa im öffentlichen Nahverkehr hatte im Februar zu erhöhtem Homeoffice-Bedarf und damit zu mehr VPN-Verbindungen geführt.

          Neben Bundes- und Landesministerien, Polizeibehörden oder der Bundesagentur für Arbeit gehören zu den Kunden von NCP auch große Konzerne wie RWE, Airbus, die Commerzbank oder Coca-Cola. Die Deutsche Telekom hat ebenso beträchtliche VPN-Zusatzkapazitäten angefordert. Der Telekommunikationskonzern benötigt diese nicht nur für seine eigenen Mitarbeiter im Homeoffice. Er ist ebenso Geschäftspartner von NCP – Graf nennt ihn „OEM-Partner“. Er liefert Softwarepakete für Netzwerkplattformen an Kunden der Telekom. NCP liefert zudem an Netzwerk- und Netzsicherheitsanbieter wie Juniper, Lancom oder Sophos.

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