https://www.faz.net/-gqe-9yjds

Neue Maßnahmen : Facebook verschärft Kampf gegen Corona-Fake-News

Ein 3D-gedrucktes Facebook-Logo vor einem Covid-19-Schriftzug Bild: Reuters

Bleichmittel gegen Corona? Gefährliche Falschmeldungen wie diese kursieren in den Sozialen Medien. Für Facebook-Chef Mark Zuckerberg sind sie ein Ärgernis. Mit neuen Maßnahmen und entschiedener als bislang will er jetzt dagegen vorgehen.

          3 Min.

          Der Facebook-Konzern verschärft seinen Kampf gegen Corona-Falschmeldungen. Allen Nutzern, die mit gefährlichen Falschinformationen interagiert haben, wird nun eine Mitteilung angezeigt, die sie auf eine Webseite der Weltgesundheitsorganisation verweist. Auf dieser werden Mythen rund um die Corona-Pandemie richtiggestellt. Das geht aus einem öffentlichen Blogpost des Unternehmens hervor, der am Donnerstagnachmittag veröffentlicht wurde und der F.A.Z. vorab vorlag. 

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir werden Nutzern, die gefährliche Falschinformationen über Covid-19 geliked, darauf reagiert oder kommentiert haben, die wir seitdem entfernt haben, Nachrichten im News Feed anzeigen“, heißt es in der Mitteilung. Die Maßnahme werde innerhalb der kommenden Woche greifen. „Wir wollen Menschen, die mit gefährlichen Fehlinformationen über das Virus interagiert haben, mit der Wahrheit zuverlässiger Quellen in Verbindung bringen, falls sie diese Behauptungen außerhalb von Facebook wieder sehen oder hören.“

          Facebook definiert Falschinformationen als gefährlich, wenn sie direkt die Gesundheit von Menschen schädigen können, also beispielsweise abseitige, aber potentiell tödliche Empfehlungen wie die, sich durch das Trinken von Bleichmitteln gegen das Coronavirus zu schützen. Verschwörungstheorien zählen hingegen nicht dazu.

          Auch die Konkurrenten Twitter und Google haben weitreichende Maßnahmen gegen Falschinformationen ergriffen. So werden Tweets gelöscht, in Suchergebnissen mit Corona-Bezug fast ausschließlich Inhalte von Behörden oder seriösen Medien ausgespielt oder unter Youtube-Videos großflächig Links zu offiziellen Informationen angezeigt.

          Eine bemerkenswerte Abkehr

          Für den Facebook-Konzern sind die nun geplanten Korrektur-Nachrichten der jüngste und wahrscheinlich radikalste Schritt bisher, der eine bemerkenswerte Abkehr von einem vielfach als zu lax wahrgenommenen Umgang mit Falschinformationen bedeutet, zumindest vor der Corona-Krise.

          Unternehmenschef Mark Zuckerberg begründete dies Ende März damit, dass es bei Corona um Gesundheitsrisiken gehe, mit denen man schon immer anders umgegangen sei als mit politischen Falschnachrichten: „Wir hatten immer die Regel, dass wir Gefahren für das körperliche Wohlergehen nicht erlauben. Das ist der Grundpfeiler unseres Vorgehens gegen Hassrede und Gewalt.“ Man erlebe in der Pandemie, dass Leute ermuntert würden, sich nicht behandeln zu lassen. „Das ist eine andere Liga als das Hin und Her zwischen Kandidaten vor einer Wahl.“

          Da es in der Coronakrise vergleichsweise vertrauenswürdige Quellen wie nationale und internationale Gesundheitsbehörden gibt, läuft der Konzern weniger Gefahr, als politisch nicht neutral wahrgenommen zu werden. Allerdings gehen die jetzt ergriffenen Maßnahmen deutlich über das hinaus, was Facebook zuvor beispielsweise gegen Falschinformationen über Impfungen unternommen hat. Ganz so eindeutig, wie Zuckerberg es nahelegt, lassen sich Politik und Gesundheit zudem nicht trennen. Das zeigt beispielsweise eine russische Desinformationskampagne, über die sich die Europäische Union beschwerte, weil sie offenbar zum Ziel hat, „die öffentliche Gesundheitskrise in den westlichen Ländern zu verschlimmern“.

          Die Vizepräsidentin des Europaparlaments Katarina Barley (SPD) begrüßte die Maßnahme gegenüber der F.A.Z.: „Die Menschen können somit gezielte Falschmeldungen leichter erkennen und entlarven.“ Falschinformationen könnten gravierende gesundheitliche Folgen haben. „Das Vorgehen gegen Fake News ist deshalb ein zentraler Aspekt der Corona-Maßnahmen der EU“, teilte sie mit. Man sei aber auf die Mitwirkung der Sozialen Netzwerke angewiesen, diese hätten eine besondere Verantwortung, weil sich Informationen dort sehr schnell verbreiteten.

          Kettenbriefe werden ausgebremst

          Über seine Plattformen hinweg hat der Facebook-Konzern in den vergangenen Wochen schon einige Maßnahmen ergriffen. Auf Whatsapp wurde das Weiterleiten von Kettenbriefen ausgebremst, um die „Verbreitung von Falschinformationen zu weiter einzudämmen“. Es wurden Whatsapp-Infokanäle eingerichtet, in denen Ministerien Informationen bereitstellen. Auf Instagram erhalten Nutzer, die nach Corona-Informationen suchen, Hinweise, die sie auf Seiten offizieller Stellen führen.

          Es gibt darüber hinaus Informationszentren, auf denen vertrauenswürdige Mitteilungen gesammelt werden. Zudem wurde die Zusammenarbeit mit Faktenprüfern ausgebaut und der Weltgesundheitsorganisation Werbeflächen zur Verfügung gestellt.

          In der Mitteilung vom Donnerstag ging der Konzern auch auf die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen ein. Demnach seien dadurch bisher mehr als 2 Milliarden Menschen auf Materialien der WHO und anderer Gesundheitsbehörden hingewiesen worden. 350 Millionen Menschen hätten auf diese auch zugegriffen. 40 Millionen Posts seien im März mit einer Warnung versehen worden, dass es sich um eine Falschmeldung handeln könnte.

          In einer ebenfalls am Donnerstag veröffentlichen Mitteilung kritisierte die Kampagnenorganisation Avaaz, dass Facebook diese Warnungen zu zögerlich anzeigt. Nach Untersuchung einer „Stichprobe von über 100 Fehlinformationen auf Facebook“ kommt die Organisation zu dem Schluss, dass es, wenn Falschinformation gepostet werden, bis zu 22 Tage dauert, bis Facebook diese Warnungen ausspielt, obwohl diese von Faktenprüfern widerlegt worden seien. Zudem verblieben 2 von 5 Fehlinformationen ohne Warnungen auf der Plattform. Laut Avaaz hat Facebook einige der Posts infolge von Hinweisen der Kampagnenorganisation gelöscht.

          Die jetzt eingeführten Korrektur-Mitteilungen sind nach Avaaz-Darstellung eine Reaktion des Social-Media-Konzerns auf diese Hinweise. Facebook bestätigte auf F.A.Z.-Anfrage, dass Avaaz an der Entwicklung beteiligt war.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.