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Fachmann hofft auf „Säuberung“ : Facebook und Google verschärfen Werberegeln drastisch

Facebook und Google verschärfen ihre Werberegeln. Bild: dpa

Wer wollte, konnte auf Facebook gezielt Menschen ansprechen, die sich für „Pseudowissenschaft“ interessieren. Damit ist jetzt Schluss. Auch Google zieht die Zügel an. Fachleute finden: Ein schaler Beigeschmack bleibt.

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          Die Digitalkonzerne Google und Facebook verschärfen in der Corona-Krise ihre Werberegularien. Zuvor hatten sie etliche Maßnahmen gegen die Verbreitung von Falschnachrichten ergriffen. Facebook habe die Möglichkeit entfernt, gezielt Menschen anzusprechen, die sich für „Pseudo-Wissenschaften“ interessieren, schrieb der zuständige Facebook-Manager Rob Leathern am Donnerstag auf Twitter. Zuvor hatte das amerikanische Technik-Magazin „The Markup“ über diese Möglichkeit zielgenauer Werbung berichtet, mit der etwa 80 Millionen Menschen hätten angesprochen werden können.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir haben die Targeting-Option entfernt, um möglichen Missbrauch in Werbeanzeigen zu verhindern“, bestätigte ein Facebook-Sprecher der F.A.Z. Leathern schrieb weiter, man hätte die Kategorie früher entfernen sollen. Facebook hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Targeting-Kategorien. Bis zum Jahr 2017 war es möglich, Menschen aufgrund ihres „Judenhasses“ gezielt anzusprechen.

          Parallel verschärft auch Google seine Werberegeln. In Zukunft werde sich jeder Werbetreibende identifizieren müssen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Blogbeitrag des zuständigen Google-Managers John Canfield. Das solle „zusätzliche Transparenz“ bringen und „schlechte Akteure enttarnen“. Bisher galt diese Regelung nur für politische Werbetreibende, also beispielsweise Parteien oder Kandidaten. Für Unternehmen bedeute das, dass sie Dokumente einreichen müssten, „die zeigen, wer sie sind und in welchem Land sie aktiv sind“. Nutzer könnten vom Sommer an in den ersten Anzeigen Informationen über die Werbetreibenden erhalten. Die Maßnahme greift dem Beitrag zufolge zunächst in Amerika, wird später aber auch international ausgerollt. Das könnte allerdings einige Jahre dauern.

          „Es bleibt ein schaler Beigeschmack“

          In der Branche wurden die Maßnahmen positiv aufgenommen. Allerdings wurde auch Kritik laut, sie kämen zu spät und eigentlich handele es sich um Selbstverständlichkeiten. Matthias Wahl, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft, teilte der F.A.Z. mit: „Jeder Beitrag, der für eine Steigerung der Seriosität der Angebote der digitalen Wirtschaft sorgt, ist zu begrüßen.“ Gleichzeitig hob er hervor, dass für die jetzt ergriffenen Schritte keine Corona-Krise notwendig hätte sein sollen: „Werbeprodukte sollten nicht ungeprüft missbraucht werden können, nicht nur in Krisenzeiten wie der aktuellen.“

          Florian Adamski sieht in der Google-Maßnahme gegenüber der F.A.Z. einen „absolut überfälligen Schritt, den ich mir zu einem Zeitpunkt vor der Pandemie gewünscht hätte.“ Als Chef der Agentur OMD Global wacht er über den Einsatz von 18 Milliarden Euro an Werbeausgaben seiner Kunden, so viel wie sonst niemand auf der Welt. „Ich erhoffe mir einen Säuberungseffekt, der das Vertrauen in kommerzielle Kommunikation zurückbringt.“ Der sehr liberale Umgang mit werblichen Quellenangaben habe die Menschen im Umgang mit Informationen verunsichert. Die Probleme mit Falschnachrichten seien auch auf „die Schwemme von kommerziell und politisch motivierter irreführender Werbung zurückzuführen“.

          Ähnlich reagierte Karsten Göbel, Chef der Werbeagentur Super an der Spree: „Die Anpassungen sind zunächst nachvollziehbar. Allerdings bleibt ein schaler Beigeschmack, warum dies erst jetzt erfolgt.“ Die Möglichkeit, an Pseudowissenschaft Interessierte gezielt anzusprechen, habe allein in der Vergangenheit einen enormen Schaden durch Polarisierung und Radikalisierung verursacht. „Und bei den neuen Verifizierungsrichtlinien für Werbetreibende bei Google muss die Frage erlaubt sein, warum nicht schon längst eine Überprüfung der Werbe-Spender Usus ist.“

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