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Arago-Gründer : Der politische Unternehmer hinter der Corona-App

Chris Boos hat wegen seines Albinismus nicht einmal zehn Prozent Sehkraft. Er ist davon überzeugt, dass Technik Leben retten kann. Bild: Frank Röth

Chris Boos ist Gründer des KI-Unternehmens Arago und will mit Apps die Pandemie managen. Doch kurz vor der Veröffentlichung der Corona-App treten die Politik und seine internen Kritiker auf den Plan.

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          Politiker sind keine Unternehmer. Hans-Christian (Chris) Boos lernt das gerade, mal wieder. Tempo machen hier, Risiken eingehen. Abwarten dort, Risiken minimieren. Diese Welten passen nicht immer zusammen: Ungeduld gegen Geduld; ansagen gegen moderieren. Aber aufeinander angewiesen ist man doch. Das war grundsätzlich zwar immer so, doch in Fragen rund um die Bekämpfung der Corona-Pandemie werden die Gegensätze besonders wichtig. Im schlimmsten Fall bekommen sie existentielle Bedeutung. Denn der 48 Jahre alte Boos ist davon überzeugt, dass die Technik Leben retten kann, an der er mit zahlreichen anderen Entwicklern und dem von ihm und seinem Onkel gegründeten Frankfurter Unternehmen Arago arbeitet. Es geht um die Grundlage für neue Mobiltelefon-Apps im Kampf gegen das Coronavirus. Eigentlich sollten die Apps, die mit der entsprechenden Technik ausgerüstet sind, schon in der Woche vor Ostern in den App-Stores verfügbar sein. Das hat nicht geklappt. Obwohl die Technik funktioniert und die ersten Apps eigentlich fertig sind. Dafür gibt es jetzt sogar Streit vor und hinter den Kulissen.

          Immerhin: Die Regierungschefs von Bund und Ländern haben in der vergangenen Woche, aber eben erst nach Ostern, beschlossen, dass die Corona-Pandemie auch mit der Hilfe von Technologie bekämpft werden soll, eben mit entsprechenden Apps. Und sie haben sich für Boos’ Basistechnologie des „Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing“, kurz PEPP-PT, entschieden. Das klingt gut. Aber die Wahrheit liegt irgendwo auf dem Weg dazwischen: Denn es gibt einen größeren Konflikt unter den beteiligten Entwicklern, und auch die Entscheider in der Politik sind in Wahrheit unsicherer, als es der Beschluss suggeriert. Die wichtigen Plattformanbieter Apple und Google ziehen nicht so mit, wie man sich das wünschen würde. Vielleicht kochen sie inzwischen sogar ihre eigene Suppe – dann hätte Europa eine riesige Chance vertan.

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