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Corona-Warn-App : Samsung- und Huawei-Nutzer verpassten Warnmeldungen

Nutzwert ausbaufähig: Wie hilfreich die Corona-App ist, hängt von den Nutzern und dem Zugriff auf die Daten ab. Bild: dpa

Wer die Corona-Warn-App auf einem Android-Handy von Samsung oder Huawei nutzt, sollte sich das neueste Update herunterladen – und danach eine wichtige Einstellung vornehmen.

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          Wer die amtliche deutsche Corona-Warn-App nutzt und ein Smartphone von Samsung oder Huawei besitzt, der könnte in den vergangenen Wochen einige Warnmeldungen verpasst haben. Denn wie sich nun herausstellte, verhinderten Energiespareinstellungen der Geräte, dass die App dauerhaft die Liste mit potentiell infizierten Handybesitzern von ihrem Server abrufen konnte. Dadurch erhielten Besitzer der Android-Smartphones von Samsung und Huawei, die in der Nähe einer infizierten Person waren, erst eine Warnung darüber, wenn sie die App aktiv öffneten. Bei einer App, die vorrangig im Hintergrund laufen soll, um mittels Bluetooth Infektionsketten zu verfolgen, dürften das nur wenige getan haben.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Sprecher des die App betreuenden Robert-Koch-Instituts (RKI) sagte der F.A.Z., dass das Programm auch auf den betroffenen Handys die ganze Zeit funktioniert und wie vorgesehen die digitalen Erkennungsmerkmale aller Handys in seinem Umkreis aufgezeichnet habe. Lediglich der Abgleich mit dem Server habe verzögert, beim aktiven Öffnen der App, stattgefunden.

          Mit einem neuen Update der App (Version 1.1.1) werde dieses Problem nun behoben, hieß es vom RKI weiter. Nutzer von Samsung- und Huawei-Smartphones müssten nach dem Update nun einmal das Einstellungsmenü innerhalb der Corona-Warn-App aufrufen und die „Priorisierte Hintergrundaktivität“ über einen Schieberegler einschalten. Dann finde der Abgleich mit dem Server wie geplant im Hintergrund statt und alle Warnmeldungen erschienen rechtzeitig.

          Auch vorher sei es zudem schon möglich gewesen, das Handy entsprechend einzustellen. „Das beschriebene Problem ist seit längerem bekannt und in den FAQ der Corona-Warn-App adressiert“, schrieb der RKI-Sprecher. „Dort wurde auch ausführlich erklärt, wie sich die Hintergrundaktualisierung manuell aktivieren lässt.“ Diese manuelle Aktivierung machte allerdings einen Ausflug in die Einstellungen des Betriebssystems und die Befolgung einer recht komplizierten Anleitung nötig. Warum das Update, welches die entsprechende Einstellung leichter zugänglich macht, erst jetzt kam, bleibt offen.

          Der Fehler ist ärgerlich, weil er einer ganzen Reihe von Handynutzern über mehrere Wochen hinweg viele Warnmeldungen der Corona-App vorenthalten haben dürfte: Fast die Hälfte (48 Prozent) der im ersten Vierteljahr in Deutschland verkauften Smartphones waren von Samsung und Huawei. Dennoch ist er keine Blamage für die Bundesregierung, wie eine große Boulevardzeitung behauptete.

          Auch die Unternehmen SAP und Deutsche Telekom, welche die App im Auftrag entwickelt haben, konnten für den Fehler nur wenig. Schuld sind, wenn überhaupt, die Handyhersteller Samsung und Huawei, welche die problematischen Energiesparrichtlinien in ihren Betriebssystemen voreingestellt hatten. „Diese speziellen Einstellungen folgen allerdings nicht den Google-Standards“, sagte ein SAP-Sprecher dem Fachmagazin „Heise“.

          Ein Huawei-Sprecher sagte der F.A.Z. aber, dass die Corona-App auf den Geräten des chinesischen Herstellers problemlos gelaufen sei, wenn die Nutzer bei der Installation der App zugestimmt hätten, dass sie im Hintergrund laufen dürfe. Damit spielt zumindest der chinesische Hersteller den Schwarzen Peter den Verbrauchern zu. Wer auch immer recht hat: Der Fall offenbart (wieder einmal), dass die Einführung der Corona-App ein komplexes Unterfangen ist, bei dem an vielen Stellen Fehler passieren können.

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