https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/clubhouse-fuehrt-bezahlfunktion-ein-und-hinkt-hinterher-17279513.html

Zuhör-Netzwerk : Clubhouse führt Bezahlfunktion ein

Clubhouse-App Bild: Reuters

Es ist die erste große Erweiterung des Audio-Netzwerks: Wer auf Clubhouse spricht, soll künftig dafür auch Geld verlangen können. Der Schritt könnte wegweisend sein.

          3 Min.

          Clubhouse führt eine Bezahlfunktion ein. Wie die Macher des audiobasierten Sozialen Netzwerks in einem Blogpost mitteilen, können Zuhörer den Sprechern oder Organisatoren von Gesprächsrunden ab sofort Geld schicken. Die Fähigkeit, Zahlungen zu empfangen, werde nach und nach ausgerollt, hieß es weiter.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist die erste bedeutsame neue Funktion, welche die Clubhouse-Macher seit dem Start ihrer App vor etwas mehr als einem Jahr einführen. „Es ist uns wichtig, unser Geschäftsmodell mit dem der Creator abzustimmen – das heißt, ihnen zu helfen, Geld zu verdienen und auf der Plattform zu gedeihen“, schreiben sie zu den Gründen dafür. Damit geht Clubhouse – zumindest zunächst – einen anderen Weg als es Facebook oder Instagram in ihren frühen Tagen getan hatten. Statt zur Monetarisierung auf Werbung zu setzen, will die Audio-App offenbar vor allem Nutzer dazu animieren, für die angehörten Inhalte zu bezahlen.

          Keine Einnahmen

          Eingeblendete Werbung findet sich in der App bislang nicht. Ob sich das bald ändern wird, ist offen. Der Blogpost kündigt an, die Bezahlfunktion sei nur die erste Möglichkeit für „Creator“, auf Clubhouse Geld zu verdienen. Weitere sollen folgen. In einem früheren Blogpost hatten die beiden Clubhouse-Gründer Paul Davison und Rohan Seth angekündigt, „Trinkgeld, Tickets und Abonnements“ als Monetarisierungsmöglichkeiten auszuprobieren.

          Eigene Einnahmen generiert die Plattform durch die Bezahlfunktion nicht. In seiner Botschaft schreibt das Clubhouse-Team, „100% der Zahlung gehen an den Creator“. Eine „kleine“ Gebühr für die Zahlungsabwicklung werde für den zahlenden Nutzer oben draufgeschlagen, Clubhouse profitiere davon aber nicht. Die Zahlungsgebühr geht an Stripe. Der zuletzt mit 95 Milliarden Dollar bewertete Zahlungsdienstleister wickelt die Bezahlungen auf Clubhouse technisch ab. Stripe gilt als das wertvollste Start-up der Welt, es ist sogar mehr wert als Facebook und Uber vor ihren Börsengängen.

          Mit dem Verzicht darauf, sich bei Zahlungen selbst eine Scheibe abzuschneiden, bleibt Clubhouse weiter ohne eigene Einnahmen. Die fehlenden Monetarisierungsmöglichkeiten hatten schon bei ihrer zweiten größeren Finanzierungsrunde Ende Januar für hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Damals hatten die Gründer 25 Millionen Dollar eingeworben, ihr Unternehmen war – trotz fehlender Einnahmen – Berichten zufolge mit einer Milliarde Dollar bewertet worden. Und das, obwohl die Cloubhouse-App bislang sogar nur für iPhones erhältlich ist – an einer Android-Version arbeiten die Entwickler noch.

          Ob sich die Wette der Investoren auszahlt, ist ebenso offen wie die Frage, welchen Charakter die Plattform schlussendlich annehmen wird. Wer sich auf dem Handy durch die Clubhouse-Räume tippt, stößt zur Zeit auf eine bunte Mischung aus Fachdiskussionen, choreografierten Auftritten von Unternehmensvertretern und Politikern sowie Gesprächen über kurioseste Themen – eine Diskussionsrunde vor einiger Zeit beschäftigte sich sehr ernsthaft mit der (offenbar vorhandenen) Angewohnheit einiger Menschen, Klebeband zu essen.

          Clubhouse hängt im Wettbewerb zurück

          Vor allem wird der Erfolg von Clubhouse davon abhängen, wie viele regelmäßige Nutzer die Plattform auf Dauer anziehen kann – jenseits des Hypes, für den sie Anfang des Jahres in Deutschland sorgte. Dazu birgt eine kürzlich erschienene Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey Erkenntnisse. Demnach haben zwar rund die Hälfte aller Deutschen von Clubhouse schon einmal gehört, nutzen tun das Netzwerk aber nur knapp 4 Prozent. Angesichts eines von Civey angegebenen möglichen statistischen Fehlers von 2,5 Prozent könnten es auch noch weniger sein.

          In der jüngsten befragten Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren sind immerhin 7,5 Prozent der Deutschen auf der Plattform aktiv. Danach nimmt die Clubhouse-Nutzung mit steigendem Alter ab. Beunruhigend für die Macher dürften zudem zwei Dinge sein: Einerseits stagniert seit etwa Anfang Februar die Bekanntheit der App. Andererseits gibt fast die Hälfte der registrierten Clubhouse-Nutzer an, die App seltener als einmal im Monat zu nutzen. „Das deutet darauf hin, dass dieses Medium nur selektiv für geplante Talks mit einem Event-Charakter genutzt wird“, sagt dazu Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen. Der Forscher hat die Civey-Studie in Auftrag gegeben.

          Tägliche Kommunikation findet Kollmann zufolge eher auf „Mitteilungsplattformen“ wie Twitter oder Facebook statt. Auch die Nutzerzahlen, welche Clubhouse selbst veröffentlicht, zeigen, dass das Netzwerk mit den Platzhirschen bislang nicht mithalten kann. Den Gründern Davison und Seth zufolge waren in einer Woche Mitte Januar 2 Millionen Nutzer weltweit auf Clubhouse aktiv. Zum Vergleich: Das ebenso noch vergleichsweise junge Videonetzwerk Tiktok kommt allein in Amerika auf 50 Millionen täglich aktive Nutzer – die wöchentliche Zahl dürfte noch höher liegen. Twitter hatte auf der Welt zuletzt 192 Millionen täglich aktive Nutzer.

          Den bei Clubhouse oft kritisierten fehlenden Datenschutz sehen die Nutzer der Civey-Umfrage zufolge nicht so sehr als Problem – 44 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, der Datenschutz sei ihnen bei der Clubhouse-Nutzung nicht wichtig. Eher muss die App wohl daran arbeiten, Nutzern überhaupt einen dauerhaften Mehrwert zu bieten.

          Apropos Datenschutz: Die besonders kritisierte Eigenschaft der Clubhouse-App das Adressbuch des Handys auszulesen, haben die Macher ohne große öffentliche Ankündigung abgeschafft. Die App bittet iPhone-Nutzer zwar immer noch darum, ihr den Zugriff auf die eigenen Kontakte zu gewähren – wer das ablehnt, hat aber keine Nachteile zu fürchten. Auch Einladungen kann man inzwischen ohne Adressbuch-Zugriff verschicken. Das war zuvor nicht möglich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amazons Logistikzentrum in Bad Hersfeld

          Deal mit Brüssel : Wie Amazon sich den EU-Regeln beugt

          Der Internethändler kommt der EU-Kommission im Kartellstreit entgegen. Das Bundeskartellamt kümmert das nicht. Hier kommt es zur direkten Konfrontation mit Amazon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.