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Hersteller führen Grenze ein : In China gibt es Videospiele nur noch für zwei Stunden am Tag

  • Aktualisiert am

Videospiele sind in China ein riesiger Markt: Verkleidete Besucher auf der China International Cartoon and Games Expo in Schanghai diesen Juli Bild: EPA

Peking diskreditiert Digital- und Videospielkonzerne öffentlich. Die versuchen sich nun zu schützen – und geben den Druck an ihre jugendlichen Kunden weiter. Die Empörung ist groß.

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          Es sind die letzten Sommerferien für Zhang Yuchen, bevor die weiterführende Schule beginnt – doch genießen kann er sie kaum. Die Zeit, die der 14-Jährige mit Videospielen verbringen kann, wurde drastisch zusammengekürzt. Chinesische Spielehersteller wollen damit dem Vorwurf begegnen, sie würden „geistiges Opium“ an Chinas Jugend verkaufen. 

          Ein Beschluss des Videospielriesen Tencent hindert Spieler unter zwölf Jahren seitdem daran, in dem Multiplayer-Superhit „Honor of Kings“ Käufe zu tätigen. Für alle Spieler unter 18 Jahren gilt während der Ferien außerdem eine maximale Spielzeit von zwei Stunden, an Schultagen von einer Stunde.

          „Ich hätte heulen können“, sagt Zhang, als er sich daran erinnert, wie die Neuigkeit in China ankam, dem größten Markt für Videospiele der Welt. Allein im ersten Halbjahr 2021 wurden dort umgerechnet 17 Milliarden Euro Umsatz gemacht. „Dass sie die Spielzeit über die Ferien begrenzt haben bedeutet, dass ich nicht mehr so viel Honor of Kings spielen kann wie ich mag“, sagt Zhang.

          Eine Billion Dollar Börsenwert vernichtet

          Die Änderungen sind eine Reaktion der Spielehersteller auf Anschuldigungen des Staates. Die staatlichen Behörden haben bei ihrem Vorgehen gegen möglicherweise zu mächtige Technologiefirmen nun die Spielebranche entdeckt. Die Reaktion der Investoren: Aktien von Spieleherstellern wie Tencent, NetEase, XD Inc und Bilibili wurden abgestoßen – trotz der Größe des Markts.

          Das Vorgehen der Regierung ist aber nicht nur auf Spielehersteller beschränkt: Auch Onlinehandels- und Onlinedienstleistungsriesen wie Meituan und Alibaba müssen an den Aktienmärkten Federn lassen. Alibabas Kurs fiel am Donnerstag in Hongkong um 4,3 Prozent auf ein neues Rekordtief. Die Aktien fielen, nachdem Peking bekanntgab, Vorschläge zu prüfen, um die Rechte von Fahrern, die für Online-Unternehmen arbeiten, weiter zu sichern und die Aufsicht über die Livestreaming-Branche zu verstärken. Insgesamt wurden durch das Vorgehen der Regierung in den vergangenen Monaten rund eine Billion Dollar an Börsenwert chinesischer Unternehmen vernichtet.

          Manche Analysten halten die Reaktion auf die staatliche Berichterstattung über Videospiele für übertrieben. „Investoren haben das zu einer großen Geschichte gemacht, weil sie überreagiert haben“, sagt Ether Yin von der Beratungsfirma Trivium China. „Zu verhindern, dass Kinder von Videospielen abhängig werden, ist schon seit 2018 gängige Politik.“

          Eltern begrüßen die Einschränkungen

          Doch um der öffentlichen Kritik zuvorzukommen, hält auch Yin es nicht für unwahrscheinlich, dass weitere Hersteller ähnliche Regeln zu Spielzeiten und Käufen in Videospielen einführen. Die Auswirkungen für Tencent werden wohl vorerst minimal bleiben – lediglich 3 Prozent der Bruttoeinnahmen gehen auf Kunden unter 16 Jahren zurück.

          Auch Unbeteiligte fallen den neuen Jugendschutzbestimmungen von Tencent zum Opfer: Als der zwölfjährige Sohn des Programmierers Peng Jianfei dessen Account nutzte, um „Honor of Kings“ zu spielen, wurde das Konto versehentlich gesperrt. „Ich denke solche Maßnahmen können zu einem bestimmten Maß dazu beitragen, die Bildschirmzeit von Kindern zu verringern“, sagt der 45-Jährige. „Aber wenn ich die Spiele von Tencent nicht mehr spielen kann, dann kann ich ja immer noch zu NetEase gehen, oder?“

          Andere Eltern hingegen begrüßen die Einschränkungen. „Wenn Kinder zu viel Videospiele spielen, ist das schlecht für ihre Augen“, sagt eine 34-jährige Mutter in Peking. Ihr zehnjähriger Sohn und großer „Honor of Kings“-Fan sieht das ganz anders: „Mama, sag dass das eine schlechte Entscheidung war! Warum machen die das nur?“

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