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Chancen in der Pandemie : Die positive Seite dieser Krise

  • -Aktualisiert am

In Kontakt mit anderen trotz Kontaktsperren: Technik wie das Smartphone machen das möglich. Bild: EPA

Durch das Coronavirus beschleunigt sich die Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft. Das ist eine Chance, die wir nutzen sollten. Ein Gastbeitrag.

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          Das Thema Digitalisierung steht schon lange auf der Agenda. Seit Jahren. Für Tausende Unternehmen und Hunderttausende Angestellte. Der Vorstandsvorsitzende startete zahlreiche Digitalisierungs-Initiativen, der Technik-Vorstand ebenfalls. Beratertrupps entsandten Teams für agiles Management. Ein bisschen digital wurden wir alle, aber ganz langsam.

          Dann brach das neuartige Coronavirus über uns herein. „Social Distancing“ ist jetzt das Gebot der Stunde. Viele Deutsche arbeiten nun von Zuhause aus. Dies gelingt allerdings nur durch einen hohen Grad der Digitalisierung - so ist Corona auch das digitalisierende Virus.

          Unternehmen schränkten die Reisen ihrer Mitarbeiter ein, die Politik wünschte sich genügend Abstand nicht nur zwischen Angestellten, das bedeutete und bedeutet: Kein Großraumbüro, keine Kollegenkaffeemaschine, kein Pendeln in der überfüllten S-Bahn. Parallel dazu wurde die technische Infrastruktur aufgebaut, so das überhaupt digital gearbeitet werden konnte. Es wurden VPN-Tunnel eingerichtet, Bürotelefone datenschutzkonform auf Handys umgeleitet, die Internet-Kapazität vergrößert. Es fanden Schulungen für Videokonferenz-Tools statt. Innerhalb von Wochen wurde erzwungen, dass deutsche Büros digital arbeiten konnten. Und auch mussten.

          Und plötzlich arbeitet Bürodeutschland digital. Es holpert hier und da, aber grundsätzlich hat das Coronavirus geschafft, was viele Manager und Digitalisierungsberater nicht geschafft haben. Es ist wie eine Bewegung. Das Zwischenergebnis Stand heute: Es geht doch.

          Die Wirtschaft im 21. Jahrhundert

          Die Entwicklung der vergangenen Wochen ist durchaus beeindruckend: Zigtausende Angestellte und Büros kommunizieren digital miteinander. Durch Videokonferenzen sind geographische Distanzen auf ein Minimum geschrumpft. Im Januar noch musste man von Köln nach München für einen Geschäftstermine zwei Mal fünf Stunden Fahrtzeit einplanen, möglicherweise sogar noch eine Hotelübernachtung. Inzwischen sind es von Köln nach München ein paar Sekunden bis sich das Videokonferenz-Fenster am PC öffnet. Und es funktioniert.

          Das deutsche Unternehmensrecht wurde ebenso von einem Digitalisierungs-Schub erfasst. Alle Gesellschafter- und Hauptversammlungen können nach den beschlossenen Notfallgesetzen elektronisch organisiert und virtuell abgehalten werden, ohne dass – wie bisher – eine spezifisch ausgestaltete Satzung vorhanden sein muss.

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          Seit dem Jahrtausendwechsel wird die „Virtuelle Hauptversammlung“ diskutiert. Nun ging alles ganz schnell.

          Doch schon kurz nach Bekanntwerden der geplanten Gesetzesänderungen kam der erhobene Zeigefinger. Der Verlust von Aktionärsrechten wurde angemahnt und die baldige Rückkehr zum Urzustand eingefordert. Doch das Rad sollte nicht zurückgedreht werden. Vielmehr gilt es, die möglichen Erfahrungen zu sammeln, auszuwerten und in ein stimmiges Gesamtkonzept von physischen und virtuellen Versammlungen einfließen zu lassen. Das darf die Wirtschaft im 21. Jahrhundert erwarten.

          Handeln muss der deutsche Gesetzgeber in Sachen Digitalisierung des Unternehmensrechts ohnehin: Bis August 2021 sind nach einer im letzten Sommer in Kraft getretenen europäischen Richtlinie insbesondere Online-Gründungen von Kapitalgesellschaften sowie die Online-Registrierung von Zweigniederlassungen zu ermöglichen.

          Viel ist noch zu tun. Hier kommen einige Dinge, die unserer Ansicht nach dringend als nächstes dem Digitalisierungs-Sturm ausgesetzt werden sollten:

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