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Bund stellt Geld bereit : 250 Millionen Euro für Videospiele

Ein Fachbesucher testet auf der Gamescom 2016 mit einer VR-Brille. Bild: dpa

Deutschland fördert nun die Entwicklung digitaler Spiele. Andere Länder tun das längst. Doch ist es ökonomisch sinnvoll?

          3 Min.

          Deutschland wird künftig die heimische Entwicklung von Videospielen in größerem Umfang fördern. Insgesamt will der Bund dafür in den nächsten Jahren 250 Millionen Euro bereitstellen, wie Andreas Scheuer (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, am Freitag zur politischen Eröffnung der Videospielmesse Gamescom in einem dazu veröffentlichten Video ankündigte. Während es schon seit einem Jahr eine Pilotförderung gibt, in welcher der Bund je Projekt bis zu 200.000 Euro dazugibt, sollen nun je Projekt auch Fördersummen von mehreren Millionen Euro möglich sein.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Scheuer sprach von „richtig viel Geld für einzelne Spiele“. Die Produktion großer Videospiele kann leicht einen zwei- oder sogar dreistelligen Millionenbetrag kosten. Doch auch kleinere Projekte sollen erfasst werden: Für diese ist eine Förderquote von bis zu 50 Prozent möglich. Schon ab Ende September sollen die ersten Anträge eingereicht werden können. „Erste Games-Großprojekte gebe ich bis Ende des Jahres frei“, sagte Scheuer.

          Er löst damit ein Versprechen ein, das Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag gegeben haben. Gleichzeitig gibt er einem jahrelangen Drängen der Branche nach. Andere Länder fördern ihre Videospielentwickler schon seit längerem. Dem Geschäftsführer des Branchenverbands Game, Felix Falk, zufolge ist die Produktion eines Spiels in Deutschland bislang bis zu 30 Prozent teurer als in Frankreich oder Großbritannien. „Mit dem Start der großen Games-Förderung kann Deutschland als Games-Standort international endlich konkurrenzfähig werden“, sagt er. „Das ist der Startschuss für unsere Aufholjagd.“

          Die Corona-Krise hat der Spielebranche grundsätzlich geholfen. Daten des Informationsdienstes Newzoo zufolge werden auf der Welt inzwischen mehr als 160 Milliarden Dollar im Jahr für Videospiele ausgegeben. Auch der deutsche Markt wächst, im vergangenen Jahr gaben die Menschen hierzulande knapp 3,5 Milliarden Euro für Spiele-Software aus, zusammen mit den Umsätzen für Hardware wie Spiele-PCs und Konsolen sind es sogar mehr als 6Milliarden. Doch die deutschen Entwicklerstudios profitieren davon kaum: Bei lediglich knapp 5 Prozent lag der Marktanteil deutscher Entwicklungen auf ihrem Heimatmarkt.

          Mit den staatlichen Geldern soll das anders werden. Die Subventionen seien sinnvoll, sagt Christian Rusche vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. „Videospielentwicklungen haben relativ große externe Effekte. Von einer gut laufenden heimischen Games-Industrie profitieren die ganze restliche IT-Branche, die technischen Zulieferer und auch der deutsche Werbemarkt.“

          „Kulturtest“ für Games-Projekte

          Er verweist zudem darauf, dass die Videospielentwicklung talentierte Fachkräfte anziehe. „Wenn man eine Spiele-App entwickeln kann, kann man auch andere Anwendungen entwickeln – die Games-Industrie zu unterstützen hält das Knowhow in Deutschland.“ Da andere Länder ihre Entwickler förderten, riskierten solche, die es nicht täten, mittelfristig die Abwanderung von wichtigen Fachkräften und machten sich auch vom Ausland abhängig.

          Die Branche fordert vor allem Klarheit bei den Vergabeprozessen. „Es sollten klare Prozesse sein, die zur Geschwindigkeit in der Games-Branche auch passen“, sagte Hendrik Klindworth, Gründer und Chef des Hamburger Entwicklerstudios Innogames. „Man muss sich darauf verlassen können. Dann könnte es eine gute Sache sein.“ Bei der Umsetzung der Pilotförderung im vergangenen Jahr stöhnte Scheuers Ministerium unter der Zahl der Bewerbungen, die Bearbeitung der Anträge hakte. Inzwischen wurden aber viele Förderungen bewilligt.

          Um die Fördermittel zu bekommen, müssen Spieleprojekte einen „Kulturtest“ bestehen. Dieser fragt zum Beispiel danach, ob die Spielsituation in Deutschland oder Europa angesiedelt ist oder die deutsche oder europäische Kultur aufgreift. Bewerben können sich auch ausländische Unternehmen, die nur eine Niederlassung in Deutschland haben. Jedoch muss ein wesentlicher Teil der Entwicklung in Deutschland stattfinden.

          Die in diesem Jahr allein im Internet stattfindende Gamescom legt einen Schwerpunkt auf den Einsatz von Videospielen in der Schule. Digitalisierungs-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte, sie werde sich dafür einsetzen, dass mehr Spiele dort ankämen. „Sie machen Spaß, motivieren und geben sofort Feedback – diese Eigenschaften machen sie auch zu einem hervorragenden Lehrmittel.“ Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) stattete der Messe einen virtuellen Besuch ab. Gaming verbinde Menschen über Ländergrenzen hinweg, sagte er in einem am Freitag veröffentlichten Interview.

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