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Halbleiter : Bosch verlängert die Reichweite von Elektroautos

  • -Aktualisiert am

Mitarbeiter im Halbleiterwerk Bild: Bosch AG

Der Autozulieferer investiert in eine neue Chipproduktion in Reutlingen und Dresden. Mikrochips aus einem Siliziumkarbid sollen die E-Autos länger fahren lassen – und damit den Umstieg vom Verbrenner erleichtern.

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          Die Bedeutung der Halbleiter haben in der Autoindustrie in den letzten Jahren stark zugenommen: Vor allem bei den Elektroautos, bei denen aber potentielle Käufer oftmals die Angst äußern, der Strom könnte unterwegs ausgehen. Und genau diese Angst will der Autozulieferer Bosch den Kunden nehmen. Denn das Stiftungsunternehmen will mit Hilfe eines neuen Halbleiters für mehr Reichweite aus Elektroauto-Batterien sorgen. Mikrochips aus Siliziumkarbid brächten 6 Prozent mehr Reichweite als solche mit Silizium, sagte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger in Dresden. Sie hätten eine bessere Leitfähigkeit und brauchten weniger Energie für die Kühlung als bisherige Chips. Alternativ könnten die Autohersteller bei einer vorgegebenen Reichweite die Batterie verkleinern. Der weltgrößte Autozulieferer, der als einziger selbst Halbleiter produziert, stellte dank neuer Technologie niedrigere Kosten für den Batterieantrieb von Elektroautos in Aussicht.

          Produziert werden sollen die Mikrochips in Reutlingen südlich von Stuttgart. Zunächst habe Bosch in eine dortige Pilotlinie einen „dreistelligen Millionenbereich“ investiert. Ein erster Musterchip soll im nächsten Jahr vorliegen. Nach früheren Angaben investiert Bosch in den dortigen Standort insgesamt 500 Millionen Euro. Damit soll unter anderem der Bereich der mikromechanischen Sensoren (Mems) gestärkt werden. Das sind Chips, die teilweise kaum größer als ein Sandkorn sind. Sie werden beispielsweise in Mobiltelefone eingebaut, und auch in Autos können sie sehr gut eingesetzt werden: Die Sensoren können innerhalb zahlreicher Fahrassistenzsysteme verwendet werden, die letztlich ins autonome Fahren münden werden. In Reutlingen werden schon seit 1971 Halbleiter für den Automobilsektor produziert.

          Investition von 1 Milliarde Euro in Dresden

          „Siliziumkarbid-Halbleiter werden die Elektromobilität nachhaltig verändern“, sagte Kröger weiter. Die zweite große deutsche Chipfabrik des Stuttgarter Unternehmens in Dresden soll im Frühjahr 2020 die Arbeit aufnehmen. Mit einer Investitionssumme von 1 Milliarde Euro ist das neue Werk in der sächsischen Landeshauptstadt die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Die ersten rund 200 Mitarbeiter sollen bis Jahresende die neuen Gebäude in der Nähe des Flughafens beziehen.

          Bis zu 700 Mitarbeiter sollen es einmal am Standort Dresden sein. Wann das Ziel erreicht werde, hänge aber von der Nachfrage ab, hieß es. Künftig will das Unternehmen in Dresden auf 300-Millimeter-Wafern Chips für das Internet der Dinge und die Automobilindustrie fertigen. Wafer sind etwa ein Millimeter dicke Scheiben aus einem Halbleitermaterial mit einem maximalen Durchmesser von 300 Millimetern. Die Mikrochips sollen unter anderem in Airbags, ESP-Systemen und Motorsteuerungsgeräten zum Einsatz kommen.

          Bosch erwartet mit dem Umschwung vom Verbrennungsmotor zum Elektroautos und der Entwicklung selbstfahrender Autos Wachstum in diesem Geschäftsfeld. Nach Angaben des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ZVEI waren in einem Auto für elektronische Steuerungen zuletzt Chips im Wert von 337 Euro durchschnittlich verbaut. Ein Elektrofahrzeug benötigt zusätzlich Chips für 410 Euro, durch automatisiertes Fahren kommen 910 Euro für Mikroprozessoren hinzu. Nach Daten der Branchenexperten von Strategy Analytics lag Bosch auf dem 38 Milliarden Dollar großen Weltmarkt für Halbleiter im Automobilgeschäft bisher mit einem Anteil von 5,4 Prozent auf Platz sechs. Marktführer war NXP Semiconductors aus den Niederlanden mit einem Marktanteil von 12 Prozent, gefolgt von Infineon.

          Die Bayern betreiben schon eine Halbleiterfabrik in Dresden, das sich mit den zahlreichen Technologiefirmen dieser Branche als „Silicon Saxony“ vermarktet. Ein zweites Werk baut Infineon im österreichischen Villach. Die Ansiedlung von Bosch gehört zu den größten der vergangenen Jahre in Sachsen. Die Landeshauptstadt Dresden konnte sich gegen Konkurrenten wie Singapur und New York durchsetzen. Insgesamt setzt die Branche der Informations- und Kommunikationstechnik in Sachsen mit 2400 Unternehmen und 64.000 Beschäftigten über 15 Milliarden Euro im Jahr um.

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