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Mobilität der Zukunft : Bosch greift im vernetzten Fahren an

Volkmar Denner auf der Connected World Conference in Berlin Bild: Reuters

Der Stuttgarter Industriekonzern sieht im vernetzten Fahren ein großes Wachstumspotential. Deshalb gründet er dafür einen eigenen Geschäftsbereich - und kauft einen amerikanischen Mitfahrdienst.

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          Schön wäre es, wenn nicht mehr der Radiosprecher, sondern das eigene Auto vor Falschfahrern warnt. Weil das eigene Auto im Unterschied zum Radiosprecher genau weiß, wo genau man gerade unterwegs ist. Auch schön wäre es, wenn das Auto von alleine einparkt. Was bislang höchstens in Modellversuchen funktioniert, soll schon bald Realität werden. Geht es nach Fahrzeugherstellern, sollen in wenigen Jahren vernetzte Autos durch unsere Städte fahren. Für diese Vernetzung braucht es allerdings Zulieferer, die dafür nötige Sensoren entwickeln und verbauen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Der Stuttgarter Industriekonzern Bosch hat nun einen neuen Geschäftsbereich geschaffen, um diese Entwicklung zu beschleunigen. Das hat das Unternehmen am Mittwoch in Berlin auf der „Connected World“ mitgeteilt, einer Messe für das Internet der Dinge (IoT). In der Sparte „Connected Mobility Solutions“ sollen zukünftig mehr als 600 Mitarbeiter digitale Mobilitätsdienstleistungen entwickeln und verkaufen. Für Bosch mit seinen mehr als 400.000 Mitarbeitern klingt das zunächst nach einem kleinen Bereich. Aber dort tüfteln auf einen Schlag mehr Entwickler an neuen Diensten, als so mancher Mittelständler insgesamt beschäftigt. Das können etwa Service-Produkte für Autofahrer sein oder Car-Sharing-Angebote.

          Außerdem kauft Bosch den amerikanischen Mitfahrdienst SPLT. Das Start-up betreibt eine Plattform, mit dem Unternehmen oder Behörden für ihre Mitarbeiter Fahrgemeinschaften vermitteln können. Bislang hat SPLT 140.000 Nutzer. Bosch geht davon aus, dass es zukünftig deutlich mehr werden. „Vernetzung wird die Art, wie wir uns fortbewegen, grundlegend verändern und dabei helfen, die Verkehrsprobleme von heute zu lösen“, sagte Volkmar Denner, Vorstandsvorsitzender von Bosch.

          6,2 Millionen vernetzte Geräte

          Bosch hat an zwei Tagen zu seiner IoT-Messe „Connected World“ geladen, 4000 Besucher sind der Einladung in die Station Berlin in Kreuzberg gefolgt. Während auf der Bühne die Vorstände sprechen, basteln Entwickler und Programmierer nebenan auf einem sogenannten Hackathon an frischen Ideen für das Internet der Dinge (IoT). An rund 70 Ständen zeigt Bosch zudem, welche Technik aus Stuttgart künftig eingesetzt wird, um die Welt stärker zu vernetzen. Eine Parkplatz-Suchmaschine soll Autofahrern die Arbeit abnehmen und das Auto selbständig parken. Das Smartphone schließt künftig das Auto auf und zu. Und in der Produktionshalle hängt – wenn es nach Bosch geht – bald ein überdimensionales Display, auf dem alle Schritte der Fertigung dargestellt werden.

          Denner sieht großes Potential in dem neuen Geschäftsbereich: Nach Angaben der Unternehmensberatung PwC werden im Jahr 2025 mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge rund um die Welt unterwegs sein. In vier Jahren soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services demnach 140 Milliarden Euro betragen. „Das vernetzte Fahren ist für Bosch ein Wachstumsfeld. Bosch strebt mit seinen Lösungen ein deutlich zweistelliges Wachstum an“, sagt Denner.

          Bosch vernetzt mit seiner IoT-Cloud heute etwa 6,2 Millionen Sensoren, Geräte und Maschinen. In den gut 170 Projekten mit dem Internet der Dinge ist Bosch in der Landwirtschaft präsent, genauso wie in Gebäuden. Nun legen die Stuttgarter einen Fokus auf Mobilität. Das größte Geschäft für Bosch ist indes die Automobiltechnik: Sie steuerte zuletzt 47,4 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz von 78 Milliarden Euro bei.

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