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Kommentar : Bitcoin ist schädlich

  • -Aktualisiert am

Bitcoin-Mining in einer Miner-Fabrik in Italien Bild: Reuters

In der Bitcoin-Begeisterung wird eins oft übersehen: Der hohe Energieverbrauch macht ihn zur Schmuddelwährung Nummer eins.

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          Die Bitcoin-Begeisterung kennt gerade keine Grenzen. Nachdem die sogenannte Kryptowährung jahrelang vor sich hin darbte und nur unter eingefleischten Anhängern noch etwas galt, springen seit Wochen alle möglichen Anleger darauf an. Ob die Zahlungsdienste Paypal und Square, ob Großbanken, Hedgefonds oder Vermögensverwalter: Viele, die früher argwöhnisch waren, vertrauen jetzt dem „digitalen Gold“ und decken sich damit ein. Ihnen dient Bitcoin in Niedrigzinszeiten als Wert mit Potential, um Portfolios breiter aufzustellen.

          Dass der Bitcoin-Preis deshalb ständig neue Rekordhöhen erreicht und  30.000 Dollar überstiegen hat, ist schön für die risikofreudigen Anlageprofis und diejenigen, die in ihren Computerzentren das digitale Gut herstellen und an der Preisexplosion von rund 300 Prozent in einem Jahr verdienen. Schädlich ist der Hype jedoch für den Rest der Welt. Denn die Herstellung und Nutzung verbraucht eine schier unvorstellbare Menge Energie und macht Bitcoin zur Schmuddelwährung Nummer eins.

          Wie viel Energie Bitcoin frisst, berechnet der „Consumption Index“. Der Blick auf eine einzelne Bitcoin-Transaktion muss nicht nur Klimaaktivisten das Fürchten lehren: Der Stromverbrauch ist so hoch wie jener eines amerikanischen Durchschnittshaushalts in 23 Tagen. Der CO2-Fußabdruck ist so enorm, als würde man 54.000 Stunden Internetvideos schauen. Und der anfallende Elektromüll entspricht der Größe von zwei Golfbällen. Wohlgemerkt: Das alles gilt für eine einzige Transaktion.

          Zwar nutzen angeblich drei Viertel aller Rechenzentren unter anderem erneuerbare Energien. Doch zum einen reichen Wind und Wasser oft nicht aus, um die Bitcoin-Produktion vorwiegend in China sicherzustellen. Zum anderen haben Glücksjäger, die wie in Kasachstan mit Staatsgeldern Bitcoin verschlüsselt herstellen, anderes im Sinn als sauberen Strom. Vielleicht sollten Vermögensverwalter, die sich, ach so, nachhaltig geben und trotzdem Bitcoin kaufen, mal darüber nachdenken.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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