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Uğur Şahin auf der DLD : In zehn Monaten zum Superhelden

Biontech-Gründer Ugur Sahin Bild: dpa

Der Biontech-Gründer ist der Star des diesjährigen Tech-Treffens. Wenn er von der Entstehung des Impfstoffs erzählt, hören alle zu.

          2 Min.

          Wenn Menschen in zehn Jahren darauf zurückblicken, wie die Welt die Corona-Pandemie besiegt hat, dann wird vermutlich als einer der ersten Namen der von Uğur Şahin fallen. Der Biontech-Gründer hat als Erster mit seinem Impfstoff das Virus besiegt – nicht nur für sich, sondern für Milliarden Menschen rund um den Planeten. Als Wissenschaftler. Und als Unternehmer.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Einerseits ist mittlerweile bekannt, wie es dazu kam. Andererseits ist faszinierend, wenn Şahin selbst davon erzählt. Zur Digitalkonferenz DLD lässt er sich aus seinem Heim in Mainz zuschalten, grüßt knapp, startet seine Präsentation – und berichtet dann. Davon, wie er im Januar des vergangenen Jahres einen Bericht über einen „Ausbruch“ in China gelesen hat. Davon, wie ihm klarwurde, dass es sich um eine ernstzunehmende Krankheit handelt. Davon, wie er ermittelte, dass Wuhan eine innerhalb Chinas eng verflochtene Stadt ist und sie einen internationalen Flughafen besitzt, an dem 2300 Flüge in einer Woche abgefertigt werden – also klar war, dass die Krankheit sicher nicht in China bleibt.

          Und davon, wie er mit seiner Frau und dem Unternehmen Biontech beschloss, ein Gegenmittel zu entwickeln, einen Impfstoff. „Wir waren keine Experten für das Virus, aber Experten des Immunsystems.“ Noch an dem Wochenende, als sie die erste umfassende Studie über den Ausbruch in Wuhan lasen, hätten sie damit begonnen, Literatur zu wälzen.

          Dass sie anfangs keine Experten für das Virus waren, änderte sich schnell, in Rekordzeit. Şahin analysierte die Vorläufer des aktuellen Virus, ermittelte mögliche Impfstoff-Kandidaten, wählte wenige davon für erste klinische Tests aus. Und zwar international; er kooperierte mit Pfizer in den Vereinigten Staaten und Fosun in China. Ohne eine weltumspannende Kollaboration, das betont er mehrfach, wäre die historische Leistung gar nicht möglich gewesen.

          Şahin erschuf nicht nur einen zugelassenen Impfstoff in Rekordzeit, sondern gleich noch dazu mit einem neuen Verfahren, mittels der sogenannten mRNA-Technologie. Nicht in Jahren, sondern in Monaten. Schon im November war es soweit, die Ergebnisse sorgten für Schlagzeilen – nicht nur wegen der Geschwindigkeit, sondern auch der Wirksamkeit des Wirkstoffs. Şahin wurde zum Superheld.

          Ein Netzwerk durch die ganze Welt: Biontechs Partner für die Impfstoffproduktion.
          Ein Netzwerk durch die ganze Welt: Biontechs Partner für die Impfstoffproduktion. : Bild: F.A.Z.

          Nun befindet er sich mitten in der nächsten Herausforderung. 25 Millionen mRNA-Dosen konnte Biontech im vergangenen Jahr herstellen, in diesem Jahr sollen es am Ende ungefähr zwei Milliarden gewesen sein. Er zeigt eine Folie, die klarmacht, wie das funktioniert – indem unzählige Unternehmen zusammenarbeiten, die sonst teils hart miteinander konkurrieren. Dort stehen Namen wie Novartis, Sanofi, Merck, Evonik, Pfizer oder Baxter.

          Von 10.000 zu 2 Milliarden mRNA-Dosen: Das Hochfahren der Produktion von Biontech und seinen Partnern.
          Von 10.000 zu 2 Milliarden mRNA-Dosen: Das Hochfahren der Produktion von Biontech und seinen Partnern. : Bild: F.A.Z.

          Die bisher aufgetretenen Mutationen machten ihm keine allzu großen Sorgen, sagt er dann. Überhaupt gehören Mutationen immer dazu, gerade wenn so viele Menschen infiziert sind – ihn überrasche das gar nicht. Es gebe bisher keine „Super-Variante“, die resistent gegen die vorhandenen Impfstoffe sei.

          Licht am Ende des Tunnels: Diese Zahlen zu Impfungen und neuen Covid-Fällen zeigte Sahin während seines Vortrages.
          Licht am Ende des Tunnels: Diese Zahlen zu Impfungen und neuen Covid-Fällen zeigte Sahin während seines Vortrages. : Bild: Screenshot F.A.Z.

          Zuversicht verbreitet er auch, wenn es darum geht, wie schnell gerade Deutschland damit vorankommt, seine Bürger zu impfen. In den vergangenen zwei Monaten seien schon mehr Menschen geimpft worden (ungefähr 3,2 Millionen) als sich überhaupt bislang mit dem Virus infiziert hätten. Jeden Tag übersteige die Zahl der Geimpften diejenige der neu infizierten um ein Vielfaches – keine ganz gängige Statistik, aber die, an der zumindest Şahin seine Zuversicht abliest.

          „Wir haben an einem Mittel für ein einzelnes Individuum angefangen und hatten am Ende eines für die ganze Menschheit“, erinnert er noch einmal daran, womit sie sich bei Biontech ursprünglich befassten, mit personalisierten Behandlungen gegen Krebs. In der Zeit vor der Pandemie. In der Zeit, bevor Uğur Şahin und seine Frau Özlem Türeci Superhelden waren.

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