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Bill Gates zur Corona-Krise : Drei Bedingungen, um die Pandemie zu stoppen

  • -Aktualisiert am

Bill Gates wirbt für Impfstoff-Zugang für alle. Bild: AP

Arme Länder werden sich nicht gegen das Virus immunisieren können. Und das ist auch eine Katastrophe für reiche Länder, schreibt Microsoft-Gründer Bill Gates in einem Gastbeitrag.

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          Die Welt steht kurz vor einer wissenschaftlichen Meisterleistung: Anfang nächsten Jahres soll ein sicherer und wirksamer Impfstoff gegen COVID-19 bereitstehen, vermutlich sogar mehrere. Damit haben wir endlich die Chance, der Bedrohung durch die Pandemie ein Ende zu setzen – und zur Normalität zurückzukehren.

          Gibt es eine Impfung gegen das Virus, können die Regierungen die Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung aufheben. Wir werden keine Masken mehr zu tragen brauchen. Die Weltwirtschaft wird wieder volle Fahrt aufnehmen.

          Zwingend findet diese Entwicklung aber nicht statt. Um dorthin zu gelangen, braucht die Welt zuerst drei Dinge: die Kapazitäten, Milliarden Impfstoffdosen zu produzieren, die finanziellen Mittel, um sie zu bezahlen, und Systeme, die diese verbreiten können.

          Kapazitäten, um Impfstoffe zu produzieren

          Aktuell ist vorgesehen, dass der Großteil der COVID-19-Impfungen an die reichen Länder geht. Diese haben mit Pharmaunternehmen Abkommen unterzeichnet und sich das Vorkaufsrecht auf Milliarden Dosen gesichert.

          Was aber ist mit Ländern niedrigen oder niedrigen mittleren Einkommens, wie dem Südsudan, Nicaragua oder Myanmar? Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in solchen Staaten, die nicht über die Kaufkraft verfügen, um riesige Deals mit Pharmaunternehmen abzuschließen. So wie die Dinge gerade stehen, können diese Länder im besten Fall 14 Prozent ihrer Bevölkerung immunisieren.

          Das wäre ein Desaster für ärmere Länder. Aber das ist offensichtlich. Weniger offensichtlich, aber genauso wahr ist dies: Es wäre auch ein Desaster für reiche Länder.

          Forscher der Northeastern University haben mit einem neuen Modell basierend auf zwei Szenarien illustriert, wie sich eine ungleiche Verteilung der COVID-19-Impfung auswirkt. Im ersten Szenario werden die Impfstoffe auf alle Länder je nach Bevölkerungsgröße verteilt. Das andere Szenario ähnelt dem, was gerade geschieht: 50 reiche Länder erhalten die ersten 2 Milliarden Dosen Impfstoffe. In diesem Szenario breitet sich das Virus in drei Vierteln der Welt unkontrolliert für weitere vier Monate aus. Und fast zwei Mal so viele Menschen sterben.

          Das wäre ein enormes moralisches Versagen. Mit einer Impfung wird COVID-19 zu einer vermeidbaren Krankheit, an der niemand sterben sollte, wenn das Land, in dem er lebt, nicht die Finanzkraft hat, um sich vorab Impfstoffe zu sichern. Davon abgesehen braucht es nicht einmal ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis, um das Problem an Szenario zwei zu begreifen.

          In diesem Szenario würde es uns allen so wie Australien oder Neuseeland ergehen. Auf dem Staatsgebiet dieser Länder sind die Fallzahlen seit Langem sehr gering. Jedoch zieht der Lockdown ihrer Handelspartner die Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft. Und immer wieder gelangen Träger der Krankheit in den Südpazifik, sorgen für neue Cluster, die sich vergrößern und verbreiten. Immer wieder müssen Schulen und Büros geschlossen werden.

          Sogar bei einem Überangebot an Impfstoffen wäre in reichen Ländern noch das Risiko von Neuinfektionen gegeben. Denn nicht alle Menschen werden sich impfen lassen. Die einzige Möglichkeit, die Bedrohung endgültig aus dem Weg zu räumen, ist, sie überall auszurotten.

          Wollen wir dafür sorgen, dass es bei der Verbreitung des Impfstoffes keine Lücken gibt, reicht es nicht, die reichen Länder anzuprangern. Was sie tun, ist völlig nachvollziehbar: Sie versuchen, Ihre Bewohner zu schützen. Vielmehr müssen wir die weltweiten Kapazitäten zur Impfstoffproduktion massiv steigern. Damit wir alle Menschen zu erreichen, egal wo sie leben.

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